Gode Nacht

Foto: Susanne Brandt

Foto: Susanne Brandt

Över de stillen Straten
Geit klar de Klockenslag;
God Nacht! Din Hart will slapen,
Un morgen is ok en Dag.

Din Kind liggt in de Weegen,
Un ik bün ok bi di;
Din Sorgen un din Leven
Is allens um un bi.

Noch eenmal lat uns spräken:
Goden Abend, gode Nacht!
De Maand schien op de Däken,
Uns‘ Herrgott hölt de Wacht.

Theodor Storm

Sonntagsmomente: Winterliches Abendlied

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

In kalter Zeit ein Weilchen Wärme –
aus Glut entfacht:
Es wartet eine stille Stunde
am Tor zur Nacht.

Ein herber Duft von Zimt und Tannen
zieht durch den Raum.
Der Tag entweicht auf Zehenspitzen.
Man hört es kaum.

Er trägt das Laute, Ruhelose
nun sanft davon.
In seinen großen Manteltaschen,
da schläft es schon.

Ganz leise klingen andre Töne
im Zimmer nach:
ein Ofenlied, ein Windgeflüster
vom dunklen Dach.

Es kommt als Gast, das Weilchen Wärme –
und lässt sich Zeit.
Wir spüren seinen ruhigen Atem.
Es ist soweit.

Susanne Brandt, im Advent 2015

(…und wer es als Abendlied singen will, findet hier die Noten dazu: Winterliches Abendlied 2015)

Vom Klang der Abendstunden und anderen Lauscherlebnissen

Blick auf die Stadt am Abend / Foto: Susanne Brandt

Es geht auf September zu. Nach hellen Sommernächten, in denen die Dämmerung fast ins Morgengrauen hineinzufließen schien, rückt die Wahrnehmung der Abendstunden nun wieder dichter an den Tag heran. Man ist vielleicht noch in der Stadt unterwegs, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, wenn all das spürbar wird: dieses sanfte Zurückweichen des Lichtes, die kühler werdende Luft, das allmähliche verebben der Geschäftigkeit auf den Straßen. Blaue Stunde eben! Weiterlesen

Waldworte des Tages: Der Abend ist mein Buch

Juliabend / Foto: Susanne Brandt

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen
die Deckel purpurn in Damast;
ich löse seine goldnen Spangen
mit kühlen Händen, ohne Hast.

Und lese seine erste Seite,
beglückt durch den vertrauten Ton, –
und lese leiser seine zweite,
und seine dritte träum ich schon.

Rainer Maria Rilke, 1897