Am 9. November 2016: Martin Bubers „dialogisches Prinzip“ – nötiger denn je!

Mahnmal Wiener Judenplatz, Foto: S. Brandt

Das Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah auf dem Wiener Judenplatz zeigt die nach außen gedrehten Wände einer Bibliothek. Das Innere der Bücher, die für die große Zahl der Opfer und ihre Lebensgeschichte stehen, erscheint in dieser Form unzugänglich und verborgen. Die Flügeltüren, welche die Möglichkeit eines Kommens und Gehens andeuten, sind geschlossen. Die so sich von den Lesenden abwendende Bibliothek bringt die kulturelle Leerstelle zum Ausdruck, die durch den Völkermord an den europäischen Juden entstanden ist. Foto: Susanne Brandt

Die freie Zugänglichkeit und Vernetzung von Informationen nimmt weltweit immer größere Dimensionen an.  Oft werden die Chancen des digitalen Informationsaustausches in einer globalisierten Welt als ein Zuwachs an Bildung und Gerechtigkeit beschrieben.   Das mag in mancher Hinsicht auch so sein.

Aber unter welchen Bedingungen trägt ein Mehr an frei zugänglichen Informationen wirklich dazu bei, demokratische Prozesse transparenter, Entscheidungen begründeter, Würde und Menschenrechte selbstverständlicher und den Umgang miteinander respektvoller zu gestalten?

Das bleibt die entscheidende Frage. Vermutlich gelingt das nicht ohne geschärfte Achtsamkeit für die wachsenden Gefährdungen der politischen Kultur und der Menschenrechte, die sich allein durch „Informationen“ offenbar nicht abwenden lassen.  Ein Hinterfragen scheint immer wieder geboten. Eine Rückbesinnung auf andere oder ergänzende Ansätze der Kommunikationsphilosophie kann einer kritischen Gegenwartsanalyse wichtige Impulse liefern.

Am heutigen 9. November gilt die Rückbesinnung und das Erinnern zahlreichen Menschen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Anstoß zu wichtigen kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Weiterentwicklungen gegeben haben und dann an der Fortsetzung ihrer Forschungen und Reformen gewaltsam gehindert worden sind. Weiterlesen