Sonntagsmomente: Was Frieden heißt

Breklum, Herbst 2017 Foto: S. Brandt

Wir sind Gäste
alle
überall
ohne Anspruch
auf einen Platz
am gedeckten Tisch,
nicht geladen,
um zu bleiben
wie wir sind
für immer.

Aber
immer willkommen,
um im Lebendigen Heimat zu finden,
wo Wind durch die Sorgen fährt
und die Sonne uns wärmt vor dem Winter.

Willkommen,
wir alle
unter einem Himmel,
der Licht, Wind und Wasser unfassbar verschenkt,
dass wir aufmerksam werden,
erschrecken,
uns freuen
und staunend erkennen,
was Frieden heißt.

Susanne Brandt

„Streit!“ – Faire Debattenkultur ist Thema der Ökumenischen Friedensdekade 2017

„Streit!“ Kurz und knackig kommt das Schwerpunktthema der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade (12.-22. November 2017) daher, zu dem jetzt umfangreiche Materialien, Texte und Impulse für Aktionen vor Ort hier erhältlich sind: www.friedensdekade.de

Wie aber gehen Streit und Frieden zusammen? Frieden erstreiten? Hat da nicht schon die Gewalt einen Fuß in der Tür? Die Texte, Impulse und Hintergrundinformationen im Materialpaket der diesjährigen Friedensdekade zu Themen wie Abrüstung, Nationalismus, Populismus, Menschenrechte, Migration u.v.m. liefern eine Fülle von Gesprächsstoff und Anregungen zur persönlichen Auseinandersetzung, um für sich und mit anderen faire Wege für Widerstand, Solidarität, Meinungsfreiheit und nötige Debatten zu genau diesen Fragen und Themen zu gehen.

aus dem Materialheft zur Ökumenischen Friedensdekade 2017

„Es gilt klar Position zu beziehen, Partei zu ergreifen für die Opfer, die Schwächeren und die Menschenrechte. Und zugleich sollten wir uns fragen, was wir selbst dazu beitragen, dass Rechtspopulismus und Gewalt solchen Einfluss in Deutschland gewinnen konnten: Wann haben wir geschwiegen, wenn andere zu Unrecht beschimpft, herabgewürdigt wurden? Wann haben wir denen die öffentliche „Bühne“ überlassen, die zu Gewalt gegenüber Fremden auffordern? Wann haben wir weggeschaut, wenn das Asylrecht erneut verschärft oder der militärische Schutz der EU-Außengrenzen verstärkt wurde? Das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade „Streit!“ fordert auf, meinungsbildend in die öffentliche Debatte einzugreifen.[…] „

aus: Impulstext von Jan Gildemeister und Vorstand AGDF/ Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, http://www.friedensdekade.de/impulse/

 

Warum ich gerne durchs Land reise…

Ich sitze im Zug und schaue aus dem Fenster. Ich bin unterwegs zu Seminaren im Westen und im Osten Deutschlands, bei denen ich Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich in Bibliotheken engagieren, etwas von meiner Freude an einer lebendigen Vielfalt weitergeben möchte. Es geht um  vielfältige Geschichten und Bilder, die wir in Bibliotheken miteinander erleben und gestalten können. Durch Seminarreisen im gesamten Bundesgebiet habe ich bereits viele Menschen kennen gelernt, die eine Menge zu dieser Vielfalt beitragen und weiterhin daran mitwirken werden. Was sie genau tun und möglich machen? Zum Beispiel Brücken bauen durch das gemeinsame Entdecken von Bildern. Oder etwas „zur Sprache bringen“ durch Geschichten. Oder einfach Gastfreundschaft üben in einladenden Räumen. Oder Alltag teilen im Dialog von Mensch zu Mensch. Oder aufeinander hören beim Singen und Klingen… Weiterlesen

Das große Tischtuch. Eine persische Weisheitsgeschichte

fladenbrotWeit draußen in der Steppe gibt es ein Dorf, da kommen die Menschen gut miteinander aus. Sie arbeiten zusammen. Und sie sitzen auch in der Pause beieinander und stärken sich. Jeder Arbeiter hat dafür ein kleines Tuch dabei. Brot und Käse für eine Tag sind in das Tuch gewickelt. In der Pause breitet jeder vor sich sein Tuch aus und isst von seinem Brot und seinem Käse.

Eines Tages kommt ein Krieger vorbei. Er sieht die Arbeiter dort sitzen und essen, wie sie es gewohnt sind. Dem Krieger aber gefällt das nicht.  Er schimpft: „Was sitzt ihr da und esst wie die Katzen, jeder für sich? Ich will euch sagen, wie Menschen essen müssen: Sie sitzen alle zusammen und essen als Gemeinschaft um ein großes Tuch herum.“ Einer der Arbeiter antwortet: „Wir haben unsere Gründe für diese Sitte. Und wir wollen auch weiterhin so miteinander essen. Darum bitte ich  dich: Lass uns in Frieden so weiter essen und dränge uns nicht, es anders zu tun.“ Weiterlesen

Fluchtgeschichten in Weihnachtsgedichten. Entdeckungen in den Briefen des Lyrikers Arnim Juhre (1925-2015)

JuhreAuf meinem Schreibtisch liegen ein paar Bücher mit Weihnachtsgedichten. Was gleich beim ersten Hinschauen auffällt: Aus den Büchern schauen gefaltete Blätter hervor, die zwischen den Seiten liegen. Keine Lesezeichen, sondern Briefe. Der Verfasser der Bücher wie der Briefe ist Arnim Juhre. 90 Jahre alt wäre er heute geworden. Aus diesem Anlass sollte heute in Wuppertal seine neuste Weihnachtsanthologie mit dem Titel „Geboren im Stall auf diesem Stern“ präsentiert werden. Das geschieht auch – aber es geschieht nun im Rahmen einer Gedenkveranstaltung für den Ende September verstorbenen Autor.

Jedes Jahr eine Weihnachtsgedicht als Brief – seit 1956

Dass Bücher mit Weihnachtsgedichten unter den Veröffentlichungen von Arnim Juhre einen auffallend breiten Raum einnehmen, hat einen Grund: IMG_0891Seit 1956 pflegt er die Gewohnheit, seinen Freundinnen und Freunden zu Weihnachten per Brief ein neues Gedicht zu schicken und mit diesem das aktuelle Weltgeschehen im Licht der Weihnachtsbotschaft zu bedenken. Über 50 Weihnachtsgedichte sind auf diese Weise entstanden, über 20 davon habe ich selbst seit Anfang der 1990er Jahre per Post von ihm erhalten, ältere in seinen Büchern nachgelesen. Und so auch von den Beweggründen für diese lange, niemals zum leeren Ritual gewordene Tradition erfahren. Er schreibt dazu: „Am Anfang war es Notwehr. Im November 1956, als die Diskrepanz zwischen biblischer Friedensbotschaft und akuter Kriegsgefahr mir schwer zu schaffen machte. Advent 1956 in Berlin…“
Aus dieser Situation heraus entstand damals die „Josephslegende“. Sie beginnt mit den Worten: Weiterlesen