„Der Tag wird kommen…“ – Gedichte von Frauen aus Afghanistan bei „Free women writers“

Bei meinen Begegnung mit Geflüchteten aus Afghanistan ist die Situation von afghanischen Frauen immer mal wieder ein Thema. Wir tauschen dazu Erfahrungen, Hoffnungen und Gedanken aus – und wir erzählen einander von Nachrichten und Entwicklungen, die uns hier in Deutschland über die Medien oder über Erzählungen aus den Familien erreichen.

c free women writer / Cover: we are not alone

Seit einiger Zeit liefert ab und zu auch der Online-Blog von „Free women writers“ mit seinen interessanten Berichten, aber auch Gedichten und literarischen Geschichten in Englisch und Persisch interessante Impulse für unsere Gespräche. „Free women writers” – unter diesem Titel haben sich schreibende Frauen in und aus Afghanistan (die heute z.T. in den USA leben) zusammengefunden, um durch ihr Schreiben auf die Rechte der Frauen in Afghanistan und anderswo aufmerksam zu machen.

In ihren Gedichten und Geschichten thematisieren sie Gewalterfahrungen, den Schmerz unerfüllter Liebe und immer wieder den Hunger nach Bildung und Selbstbestimmung. Mit der Seite, zu der es im Netz eine persische und eine englische Version gibt, verbinden sie das Anliegen, als mutige Stimme überall auf der Welt gelesen und gehört zu werden. Weiterlesen

Zum 2. Advent: Mutige Freude – am Tag der Menschenrechte

Magnificat / S. Brandt

Der Tag der Menschenrechte fällt in die Adventszeit. In diesem Jahr mit dem 10. Dezember direkt auf den 2. Advent. Gestern habe ich mir deshalb gemeinsam mit einem Mann aus Afghanistan die Menschenrechte angeschaut, zumindest ein Teil davon, in einer vereinfachten Sprachfassung. Wir haben uns durch den sperrigen Text gearbeitet, die großen Worte im Wörterbuch nachgeschlagen, sind hängen geblieben an den vielen Fragen, die sich dabei ergeben, wieder und wieder – ein gutes Gespräch…

“…Liebeslied vom Leben”

Irgendwann haben wir uns von den großen Worten gelöst. Es spricht sich leichter mit Tätigkeitswörtern, mit dem gemeinsamen Vorrat gebräuchlicher Vokabeln, die vom Leben erzählen. Ganz konkret.

Später habe ich noch etwas andres entdeckt – mit den Verben im Sinn: vertrauen, nachdenken, aufbrechen, träumen…mittendrin eine überraschende Assoziation zu adventlichen Bildern, zu alten Texten, zum Magnificat, zu einer Freude, die es sich nicht leicht macht in dieser Zeit: Da war sie plötzlich. Und ich glaube, ich kann ihr einiges zutrauen.

Das alte Lied von der mutigen Freude
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Menschliche Stimmen statt mediale Stimmungen: einander zuhören und ermutigen

Viele Menschen sind nach Deutschland geflohen, weil sie hier auf eine demokratische Verfassung hoffen, die ihre Menschenrechte und Menschenwürde wahrt und Menschen vor Verfolgung, Diskriminierung und staatlicher Willkür schützt. Daraus ergibt sich eine gegenseitige Achtung und Verantwortung, die immer noch viel zu oft als einseitige Bringschuld „uns“ gegenüber missverstanden wird. Denn wir haben uns im Alltag nicht weniger dieser Verantwortung zu stellen, erleben unser eigenes Scheitern und dürfen nicht kleinreden, wie leicht Menschenrecht und Menschenwürde im Dschungel bürokratischer Hürden aufs Spiel gesetzt werden. Auch wir sind dabei oft auf Ermutigung angewiesen – durch Menschen, die mit ihrem Mut zu uns gekommen sind.

Blickwechsel auf Augenhöhe: Was bewegt mich – was bewegt dich?

Was wir als gemeinsame Verantwortung im Sinne eines menschenwürdigen Miteinanders jeden Tag neu üben können, ist eine Kultur des gegenseitigen Zuhörens und des Dialogs was-mich-bewegtauf Augenhöhe. Dazu gehören Respekt, Feingefühl und Achtung vor dem, was Menschen mitbringen und einbringen in unser Leben: ihre Erinnerungen, ihre Lebensleistungen und enormen Kompetenzen, ihr Gelingen und Scheitern, ihre Ängste und Hoffnungen, ihren Glauben, ihre Sehnsucht und ihren guten Wille, etwas verändern zu können. Dazu gehört ebenso, dass wir visionäre und ermutigende Ideen und konkrete Handlungsmöglichkeiten, die wir miteinander entdecken können, nicht durch pessimistische Prognosen, Vorurteile und “schlechte Erfahrungen” schmälern und abhängig machen von wechselnden medialen Stimmungsmachern. Weiterlesen

Es war einmal…: Roger Willemsen begegnet jungen Menschen in Afghanistan

Hunderte von Kinderzeichnungen, Aufsätzen und Briefen hat Roger Willemsen von seinen Afghanistan-Reisen als bewegende Dokumente junger Menschen aus einem von Krieg gezeichneten Leben mitgebracht. Bei einer Reise im Herbst 2012, die ihn von Kabul bis ins Panshir-Tal führte, hat Willemsen einige dieser Kinder besucht. Alles, was er dort mit und durch die Kinder erfahren und erlebt hat, zeichnet zusammen mit den Bildern und Texten der Kinder ein genaues und oft überraschendes Bild vom Leben in Afghanistan – und bringt nicht nur seine düsteren, sondern auch seiner glücklichen Momente ans Licht. Was also bleibt, wenn die internationalen Truppen das Land verlassen und die Menschen aus dem Blick der Medien rücken? Roger Willemsen lässt vor allem die Kinder Antwort darauf geben. Kinderbilder – nicht missbraucht als Mitleidserreger, sondern geachtet als Ausdruck von Lebensklugheit, Reife und Vitalität – geben seinem Reisebericht besondere Töne und Farben: authentisch, ehrlich und erstaunlich.

Es war einmal oder nicht : afghanische Kinder und ihre Welt / Roger Willemsen. – Frankfurt am Main : Fischer, 2013. – 251 S. : überw. Ill. (farb.); 22 cm. ISBN 978-3-10-092108-6 fest geb. : fest geb. : EUR 19.99  

Susanne Brandt