Sonntagsmomente: Wir sind Gäste

Melissa Martin „Dining Room“, Foto: Susanne Brandt

Wir sind Gäste
alle
überall
ohne Anspruch
auf einen Platz
am gedeckten Tisch,
nicht geladen,
um uns einzurichten
hinter Mauern
für immer.

Aber
immer willkommen,
um im Lebendigen
Heimat zu finden,
wo Wind durch die Sorgen fährt
und die Sonne uns wärmt nach dem Winter.

Willkommen,
wir alle
unter dem Himmel,
der Licht, Wind und Wasser unfassbar verschenkt,
dass wir aufmerksam werden, erschrecken, uns freuen
und staunend erkennen
was Freiheit heißt.

Susanne Brandt

„Die bunten Häuser lauschen in den Tag“. Ostböhmische Impressionen

Foto: Susanne Brandt

Plastik Olbrama Zoubka in Hradec Kralove Foto: Susanne Brandt

Hradec Králové (Königsgrätz) in Ostböhmen ist etwas Besonderes: Jung ist die Stadt durch die vielen Studierenden, die sich nicht nur auf dem neuen Campus tummeln, sondern z.B. ebenso mitten auf dem Markt im Neuen Adalbertinum ein und aus gehen und den ganzen Tag den Klang ihrer Instrumente aus den Musikzimmern über den Hof wehen lassen. Schon der Dichter Karel Capek hat hinter diesen Mauern gelernt.

Und das Leben in diesem ehemaligen Jesuiten-Kolleg reicht noch sehr viel weiter zurück: Alt ist die Stadt durch ihre lange Geschichte, die sich vor allem an der Baukunst aus verschiedenen Epochen ablesen lässt. Sie spricht durch viele kleine Details, die sich den Betrachtenden zeigen, wenn sie langsam und aufmerksam durch die Stadt gehen, vielleicht zwischendurch an einem der vielen Plätze und grünen Winkel für einen Moment verweilen. Denn dazu lädt diese kleine Perle an der Elbe ein: Halte inne und schau genau hin! Auch die Frau mit den goldenen Haaren vor dem Theater wird dann nicht verborgen bleiben. Weiterlesen

Das besondere Buch: „Wasserwelten“ als Gesamtkunstwerk aus Farben, Papier und Poesie

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Copyright: Baobab

„Regen prasselt, lauter Donner, / alle Wege sind verschwommen. / In tiefen Gräben lärmen gestreifte Frösche, / als spielten sie Trommeln zum Tanz.“ Mehr als 2000 Jahre alt sind die im Ursprung tamilischen Naturimpressionen der klassischen Literatur, die die Bilder dieses besonderen Kinderkunstbuches begleiten. Die assoziativ damit korrespondierenden ganzseitigen Acrylbilder in leuchtenden Farben und feinen Linienstrukturen stammen von dem jungen nordindischen Zeichner  Rambharos Jha, der über die Volkskunst seiner Heimat zu ganz eigenen Ausdrucksformen gefunden hat. Was es dabei im Detail zu entdecken gibt, erläutert er zu jedem Motiv in kurz und klar formulierten, schon für Kinder verständlichen „Seh-Hilfen“. Weiterlesen

Geschichte einer Flucht: Musik, Kunst und Erzählen als einfühlsame Sprachen der Hoffnung

51+YctBH8KL._SY352_BO1,204,203,200_Musiktherapeutische, künstlerische und erzählerische Mittel und Erfahrungen fließen ein in diese deutsch-arabische Kamishibai-Geschichte mit Begleitmaterial 

Angst bestimmt den Alltag vieler Menschen, bevor sie die Gefahren und Strapazen einer Flucht auf sich nehmen. So auch bei der sechsjährigen Raha und ihrer Mutter in dieser Geschichte. In der Hoffnung, dass ihr Vater bald nachkommen kann, schaffen sie es gemeinsam über die Grenze und durchs Gebirge bis zum Meer. Als Zeichen dieser Hoffnung mit dabei: eine beschädigte Perlenkette von zu Hause, die im Verlauf der Flucht durch kleine Kostbarkeiten eine langsame Verwandlung und Heilung erfährt. Ein solches Heilwerden kann vielleicht auch Raha mit ihrer Familie nach und nach erleben. „Hoffnung ist der Glaube, dass alles gut werden wird“, heißt es am Anfang und Ende der Geschichte. Dafür steht Rahas von Alexander Jansen einfühlsam beschriebene Flucht und Ankunft – exemplarisch für unzählige ähnliche Wege. Weiterlesen

Italienische Bergwelt und tschechische Kunstdialoge – eine Bilderreise

Eine Entdeckungsreise mit faszinierenden Natur- und Kulturbegegnungen führte uns in diesem Jahr quer durch Südtirol Richtung Osten und zurück durch Tschechien Richtung Norden mit Station in der Europäischen Kulturhauptstadt Pilsen.

Drei Impressionen…

1. Mit allen Sinnen – Vigiljoch (bei Meran)

SonnenaufgangDurch die offene Tür
wandert die Nacht durchs Zimmer,
streichelt zärtlich die Stirn,
dass selbst die Schlaflosen
Ruhe finden
mit allem was da ist,
so einfach und schön:

das leise Knistern der Zweige,
von feuchten Wiesen der feine Duft
und in der Frühe
noch zaghaft die Lieder der Vögel,

Sinne

Sinnliche Begegnungen am Wegesrand / Vigiljoch

bis der Tag gelassen die Arme weitet,
den Zauber der Nacht
behutsam umfängt
und ihn langsam verwandelt
in Licht.

Susanne Brandt
im Juni 2015 am Vigiljoch Weiterlesen