Sommerlich und interkulturell: Dialog in Deutsch mit einer persischen Kirschengeschichte

KirschenSeit vielen Monaten sammle ich Geschichten aus aller Welt. Nicht zu lang sollen sie sein. Und sprachlich nicht zu schwierig. Bei den Geschichten für Kinder wird man da schnell fündig. Soll die Handlung aber auch für Erwachsene interessant sein und Anlass geben für ein anschließendes Gespräch, wird die Auswahl schon kleiner. Aber die Suche lohnt sich! Aus allen Teilen der Welt sind wunderbare kleine Geschichten überliefert, die sich gut miteinander lesen und bedenken lassen. Sie bieten vielfältige Gelegenheiten, um erste Deutschkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen, regen aber anschließend vor allem zu spannenden Gesprächen an und beleben ganz nebenbei das gemeinsame interkulturelle Verstehen. Denn ein Lernen mit Geschichten ist nie einseitig! Weiterlesen

Zum „Welttag der kulturellen Vielfalt“: Märchen in der weltweiten Erzählkultur – erfahren und erforscht

Foto: UNESCO

Foto: UNESCO

Der jährlich am 21. Mai begangene „Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung“ soll das öffentliche Bewusstsein für kulturelle Vielfalt stärken, wie es in der Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt von der UNESCO-Generalkonferenz 2001 vereinbart worden ist.  „Als Quelle des Austauschs, der Erneuerung und der Kreativität ist kulturelle Vielfalt für die Menschheit ebenso wichtig wie die biologische Vielfalt für die Natur.“, heißt es in Art. 1 der Erklärung.  Und Art. 7 ergänzt:  „Kreativität ergibt sich aus den Wurzeln kultureller Tradition, aber sie kann sich nur im Kontakt mit anderen Kulturen entfalten.“

Do one thing… – z.B. „Märchen interkulturell entdecken und mehrsprachig erleben“

Um diese facettenreiche „Allgemeinen Erklärung“ an einem Praxisthema zu konkretisieren, wird hier in diesem Jahr das Märchen mit seiner vielfältigen weltweiten Erzählkultur in den Blick gerückt und als Anregung zum Dialog, zur Kreativität wie zur interkulturellen und mehrsprachigen Begegnung betrachtet. Denn verschiedene Erfahrungen mit Märchen im interkulturellen Austausch haben mein Interesse und meine Verbundenheit mit dem Thema in letzter Zeit intensiviert und farbiger werden lassen.

Erfahrung Nr.1: Auf Schatzsuche nach vertrauten Geschichten Weiterlesen

„Frühlingsregen“ – ein Nachdenken über das Singen an der Hamburger Talmud-Tora-Schule

Liederbuch

Foto: Susanne Brandt

Ich denke zurück an die Talmud-Tora-Schule im Hamburger Grindelviertel. Immer wieder. Vor genau 30 Jahren habe ich dort am Fachbereich Bibliothekswesen, der damals im Gebäude der ehemals (und heute wieder) jüdischen Talmud-Tora-Schule untergebracht war, meine Diplomarbeit über Geschichte und Ausgabeformen von Kinderliederbüchern geschrieben. Leider wusste ich damals noch nicht, dass rund 50 Jahre zuvor – im Jahre 1935 – der Musiklehrer Joseph Jacobsen (1897-1943) an dieser Schule ein Liederbuch unter dem Titel „Auf! Lasst uns singen“ הבה נשירה (Hawa naschira) herausgebracht hatte, das nur für wenige Jahre zum gemeinsamen Singen von deutschen, hebräischen und jiddischen Liedern einladen konnte. Joseph Jacobsen war schon als Kind Anfang des 20. Jahrhunderts selbst an der Talmud-Tora-Schule unterrichtet worden.  Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Jacobsen zusammen mit dem gesamten Kollegium der Talmud-Tora-Schule verhaftet und elf Tage im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Danach floh er mit seiner Familie nach London, wo er wenige Jahre später nach schwerer Krankheit starb.

Rund 65 Jahre lang – bis zur kommentierten Neuausgabe 2001  –  blieb das von ihm herausgegebene Liederbuch als besonderes Musik- und Zeitdokument des gemeinsamen Singens und Spielens nur noch wenigen Menschen zugänglich. Die 1. Auflage war nach 1935 schnell vergriffen. Eine 2. Auflage konnte es nicht mehr geben… Weiterlesen

Aylin und das Mondlicht oder: Mit Geschichten, Gedichten und Spielen Begegnung erfahren

Ernst Oppler (1867-1929): Abend an der Ostsee

Ernst Oppler (1867-1929): Abend an der Ostsee

Aylin und das Mondlicht

Der Wind weht frisch an diesem Abend, deswegen zieht Aylin den Reißverschluss ihres Anoraks bis unter das Kinn. Sie tippelt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Ihre Oma hat sich sogar schon Handschuhe angezogen. Als Aylin nach Omas Hand greift, merkt sie, dass sie sich wollig und weich anfühlen. Sie ist ein bisschen aufgeregt, denn schon lange hat sie sich auf den Abend gefreut, an dem sie mit ihrer Laterne laufen geht. Das haben Aylin und ihre Oma noch nie gemacht! In dem Land, aus dem sie vor einem Jahr hier hergekommen sind, gab es keine Laternenumzüge. Dort gab es andere Feste mit Lichtern und Kerzen.

Aylin freut sich, dass sie ihre Laterne für den Laternenumzug im Kindergarten selbst basteln konnte. Sie hat dabei an etwas gedacht, was sie gut kennt: den Mond. Auch dort, wo sie früher wohnte, war der Mond fast an jedem Abend am Himmel zu sehen. Sogar ihr Name hat etwas mit dem Mond zu tun.

Auch die anderen Kinder im Kindergarten konnten sich für ihre Laterne etwas ausdenken, was sie besonders gern mochten: Jussuf wollte unbedingt eine Fledermauslaterne basteln und bei Emmas Laterne sollte ein bunter Regenbogen aufleuchten. Am Ende sahen alle Laternen ganz verschieden aus…

So beginnt die Geschichte von einem Laternenlauf, bei dem Kinder aus verschiedenen Herkunftsländern die Faszination von Licht und Dunkelheit gemeinsam erleben und einander in überraschender Weise helfen können. Ich bin froh, dass ich mich mit diesem und zwei weiteren Beiträgen beteiligen konnte an dem Spiel- und Lernpaket des Kiga-Fachverlags unter dem Titel „Ich und du – wir gehören dazu“, das diese Tage aktuell mit einer Fülle von Praxisanregungen zu Themen wie diesen erschienen ist: Weiterlesen