Medien-Tipp: Die Sternennacht

Liao: Die Sternennacht

Bereits vor einigen Jahren ist von Jimmy Liao die „Ballade von der großen Liebe“ in deutscher Übersetzung aus dem Chinesischen erschienen. Jetzt gibt es eine weitere Bildergeschichte von großen Gefühlen mit der magischen Handschrift des taiwanischen Künstlers. Zu wenigen Worten erzählen auf 70 Seiten vor allem die Bildtafeln mit realen, fantastischen und symbolischen Elementen eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder, die sich in ihren Alltagswelten einsam fühlen und vorsichtig zueinander finden.

aus: Liao: Die Sternennacht

Etwa in der Mitte des Buches brechen sie aus der Stadt aus und tauchen ein in die Wildnis einer Landschaft, in der sich Erinnerungen mit Träumen mischen. Der Sternenhimmel wird hier wie auch an anderen Stellen des Buches zum Leitmotiv für die Hoffnung auf das, was über allem leuchtet. Dabei arbeitet der Künstler bewusst mit Bildzitaten von van Gogh und anderen Künstlern. Ein Buch, das beschreibend und reflektierend kindlichen Gefühlen nachspürt, vor allem aber eine hoffnungsvolle Botschaft in eine Bildkunst von hoher Intensität legt: Weiterlesen

Alltagsentdeckungen: Dem Wunder die Hand hinhalten

Neben den „Sonntagsmomenten“, die in diesem Blog in einer eigenen Kategorie zu finden sind, sollen hier ab und zu auch „Alltagsentdeckungen“ Raum finden – jene oft nur kleinen, aber manchmal lange nachklingenden Begegnungen und Begebenheiten „am Rande“ oder mittendrin im Getriebe der Arbeitswoche. Wie z.B. das unverhoffte gemeinsame Nachdenken über Poesie, wie ich es vor ein paar Tagen erleben konnte:

Foto und Rechte: Elke Riedel, www.elrie-art.de

Gemeinsam über Poesie nachdenken – eigentlich sollte es darum an diesem Nachmittag gar nicht gehen. Wohl aber um Sprache. Ja, das ist jede Woche etwas, was uns verbindet, was uns inzwischen mehr verbindet als trennt, auch wenn wir uns in verschiedenen Sprachen zuhause fühlen: er als Afghane im Persischen und ich im Deutschen. Eigentlich geht es jedes Mal um das Vertrautwerden mit der deutschen Sprache. Aber über das Deutschlernen nach Lektionen sind wir längst hinaus. Inzwischen geht es immer öfter um Feinheiten, um das, was unsere Sprachen auch emotional auszudrücken vermögen, was im Klang von Namen mitschwingt oder wie Eltern ihren Kindern die Welt erklären. Wie sich Distanz oder Nähe durch Sprache ausdrücken lässt oder mit welchen Wendungen Bilder beschrieben werden, ohne die vermutlich keine Sprache auskommt. Weiterlesen

Von der stillen Freude, die kommt und geht und kommt… – „Silent Book“ aus Brasilien

BaobabMit der klaren grafischen Bildsprache des brasilianischen Künstlers Marcelo Pimentel  wird in diesem textlosen Bilderbuch  aus Recycling-Pappe und Pflanzenfarben eine schlichte  Geschichte mit feinem Humor und Hintersinn erzählt: Einheitlich schwarz trotten die Tiere anfangs durch den Urwald – bis eine Hand am Bildrand schon ahnen lässt, dass plötzlich Unvermutetes geschehen kann. Und siehe da: Gleich darauf werden die Tiere übermütig mit roter Farbe ganz individuell verwandelt. Sie spüren, dass sich da etwas an ihnen verändert.  Aber richtig ins Staunen kommen sie erst, als sie die Verwandlung tatsächlich im Spiegel bewundern können. Weiterlesen

In Erinnerung an Etty Hillesum: Aus dem Dunkel gerufen

Foto: Susanne Brandt

Sie hofft
Gott möge auferstehn
in ihr und allen Menschen,
hebt Stein um Stein
vom Brunnen ab
und schaut hinein
wie in ein Grab,
ruft aus dem Dunkel
Gott ans Licht.

Sie hört
was in der Stille spricht,
traut nicht erstarrten Worten
von Leiden, Tod
und Ewigkeit,
sie tanzt und träumt,
sie singt und schweigt,
dem Wasser gleich, das
fließt und fließt.

Sie spürt,
Gott bleibt nicht stehn in ihr,
lebendig ist die Liebe,
die weder Zeit noch
Grenzen kennt,
die Funken schlägt,
die in ihr brennt,
nicht enden will, nicht
sterben wird.

Susanne Brandt                                                                             für Etty Hillesum (1914-1943)