Buch-Tipp: Von den tausendfachen Nuancen der Liebe

Foto: Susanne Brandt

Ich dachte schon, die Befreiungstheologie sei bei uns etwas in Vergessenheit geraten. Lange habe ich keine Neuerscheinung mehr dazu auf dem Schreibtisch gehabt. Aber jetzt: Huub Oosterhuis – der niederländische Theologe, der von Freiheit und Gerechtigkeit gleichermaßen singen und sprechen kann, der nicht trennt zwischen Poesie und Protest, zwischen Lied und Liebe in der Weise, wie wir miteinander und übereinander sprechen. Und als ich heute in seinem Buch las, dachte ich mir: Wie gut, dass in diesen Tagen der verbalen Entgleisungen in den Medien, der Relativierung von Menschenrecht und der schleichenden Gewöhnung an eine Sprache, die das Unrecht versucht zu banalisieren oder so zu versachlichen, bis es uns irgendwann vielleicht nicht mehr weh tut – wie gut, dass ein Buch uns gerade jetzt daran erinnert, dass es auch anders gehen kann. Keineswegs neu, nicht nach Aufmerksamkeit heischend, sondern einfach mit einem tiefen Vertrauen in das, was wir als Möglichkeiten in uns tragen:

„Unter Liebe verstehe ich: jene tausendfachen Nuancen von Freundlichkeit und Freundschaft, von Takt und Geduld, von bedächtigem Respekt und Erbarmen, von langer Treue und Spontanität, von Höflichkeit und Leidenschaft, von gutem Willen und Ergriffenheit, mit denen Menschen einander begegnen. Unter Liebe verstehe ich die Kraft des Denkens und der Intuition, die Weisheit und die Wissenschaft und alle Fantasie und Beharrlichkeit und allen Optimismus, mit denen die Erde aufgebaut wird, immer wieder neu, gegen alles Abreißen. Alles, was zum Guten ist, alles, was zu etwas mehr Gerechtigkeit und Frieden für etwas mehr Menschen führt, das nenne ich Liebe.“ (Huub Oosterhuis, aus: Alles für alle, Patmos Verl., 2018)
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Sonntagsmomente: Ein Herbstblatt-Gedicht zum Advent

friede-auf-erden-2Gerade fallen noch die letzten Blätter vom Baum, da beginnt bereits die Adventszeit. Das hat mich in diesem Jahr dazu angeregt, die Einstimmung in die Vorweihnachtszeit nicht mit dem klassischen Tannengrün, sondern mit einem Ginkgo-Blatt zu verbinden. Schließlich legt die Form des Blattes eine Assoziation zu Engeln nah – und befasst man sich mit der weltweiten Bedeutung dieses faszinierenden Baumes, so scheint eine Friedenssymbolik aus allen Teilen des Baumes zu sprechen.

Vom Frieden zu schreiben – das fällt am Ende eines Jahres, das in vielen Teilen der Welt von Krieg und Terror, Flucht und Unruhen geprägt ist, nicht leicht. Vieles, was in der Welt passiert, bleibt beunruhigend. Das aber steht nicht im Widerspruch zum weihnachtlichen Lobgesang “Friede auf Erden”, der immer ein “so sei es” in sich trägt und zugleich ein weit zurück reichendes “am Anfang war…”. In beidem geht es nicht vordergründig um Fakten und Beweise, sondern um eine Sehnsucht und um ein Vertrauen, aus dem heraus tatsächlich etwas erwachsen kann: friede-auf-erden