Träumen, Begehren und Luftsprünge – eine Geschichte vom Losfliegen…

U_5901_1A_EIN_GARTEN_FUER_DEN_WAL.Q9_Umschlag WalTräumen, Luftsprünge wagen und die funkelnden Sterne am Himmel bestaunen – das alles kann der Wal im Ozean ganz wunderbar machen. Nur mit Besuch ist es manchmal schwierig. Es fehlt eine Bank auf seinem Rücken. Besser noch wäre ein ganzer Garten! Gedacht, getan: Grashüpfer, der die Tiere zu Land wie zu Wasser mit allem Nötigen versorgt, schafft alles herbei, was auf dem großen Walrücken Platz findet. Und bald kommen auch die ersten Gäste. Nur mit den Luftsprüngen wird es mit einem Garten auf dem Rücken jetzt schwierig. Die Sterne sehen – dazu müsste er sich umdrehen können und überhaupt: Auch die Träume verdunkeln sich, weil der Schlaf nun häufig gestört ist…Als dann irgendwann die Gäste seltener werden, gibt es kein Halten mehr: Weiterlesen

Waldworte des Tages: Appelschnut

Foto: Susanne Brandt

Appelschnut
 
In meinem Garten ist vieles willkommen,
was flattert und krabbelt, rennt, hüpft oder schleicht.
Drum haben drei Raupen hier Wohnung genommen –
wie schön, dass die Nahrung für alle reicht!
Im saftigen Apfel, da geht’s ihnen gut.
 
Sie hat’s mir verraten –
die Appelschnut!
 
Susanne Brandt

„Der Strand ist die Schwelle, wo sich die Dinge stoßen.“

Den Weg zum Atelier des Malers Otto Niemeyer-Holstein (geb. 1896 in Kiel, gest. 1984 in Lüttenort/Usedom) in Lüttenort auf Usedom zwischen Koserow und Zempin sucht man am besten zu Fuß entlang der Wasserkante. Hier, wo sich die Insel zwischen Achterwasser und Ostsee zu einem dünnen Streifen Land verengt, weitet sich der Blick und das Denken angesichts des erhaltenen Künstlerrefugiums mit Galerie, Atelierräumen und einem geradezu verwunschen wirkenden Garten.

Skulptur im Garten von Otto Niemeyer-Holstein, Foto: S. Brandt

Zur eigentümlichen Atmosphäre dieses Ortes tragen besonders die zwischen Wasserläufen, Hecken und alten Stauden verborgenen Skulpturen von verschiedenen Künstlerfreunden bei, die an jene Zeiten erinnern, zu denen dieser Ort vor allem Rückzug bot, der Begegnung und der Inspiration diente – und als Tor zum nahe gelegenen Strand, der damals wohl noch nicht durch eine so stark befahrene Bäderstraße vom Grundstück getrennt lag.

Strand bei Ückeritz am Morgen, Foto: S.Brandt

„Der Strand ist die Schwelle, wo sich die Dinge stoßen“, beschrieb Otto Niemeyer-Holstein in dem 1982 gedrehten Dokumentarfilm „…und der Strand ist meine große Geliebte“ seine innige Beziehung zum Meer. Wo die Elemente aufeinander treffen, sich aneinander reiben, sich miteinander verändern und formen, fand er eine unerschöpfliche Quelle für seine Kunst und ein Gleichnis für das Leben und das Schöne in der Welt, das gerade dort spannend ist, wo etwas nicht im gleichförmigen Ebenmaß verläuft, sondern sich immer wieder bricht.

Uferzone am Achterwasser, Foto: S. Brandt

Die Uferzone am Meer erzählt bis heute davon – keineswegs nur mit großen Wellenbrechern, die am sanft anmutenden Ostseestrand eher selten sind, sondern vielmehr durch die stetigen kleinen Bewegungen. Der etwa 8 km lange Weg am Strand zwischen Ückeritz und Zempin gehört zu den eher stillen, naturbelassenen Abschnitten der Insel und eignet sich als solcher gut, um fern der touristischen Hochburgen den leisen Begegnungen von Wasser und Land im Gehen nachzuspüren.

Skulptur im Garten von Otto Niemeyer-Holstein, Foto: S. Brandt

Wer am Ende von hier den Pfad nach Lüttenort hinter der störenden Hauptstraße findet, wird mit der Ruhe des verwunschenen Gartens und seinen steinernen wie lebendigen Gästen belohnt – und ahnt, dass das Refugium, ganz im Sinne des Künstlers, bis heute ein Ort der Begegnung von Menschen und Gedanken geblieben ist.
Weitere Informationen: http://www.atelier-otto-niemeyer-holstein.de/content/biografie

Susanne Brandt, Mai 2013

Haus mit Himmel und Paradies. Gartenimpression aus der Flensburger Nordstadt Ende des 19. Jahrhunderts

Sommer in der Literatur: Finden lässt sich davon etwas in den nahezu vergessenen literarischen Gartenimpressionen aus der Flensburger Nordstadt  Ende des 19. Jahrhundert, als Kindheitserinnerung 40 Jahre später aufgeschrieben von Emmy Ball-Hennings.

„Unser Garten war ein Paradies im kleinen, doch muss ich hier, um einem Irrtum vorzubeugen, erwähnen, dass dieses Paradies nicht viel größer war als eine mächtig große Wohnstube. Aber wir hatten einen Wall anschließend am Garten, und auf diesem Wall standen vier Holunderbäume, und das war ein Wald mit Grün und Sonnenspielen zwischen dem Grün, und der Himmel, den man durch das Gezweige erblicken konnte, dieses Stück gehörte auch eigens zu unserem Haus. Im Garten selbst war in der Mitte ein kleines Rundbeet, in dem ein Rosenbaum stand. Mit sieben Jahren wusste ich, dass das Paradies ähnlich angelegt war wie eben unser Garten, aber wir hatten natürlich keinen Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Statt dessen stand bei uns der entzückende Rosenbaum, der rote Rosen hervorbrachte, was ja weit schöner war als gefährliche Früchte. […] Auch war es fraglich, ob es im Paradies Rhabarber gegeben hatte, von den Stachelbeeren ganz zu schweigen. Wir hatten eine hohe Stange, an der oben ein Reifen mit fünf kleinen Schiffen angebracht war, Segelschiffe mit kleinen Segeln gleich Schmetterlingsflügeln, und bei gutem Wind fuhren die Schiffchen durch die Luft, wie durch ein sehr nachgiebiges Meer. O ja, wir konnten es gut aushalten. Uns fehlte nie etwas.“ (aus: Emmy Ball Hennings: Blume und Flamme. Köln 1938 ff.)