„Frühlingsregen“ – ein Nachdenken über das Singen an der Hamburger Talmud-Tora-Schule

Liederbuch

Foto: Susanne Brandt

Ich denke zurück an die Talmud-Tora-Schule im Hamburger Grindelviertel. Immer wieder. Vor genau 30 Jahren habe ich dort am Fachbereich Bibliothekswesen, der damals im Gebäude der ehemals (und heute wieder) jüdischen Talmud-Tora-Schule untergebracht war, meine Diplomarbeit über Geschichte und Ausgabeformen von Kinderliederbüchern geschrieben. Leider wusste ich damals noch nicht, dass rund 50 Jahre zuvor – im Jahre 1935 – der Musiklehrer Joseph Jacobsen (1897-1943) an dieser Schule ein Liederbuch unter dem Titel „Auf! Lasst uns singen“ הבה נשירה (Hawa naschira) herausgebracht hatte, das nur für wenige Jahre zum gemeinsamen Singen von deutschen, hebräischen und jiddischen Liedern einladen konnte. Joseph Jacobsen war schon als Kind Anfang des 20. Jahrhunderts selbst an der Talmud-Tora-Schule unterrichtet worden.  Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Jacobsen zusammen mit dem gesamten Kollegium der Talmud-Tora-Schule verhaftet und elf Tage im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Danach floh er mit seiner Familie nach London, wo er wenige Jahre später nach schwerer Krankheit starb.

Rund 65 Jahre lang – bis zur kommentierten Neuausgabe 2001  –  blieb das von ihm herausgegebene Liederbuch als besonderes Musik- und Zeitdokument des gemeinsamen Singens und Spielens nur noch wenigen Menschen zugänglich. Die 1. Auflage war nach 1935 schnell vergriffen. Eine 2. Auflage konnte es nicht mehr geben… Weiterlesen

Singen und Erzählen: Wölfe, Schafe….und ein kleines „Wunschkonzert“

WolfBei der letzten Vorlesezeit in der Stadtbibliothek Flensburg ging es um Orte, an denen sich Tiere besonders wohl fühlen. Und weil wir dabei zwischen so vielen Büchern hockten, durfte natürlich auch der Wolf nicht fehlen, der aus einem Buch gefallen war und jetzt ein neues Zuhause suchte…

Gefallen hat den rund 15 Kindern, die sich an diesem Nachmittag eingefunden hatten, offenbar ebenso, dass dabei auch musikalisch erzählt wurde: mit der kleinen Mausegitarre zum Lied „Wo fühlt sich die Maus zu Haus?“ Weiterlesen

Mit der „Mausegitarre“ in den Sommer

LIED„Hütte, Zelt & Mauseloch“ – darum geht’s bei der nächsten Vorleseveranstaltung in der Stadtbibliothek Flensburg. Und dazu passt das seit 10 Jahren in vielen Kindergärten beheimatete Lied von allerlei Tieren, die hier oder dort Unterschlupf suchen: Wo fühlt sich die Maus zu Haus….? Diesmal freue ich mich besonders darauf, meine Ukuleleneue Ukulele zum Einsatz bringen zu können. Heute wurden die Griffe für die andere Saitenstimmung eingeübt – und Dienstag kann ich mich dann morgens mit federleichtem Gepäck zu Fuß auf den Weg in die Stadt machen. Weil sich die kleine „Mausegitarre“ wunderbar überall mit hinnehmen lässt. Feine Sache!

21.07.2015, 16.00 Uhr Hütte, Zelt & Mauseloch – wo man überall wohnen kann! Erzählt und gelesen von Susanne Brandt in der Stadtbibliothek Flensburg

Unterwegs mit Ukulele – von Steinen und anderen Schätzen

UkuleleRechtzeitig für die schöne Jahreszeit habe ich mir eine Ukulele besorgt. Meine Gitarre hat sozusagen eine kleine Schwester bekommen. Die kann ich unkompliziert zu Fuß, auf dem Fahrrad, in der Bahn überall mit hin nehmen, und auch wenn es beim Vorlesen in der Stadtbibliothek mal wieder reichlich eng und krabbelig wird, findet das kleine Instrument dazwischen noch Platz und lässt allen viel Bewegungsfreiheit. So soll’s sein, wenn Geschichten, Musik und ganz viele Kinder zusammen kommen!

Dank der guten Auswahl und Beratung im Flensburger Musikladen am Nordermarkt habe ich ein wirklich klangschönes und bundreines Exemplar von Ohana www.ohana-music.com gefunden – nun brauche ich nur noch Zeit, um nach und nach auszuprobieren, was sich damit alles machen lässt… Weiterlesen

Aus der Musik- und Wortwerkstatt: Dada, Sprachspiel, Kinderkultur? Ein 100 Jahre altes Lied neu belebt

In Liedern leben Geschichten – und Geschichte! Ihnen nachzuspüren, bleibt Annäherung, vielleicht Mutmaßung, kann sich als spannend und überraschend erweisen. Denn Volkslieder, die in Häusern und auf Straßen von Menschen für Menschen entstanden sind und den Weg in die Welt gefunden haben, führen mitunter ein freies und wildes Leben und lassen sich gar nicht so leicht einfangen, be- und festschreiben.

So auch beim Lied von den „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“, das als musikalisches Sprachspiel seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Umlauf ist und unterwegs Übertragungen in skandinavische Sprachen, in Türkisch und Hebräisch erlebt hat. Mögliche Vorläufer und Ähnlichkeiten zu Sing- und Spielformen, die aus Estland wie aus Italien und Spanien bekannt sind, runden das vielfältige Bild der Verbreitungs- und Entwicklungsgeschichte ab. Auch lassen sich zahlreiche Variationen zur Zahl und Herkunft der Musikanten nachweisen. Nicht immer besteht die muntere Gruppe aus drei Musikanten und nicht überall kommen sie aus China… Weiterlesen