Wochenendlektüre-Tipp: Deutschland, ein Wandermärchen

733_17685_170889_1_xxlDie Idee der Autorin hat mir beim “ersten Anlesen” sofort gefallen: Eine Frau, diplomierte Rezitatorin von Gedichten, begibt sich auf dem Fahrrad mit minimalem Gepäck und einem kleinen gelben “Gedichte-Koffer” zwei Halbjahre lang auf eine Art “literarische Walz” durch Deutschland. Für Kost und Logis hat sie eine besondere Handwerkskunst zu bieten: das Rezitieren von Gedichten. Fremde Menschen öffnen für sie ihre Stuben – und laden andere dazu ein, sich an den Gedichten zu freuen, die sie für ihr Programm ausgewählt hat. Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben – ein Buch über Menschen, über Deutschland mit seinen wechselnden Landschaften und Stimmungen, über das Unterwegssein, über Gedichte – und über die großen Fragen des Lebens.

Was mir daran gefällt, ist zunächst mal der unaufgeregte Grundton, mit dem sie die Begegnungen und Eindrücke ihrer Reise beschreibt. Natürlich schreibt sie dabei auch über sich selbst – aber nicht so, dass die Erinnerungen zur Nabelschau mit Selbstverwirklichungsdrang geraten. Im Fokus bleibt immer das Gegenüber – das, was ihr begegnet, was sie unterwegs hört und beobachtet, was sie mit Menschen erlebt und in stillen Landschaften wahrnimmt. Und ganz besonders schön: Jedes Kapitel, jede Reiseetappe endet im Buch mit einem passend ausgewählten Gedicht, durch das sie Momentaufnahmen – treffender als durch Fotos – feinsinnig und verdichtet auszudrücken weiß. Weiterlesen

Erzähl-Welten aus der Streichholzschachtel

Foto: Susanne Brandt

Unter den vielen phantasievollen Grüßen, Blumen und Dingen, die mir kürzlich zum Geburtstag ins Haus geschickt wurden, befand sich auch eine wunderschöne kleine Kuriosität, die ich anderen Freundinnen und Freunden des freien Erzählens nicht vorenthalten möchte: die Miniaturwelten von Richard Wetzel (Heilbronn), bei denen sich aus der Enge einer Streichholzschachtel die Weite der Phantasie entfaltet, sobald die enthaltenen Teilchen zu mehrschichtigen Szenen und Landschaften verbunden werden:  http://www.rics-company.de/rics-company Weiterlesen

Reise-Tipp: Mit Bahn & Bike durch den Naturpark Westensee

Die Lage Flensburgs am Ende/Anfang zweier Bahnlinien, von denen sich eine über Kiel auf der östlichen Seite durchs Land zieht und die andere alternativ über Rendsburg durch die Mitte führt, bietet die besondere Möglichkeit, die Landschaft dazwischen mit dem Fahrrad zu erkunden, d.h. ein Stück die eine Strecke Richtung Süden zu fahren, von dort verschiedene Landstriche zu durchradeln und die andere Strecke für den Rückweg zu nutzen. Ohne umsteigen und oft auch mit barrierefreien Bahnhöfen lassen sich so viele unkomplizierte Varianten finden, um Schleswig-Holstein von Flensburg aus etappenweise ganz ohne Auto kennenzulernen. Gleich der erste Streckentest von Suchsdorf bei Kiel quer durch den Naturpark Westensee nach Nortorf (je nach eingebauten Schleifen und Abstechern eine ideale, etwa 40-50 km lange Halbtagestour) macht Lust auf mehr…

Der Bahnhof Suchsdorf – von Flensburg aus in einer Stunde erreichbar – bietet sich als idealer Ausgangspunkt für Touren entlang des Nord-Ostsee-Kanals an. Knapp 15 Minuten vom Bahnhof entfernt ist man bereits auf dem beliebten Radweg, dem man von hier bis Brunsbüttel folgen könnte. Mich aber interessiert heute eher die Seenlandschaft rund um den Westensee – vertrautes Terrain aus vielen Kinder- und Jugendzeitsommern auf Gut Bossee, das ich nun über 20 Jahre nicht mehr bereist habe. Also los: Bei der Fähre Landwehr verlasse ich den Kanal-Radweg und folge der Ausschilderung Richtung Flemhude und Achterwehr. Hier braucht es einige Blicke auf die Karte und zwei Anläufe, um den richtigen Schleichweg durch die Eiderniederung und schließlich über die Eiderbrücke nach Felde zu finden. Dort tut sich bald schon von der hoch liegenden Uferstraße der weite Blick über den Bossee mit der Einmündung in den Westensee auf. Zeit für eine kleine Pause mit erfrischendem Fußbad…

Rechts vom See führt die Straße zu dem für mich schönsten Teil der Tour: Gut Bossee mit “unserer” ehemaligen Mietwohnung im Verwalterhaus, den angrenzenden weiten Getreidefeldern und dem etwas verwunschenen Park hinter dem Herrenhaus, in dem vermutlich nur wenige den Ort der versteckten Grotte kennen…

Hier nehme ich mir viel Zeit für einige altbekannte “Extrarunden”:  eine Fahrt durch die alte Eichenallee, auf welligen Wegen durch die Feldmark – und natürlich ein Abstecher zur Grotte, die ich auch auf dicht zugewachsenen Wegen gleich wiederfinde….

 

Gut Bossee

 

 

 

 

Weiter Richtung Westensee ließe sich Nortorf als Bahnhof für die Rückfahrt nun auf direktem Wege entlang der Hauptstraße ansteuern. Interessanter, wenn auch auf den durchgeweichten Waldwegen etwas holprig, ist der Bogen über Emkendorf und entlang einer kleinen Kette von Seen, bis man bei Groß Vollstedt wieder auf die Hauptstraße trifft. Hier lässt sich je nach Fahrplan ab Nortorf entscheiden, ob noch Zeit bleibt für Abstecher Richtung Warder oder Katenstedt oder ob die letzten Kilometer auf schnellstem Weg entlang der Hauptstraße zurückgelegt werden….und beim nächsten Mal vielleicht gleich weiter Richtung Nordseeküste? Für heute bleibt es erstmal beim “Getreidemeer”….

 

Landschaften entdecken: Sönderjylland I

Gravensteiner Apfelblüte am 1. Mai 2012

Die erste Entdeckungsreise per Fahrrad durch Sönderjylland führt am 1. Mai von Flensburg über Wassersleben nach Krusa, um dann in einer Rundtour über Gejlholm, Holböl, Sönderhav und Kollund wieder in Flensburg zu enden (ca. 35-40 km). Weiterlesen