Buch-Tipp: Wo die Geschichten wohnen

c Mixtvision

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Zur Einstimmung – ein kleiner Gruß der beiden Autoren:

https://www.youtube.com/watch?v=W37DH1qmIMw

Dieses Buch führt vorbei an kalten Zahlen und trüben Blicken, mitten hinein in das leuchtende Staunen über eine Welt der Zauberwälder, der Wörtermeere und Schätze. Hier kann man verwunschene Schlösser erkunden und in Wolken aus Musik schlafen. Wer sich in dieser Umgebung zuhause fühlt, bekommt den Schlüssel zur Freiheit in die Hand: denn Fantasie ist frei!

Genau mit diesem Satz endet das poetische Bilderbuch für kleine und große Geschichtenliebhaber. Ganz nach der feinen Art des Illustrators O. Jeffers sind die Szenen von der spielerischen Leichtigkeit seiner luftigen Zeichnungen geprägt. Die Hauptfigur: ein mutiges Mädchen, das schnell einen zunächst noch etwas ängstlichen Jungen als Gefährten findet, der sich mit ihr hinein wagt, in das Abenteuer Fantasie – und am Ende mit einem Buch unterm Arm noch was vor hat…

Ein Loblied auf Bücher voller Geschichten – das singt dieses Bilderbuch mit wenig Text und viel Freiraum zum Träumen und Weitererzählen. Wer will da nicht mitsingen?

Susanne Brandt

Sonntagsmomente: Die alten Geschichten von dem, was möglich bleibt…

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Macht, Menschen, Widerspruch – alte Geschichten und andere Möglichkeiten

Manchmal finden die Dinge und Gedanken seltsam zueinander: An einem Tag, als die Medien sich mit Schreckensmeldungen überschlugen über die gefährlichen Machtfantasien der Herren Trump und Höcke, dass einem in der Wiederholung der unsäglichen Aussagen fast die Fantasie abhanden kommen konnte für andere Geschichten – da landete auf meinem Schreibtisch ein Buch zur Rezension, das mir mit seinem sperrigen Titel „Christsein im Imperium“ erstmal wenig Freude verheißen mochte. Zu groß und machtvoll schienen mir die Worte, um von einer „anderen Welt“ zu träumen, wie es der Untertitel andeutet.

Der Blick ins Buch offenbarte dann aber schnell: Die Autorin Renate Wind wählt ihre Worte mit Bedacht statt mit Macht – und weiß um die andere Wirkung jener Geschichten aus biblischen Überlieferungen, die so alt sind, dass sie bereits eine lange und widerständige Geschichte mit herrschenden und vergehenden Imperien überlebt haben. Weiterlesen

Leuchtturmliebe – und andere Geschichten vom Licht an den Meeren

BALI

Foto: S. Brandt

Leuchttürme sind Hoffnungszeichen. Ihr Lichtschein bleibt, wenn ringsum alles schwarz und stürmisch scheint. Sie wirken widerständig, verlässlich – und wissen zugleich Geschichten von Einsamkeit, Geduld und Sehnsucht zu erzählen. Denn wer in einem Leuchtturm wohnt, hat meistens keine Nachbarn und mitunter etwas Mühe, mit den Grenzen von kleinen Kammern und Vorräte zurecht zu kommen. Da müssen manche Wünsche und Träume auf die passende Wetterlage warten – oder anders gesagt: Sie dürfen sich Zeit lassen, um langsam an Form und Farbe zu gewinnen. Denn für Wünsche und Träume bietet der weite Blick nach draußen grenzenlos Raum.  Das beflügelt die Fantasie – und die ist bekanntlich das wichtigste Grundnahrungsmittel für jede Geschichte.Vielleicht ist deshalb die Zahl von Leuchtturmgeschichten so groß. Allein in der Kinderliteratur fallen einem schnell zwanzig oder mehr Geschichten und Gedichte ein, die von Leuchttürmen erzählen. Weiterlesen

Wenn Geschichten singen und klingen….

