Zum #Indiebookday 2018: Von der Schönheit des Alltäglichen

Meine Empfehlung zum #Indiebookday 2018, der den besonderen Büchern in unabhängigen/kleinen Verlagen gewidmet ist:

“Wie der  Onkel Avrom Brot gegessen hat” – eine kleine poetische Miniatur über die Schönheit des Elementaren: das Wasser, das Feuer, Himmel und Erde, Musik und Sprache, Liebe und Brot.

Der Autor Israil Bercovici wurde am 20. Dezember 1921 im rumänischen Botoschan geboren und ist am 15. Februar 1988 in Bukarest gestorben. Er hat die jiddische Literatur und das jiddische Theater bleibend bereichert. In diesem Büchlein ist sein Onkel Avrom von dem Bedürfnis beseelt, die lebenswichtigen Dinge des Alltags nicht alltäglich werden zu lassen. Beigefügt ist der Text in Jiddisch, gedruckt in hebräischen Lettern.

Aus dem Jiddischen nachgedichtet von Jürgen Rennert.
Mit 10 Bildern von Hannelore Teutsch, erschienen in Verlag Hentrich & Hentrich, ISBN 3-933471-51-6

Mehr Informationen zum #indiebookday: https://www.indiebookday.de/

„Frühlingsregen“ – ein Nachdenken über das Singen an der Hamburger Talmud-Tora-Schule

Liederbuch

Foto: Susanne Brandt

Ich denke zurück an die Talmud-Tora-Schule im Hamburger Grindelviertel. Immer wieder. Vor genau 30 Jahren habe ich dort am Fachbereich Bibliothekswesen, der damals im Gebäude der ehemals (und heute wieder) jüdischen Talmud-Tora-Schule untergebracht war, meine Diplomarbeit über Geschichte und Ausgabeformen von Kinderliederbüchern geschrieben. Leider wusste ich damals noch nicht, dass rund 50 Jahre zuvor – im Jahre 1935 – der Musiklehrer Joseph Jacobsen (1897-1943) an dieser Schule ein Liederbuch unter dem Titel „Auf! Lasst uns singen“ הבה נשירה (Hawa naschira) herausgebracht hatte, das nur für wenige Jahre zum gemeinsamen Singen von deutschen, hebräischen und jiddischen Liedern einladen konnte. Joseph Jacobsen war schon als Kind Anfang des 20. Jahrhunderts selbst an der Talmud-Tora-Schule unterrichtet worden.  Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Jacobsen zusammen mit dem gesamten Kollegium der Talmud-Tora-Schule verhaftet und elf Tage im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Danach floh er mit seiner Familie nach London, wo er wenige Jahre später nach schwerer Krankheit starb.

Rund 65 Jahre lang – bis zur kommentierten Neuausgabe 2001  –  blieb das von ihm herausgegebene Liederbuch als besonderes Musik- und Zeitdokument des gemeinsamen Singens und Spielens nur noch wenigen Menschen zugänglich. Die 1. Auflage war nach 1935 schnell vergriffen. Eine 2. Auflage konnte es nicht mehr geben… Weiterlesen