Flüchtling-Magazin: Miteinander schreiben – voneinander lernen

“Kommunikation” heißt die Skulptur, die über dieser Seite abgebildet ist. Sie steht im Nationalpark Wattenmeer, dem Wind ausgesetzt: zwei Menschen, Mann und Frau, die in unterschiedliche Richtungen schauen. Aber: Sie haben einen guten Draht zueinander, der verbindet ihre Gedanken. Hauke Jessen, ein Künstler aus Hamburg, hat das Kunstwerk geschaffen.

c Flüchtling-Magazin

Kommunikation – darum geht es auch beim Flüchtling-Magazin: Hier wird nicht über andere, sondern miteinander gesprochen und geschrieben. Menschen aus unterschiedlichen Ländern teilen einander mit, wie sie Kultur, Alltag, Religion, Integration und vieles mehr, was ihnen im Leben wichtig ist, erleben. So lernen wir miteinander!

Für mich persönlich ist es eine wertvolle Erfahrung, ehrenamtlich in dem vielfältigen Team des “Flüchtling-Magazins” als Lektorin und Autorin jeden Tag ein bisschen daran mitwirken zu können. Das bedeutet viel mehr als “Korrekturlesen”! Es geht darum, sich einzufühlen in fremde Texte mit den Gedanken, die die Schreibenden in ihren Beitrag hineingelegt haben. Oft heißt das auch: die Blickrichtung wechseln und Dinge einfach mal aus anderer Perspektive betrachten. Sich mitunter elementar berühren und bewegen, vielleicht erschüttern lassen. So wie Hauke Jessens Figuren im Wind? Weiterlesen

Waldworte des Tages: Was gehört uns?

Wanas Konst 2017, Installation von Melissa Martin “Dining Room”, Foto: Susanne Brandt

Was gehört uns?
Wir sind Gäste – eingeladen, um zu teilen.
Denn nichts auf der Welt gehört nur uns allein.

Was gehört zu uns?
Wir sind Gäste – eingeladen, um voneinander zu lernen.
Denn die Kultur, die jeden Menschen prägt,
ist Teil eines weltweiten Austausches – seit Jahrtausenden.

Was wird gehört?
Wir sind Gäste – eingeladen, um die Vielfalt der Stimmen wahrzunehmen.
Unsere gehört dazu.

Susanne Brandt

Sommerlich und interkulturell: Dialog in Deutsch mit einer persischen Kirschengeschichte

KirschenSeit vielen Monaten sammle ich Geschichten aus aller Welt. Nicht zu lang sollen sie sein. Und sprachlich nicht zu schwierig. Bei den Geschichten für Kinder wird man da schnell fündig. Soll die Handlung aber auch für Erwachsene interessant sein und Anlass geben für ein anschließendes Gespräch, wird die Auswahl schon kleiner. Aber die Suche lohnt sich! Aus allen Teilen der Welt sind wunderbare kleine Geschichten überliefert, die sich gut miteinander lesen und bedenken lassen. Sie bieten vielfältige Gelegenheiten, um erste Deutschkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen, regen aber anschließend vor allem zu spannenden Gesprächen an und beleben ganz nebenbei das gemeinsame interkulturelle Verstehen. Denn ein Lernen mit Geschichten ist nie einseitig! Weiterlesen

Zum „Welttag der kulturellen Vielfalt“: Märchen in der weltweiten Erzählkultur – erfahren und erforscht

Foto: UNESCO

Foto: UNESCO

Der jährlich am 21. Mai begangene “Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung” soll das öffentliche Bewusstsein für kulturelle Vielfalt stärken, wie es in der Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt von der UNESCO-Generalkonferenz 2001 vereinbart worden ist.  „Als Quelle des Austauschs, der Erneuerung und der Kreativität ist kulturelle Vielfalt für die Menschheit ebenso wichtig wie die biologische Vielfalt für die Natur.“, heißt es in Art. 1 der Erklärung.  Und Art. 7 ergänzt:  „Kreativität ergibt sich aus den Wurzeln kultureller Tradition, aber sie kann sich nur im Kontakt mit anderen Kulturen entfalten.“

Do one thing… – z.B. “Märchen interkulturell entdecken und mehrsprachig erleben”

Um diese facettenreiche „Allgemeinen Erklärung“ an einem Praxisthema zu konkretisieren, wird hier in diesem Jahr das Märchen mit seiner vielfältigen weltweiten Erzählkultur in den Blick gerückt und als Anregung zum Dialog, zur Kreativität wie zur interkulturellen und mehrsprachigen Begegnung betrachtet. Denn verschiedene Erfahrungen mit Märchen im interkulturellen Austausch haben mein Interesse und meine Verbundenheit mit dem Thema in letzter Zeit intensiviert und farbiger werden lassen.

Erfahrung Nr.1: Auf Schatzsuche nach vertrauten Geschichten Weiterlesen

„Frühlingsregen“ – ein Nachdenken über das Singen an der Hamburger Talmud-Tora-Schule

Liederbuch

Foto: Susanne Brandt

Ich denke zurück an die Talmud-Tora-Schule im Hamburger Grindelviertel. Immer wieder. Vor genau 30 Jahren habe ich dort am Fachbereich Bibliothekswesen, der damals im Gebäude der ehemals (und heute wieder) jüdischen Talmud-Tora-Schule untergebracht war, meine Diplomarbeit über Geschichte und Ausgabeformen von Kinderliederbüchern geschrieben. Leider wusste ich damals noch nicht, dass rund 50 Jahre zuvor – im Jahre 1935 – der Musiklehrer Joseph Jacobsen (1897-1943) an dieser Schule ein Liederbuch unter dem Titel „Auf! Lasst uns singen“ הבה נשירה (Hawa naschira) herausgebracht hatte, das nur für wenige Jahre zum gemeinsamen Singen von deutschen, hebräischen und jiddischen Liedern einladen konnte. Joseph Jacobsen war schon als Kind Anfang des 20. Jahrhunderts selbst an der Talmud-Tora-Schule unterrichtet worden.  Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Jacobsen zusammen mit dem gesamten Kollegium der Talmud-Tora-Schule verhaftet und elf Tage im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Danach floh er mit seiner Familie nach London, wo er wenige Jahre später nach schwerer Krankheit starb.

Rund 65 Jahre lang – bis zur kommentierten Neuausgabe 2001  –  blieb das von ihm herausgegebene Liederbuch als besonderes Musik- und Zeitdokument des gemeinsamen Singens und Spielens nur noch wenigen Menschen zugänglich. Die 1. Auflage war nach 1935 schnell vergriffen. Eine 2. Auflage konnte es nicht mehr geben… Weiterlesen