Im Windschattenbug

Foto: Susanne Brandt

Der Sturm pfeift
durch das Loch in den Planken.

Zusammengekauert
im Windschattenbug
warten Geschichten,

lauschen
lange schon,
ob jemand fragt:

Wer hat hier gelegen,
gelitten, geliebt
auf rauer See
in der Nacht ohne Sterne?

Warten,
ob jemand
die Zeichen deutet:
Buchstaben, Zahlen,
an Namen denkt

und nicht aufhört,
an Rettung zu glauben.

Susanne Brandt

“In der Dämmrung lebten auch fremde Wesen im Baum” – eine Kindheit im Flensburger Norden

Gartentreppe im Flensburger Norden, Foto: Susanne Brandt

Die Gedenktafel an der Wand eines einfachen Hauses im Flensburger Norden erinnert noch daran: Hier wurde die Dichterin Emmy Ball-Hennings (1885-1948) geboren, hier verbrachte sie ihre Kinder- und Jugendtage – und wer die Gegend kennt und dazu ihre Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch “Blume und Flamme” liest, ahnt, wie es dem hochsensiblen und fantasiebegabten Mädchen aus dem Arbeitermilieu der grauen Vorstadt ergangen sein muss:

In dem kleinen Garten hinterm Haus erträumte sie sich ein Paradies und die Wolken am Küstenhimmel weckten schon früh ihre Sehnsucht nach Freiheit, die sie später auf vielen verschlungenen Wegen durch die Welt immer wieder suchte – und vielleicht nie wirklich fand. Im Rückblick auf die Jahre Ende des 19. Jahrhunderts schreibt sie:

“Langsam tauchen die ersten frühen Bilder aus meiner Kinderzeit auf, und ich sehe zunächst eine kleine ungepflasterte Straße, weit draußen im Vorort der kleinen Hafenstadt. Eigentümlich verschollen wirkt diese Gegend, einsam, als wäre hier die Welt zu Ende, oder als wäre sie am Anfang, denn irgendwo muß sie doch beginnen… Weiterlesen

Waldworte des Tages: Der tägliche Weg


Der tägliche Weg in der Frühe
am Ufer entlang,
wo die Schiffe sich sanft
aus dem Schlaf schaukeln,
ins Sonnenlicht blinzeln nach kurzer Nacht.

Vorbei an den alten Hafenschuppen:
das Blau für die Träume,
das Rot steckt in Herz und Gedanken
ein Feuerchen an.

Und schließlich durch das Johannisviertel,
wo rings um die Kirche die Gräser tanzen
mit Anmut und Würde, rosenverwandt,

aus wilden Wurzeln ins Freie gefunden,
vielleicht mit der Weite des Himmels verbunden –

der tägliche Weg

Susanne Brandt, Flensburg im Juli 2013

 

Stadtspaziergänge durch Hamburg – Kirchentags-Impressionen auf Seitenwegen

Kirchentag – für manche ein großes Event, ein Straßenfest der Religionen, Nationen und Generationen, ein fröhliches, mitunter auch frustrierendes Bad in der Menge, eine Tankstelle für geistige und geistliche Impulse….

Vermutlich liegt eine der Stärken dieser Laienbewegung in der Freiheit, Kirchentag immer wieder anders zu begehen – buchstäblich zu begehen bei inspirierenden Spaziergängen durch eine wunderschöne Stadt zum Beispiel!

Im Labyrinth der Themen und Treffpunkte habe ich mir in diesem Jahr drei eher stille (Seiten-)Wege gesucht, auf denen ich die Stadt und das, was sie durch ihre Menschen zu erzählen weiß, besser als bisher kennen gelernt habe…

…auf der Spur von Liedern , ihren „Eltern“ und all jenen, die sie singen (oder auch nicht)
…entlang der Elbe und mit Stationen an so manchen unentdeckten Ecken der Stadt, die was zu erzählen haben
…mit Respekt und Staunen für andere Religionen. Weiterlesen