Musik, Tanz und Gesang im Bilderbuch

Hilfebuch 3

Bild eines Kindes aus der Grundschule Völlen zur ermutigenden Kraft des Singens

Das gehört für mich zu den ganz besonders schönen Leseerlebnissen:  Man liest eine Bilderbuchgeschichte vor, und plötzlich möchte man singen und summen, mit Körper und Gesten tänzerische Bewegungen nachempfinden – und die Kinder sind sofort mit dabei!

Wie gut, dass das so ist! Denn der interaktive Einbezug von Kindern in das Erzählen von Geschichten mit musischen und spielerischen Elementen trägt maßgeblich dazu bei, die beim Vorlesen und Erzählen erhaltenen sprachlichen und literalen Anregungen zu vertiefen und im Alltag zu verankern. Oft scheint der positive Einfluss auf die Sprachentwicklung, der sich daraus ergibt, fast „nebenbei“ zu geschehen, durch unbewusste (nicht gesteuerte) Vorgänge in natürlicher Umgebung. Geschichtenstunden, die sich an der natürlichen Lebensumwelt der Kinder orientieren, können als eine solche Umgebung erfahrbar werden. Und je sinnlicher und interaktiver die Geschichte – mit Stimme und Musik, Gesten und Bewegung – dabei lebendig wird, desto nachhaltiger ist ihre Wirkung.

Aber wie und wo finde ich inspirierende Bilderbücher und Geschichten mit Musik und Tanz? Überall! Manchmal steht das Thema Musik und Singen ganz im Vordergrund. Manchmal offenbart sich der innewohnende Ton und die Bewegung der Geschichte erst auf den zweiten Blick. Daraus ergibt sich eine faszinierende Vielfalt. Nachfolgend eine kleine Auswahl dazu, die laufend mit Neuerscheinungen ergänzt wird:

Ein Singeland voller Abenteuer

 Ferdinand Auhser / Cecilie M. Lederer (Ill.): Bakabu und der Goldene Notenschlüssel (inkl. Hörbuch-CD, gelesen von Christian Tramitz) 9783950439106, Ferdinand Auhser Verlags GmbH, 2017

Einige kennen bereits die Material-Pakete „Hör zu, Bakabu 1 + 2“, jeweils mit CD und Liedern zur sprachlichen Frühförderung als Sammlung mit Umsetzungsideen für die pädagogische Praxis (in Schleswig-Holstein in allen Medienkisten zum Projekt „Mit Worten wachsen“ enthalten). Nun können kleine und große Fans des blauen Ohrwurms bei der dazu neu erschienenen Bilderbuchgeschichte mit Hörbuch ein spannend erzähltes Abenteuer zum Lauschen und Lesen erleben. Dabei ist die Geschichte auch unabhängig vom pädagogischen Material sehr gut einsetzbar, richtet sich mit einem relativ langen Text,  der aber auch gut in mehreren Abschnitten gehört und gelesen werden kann, eher an Kinder ab Vorschulalter und bindet das Thema Musik mit zahlreichen Klangfacetten geschickt mit in die Handlung ein: Weiterlesen

Momentaufnahme: Was hat eine klingende Kugel mit Bibliothekspädagogik zu tun?

FullSizeRenderSie kann die Fantasie anregen. Sie kann Bilder wecken. Sie kann ein Gedicht begleiten. Sie kann mehrere Sinne ansprechen. Sie kann die Konzentration vertiefen….Sie kann am Anfang einer Kamishibai-Stunde ins Spiel kommen. Oder den Mittelpunkt einer selbst erdachten Geschichte bilden. Oder eine Bilderbuchgeschichte zum Schluss  abrunden.  Und: Sie passt in jede Hosentasche und ist daher immer und überall zur Hand.

Auch im Rucksack ist eine solche klingende Kugel mitgereist, als ich die vergangenen Tage mit dem Workshop „Geschichten zum Anfassen“ beim 3. Bibliothekspädagogischen Forum in Stuttgart wie auch beim  Kamishibai-Seminar für Lehrerinnen und Erzieherinnen in Ansbach (übrigens genau das 25. Seminar zu diesem Thema, das seit 2012 nun schon an 20 verschiedenen Orten stattgefunden hat) die vielfältigen Möglichkeiten des Erzählens mit Bildern und Dingen im Kreis von interessierten und fantasiebegabten Teilnehmerinnen anregen und austauschen konnte. Weiterlesen