Zum 1. Advent: Aufbruch

Foto: S. Brandt

Ein Glitzern am Morgen
von tausend Kristallen
am Blütenrand.
Der Frost mag es festlich
und schmückt auch die Müden
mit Diamant.

Was welk und erschöpft war,
das spürt wieder Halt:
gerettete Würde,
von außen nur kalt,

von innen ein Singen,
ein mutiges Lied
vom Aufbruch der Rose.
Und was geschieht?

Susanne Brandt

Novemberausklang: In kalter Zeit ein Weilchen Wärme

In kalter Zeit ein Weilchen Wärme –
aus Glut entfacht.
Es wartet eine stille Stunde
am Tor zur Nacht.

Ein herber Duft von Zimt und Tannen
zieht durch den Raum.
Der Tag entweicht auf Zehenspitzen.
Man hört es kaum.

Er trägt das Laute, Ruhelose
nun sanft davon.
In seinen großen Manteltaschen,
da schläft es schon.

Ganz leise klingen andre Töne
im Zimmer nach:
ein Ofenlied, ein Windgeflüster
vom dunklen Dach.

Es kommt als Gast, das Weilchen Wärme –
und lässt sich Zeit.
Wir spüren seinen ruhigen Atem.
Es ist soweit.

Susanne Brandt

Sonntagsmomente: Spatzen schwatzen

aus: Brandt, Susanne: Religion entdecken mit Bildern und Geschichten

Spatzen brüten nicht nur bei uns im Garten – die jungen Spatzen entdecken hier auch die Welt, hocken beim Frühstück auf der Fensterbank vom Küchenfenster und freuen sich über all die verborgenen Plätze im dichten Gebüsch. Viele gute Gründe, den munteren Mitbewohnern mitten im Sommer mal ein Gedicht zu widmen – und ein Lied. Aber das ist schon viel älter und stammt von Don Bosco. Denn er mochte die Spatzen auch….

Manchmal hör‘ ich die Spatzen schwatzen

Manchmal hör‘ ich die Spatzen schwatzen.

Foto: Elke Riedel, www.elrie-art.de

Der Kleine
mit dem frechen Gesicht
kennt ein ziemlich freches Spatzengedicht.

Und der Große,
der so müde aussieht,
weiß ein wunderschönes Abendlied.

Das singen die beiden im Chor.

In Mondnächten,
stell‘ dir bloß vor,
tanzen die Träume
zu solchen Gesängen,
bis sie erschöpft
in den Bäumen hängen.

Dann erst,
dann sind auch die Spatzen leise
und träumen auf ihre Weise.

Susanne Brandt

Sonntagsmomente: Schattentheater

BALI

Foto: S. Brandt

Die jungen Triebe,
sie wippen und nicken
beim Schattentheater
zum Vogelgesang.

Der Baum wird zur Bühne
und Blätter und Blumen,
die zittern und staunen
im Zuschauerrang.

Wie heißt wohl das Stück?

Vielleicht heißt es „Frühling“,
vielleicht „Warmer Tag“
oder einfach nur
„Glück“.

Susanne Brandt