Rosentage

Ich mag den leisen Widerstand der wilden Rosen,
dass sie so unbeirrt im Alltag so viel Schönheit zeigen
und sich mit Anmut und Respekt zum Staub der Straße neigen,
sich einfach Raum erobern mitten in der Stadt,
nicht danach fragen, welchen Zweck das alles hat.

Ich mag den unverhofften Duft am frühen Morgen:
Nur für Sekunden, leicht und flüchtig im Vorübergehen,
kann mich ein Rosenwind lebendig wie ein Tanz umwehen
und all das Schwere wird verwandelt von dem Duft.
Nur für Sekunden liegt ein Wunder in der Luft.

Ich mag das Sommerkleid der Gärten und der Mauern:
Die weichen Blüten lehnen sanft am Rand der Regentonne,
die jungen Knospen haben Sehnsucht nach der Morgensonne.
Und ich genieße das – der Weg vor mir ist weit.
An solchen Rosentagen lasse ich mir Zeit

Susanne Brandt, im Juni 2017

…und zum Singen: Lied Rosentage

 

The World is made of Stories – Bilderbuch einer Skandinavienreise

Rundreiseroute:
Über Hirtshals – Langesund nach Oslo, von dort quer durch Värmland/Mittelschweden zum Schärengarten südlich von Stockholm und am Vätternsee entlang zurück durch Smaland und Skane zur südlichen Westküste nach Trelleborg.

„The World is made of Stories“ – gleich zu Beginn unserer Rundreise sind mir die Gedanken des Astrup Fearnley zu seiner Sammlung für Moderne Kunst in Oslo begegnet und nicht wieder aus dem Sinn gegangen. Ist das so, habe ich mich gefragt. Und: Gilt das nur als Erfahrung auf Wegen durch die Welt der Kunst oder auch für die Wege, die wir als Reisende durch die Welt der Landschaften und der Orte mit ihren Menschen und Gedanken unternehmen?

Was er damit meint, beschreibt Fearnley sinngemäß übersetzt so:

A. Fearnley Museum Oslo, Foto: Susanne Brandt

Niemand kann die ganze Welt allein überblicken, wahrnehmen oder fassen. Wir alle lernen über die Welt durch andere, durch verschiedene Arten von Geschichten, die von den Medien oder von Einzelpersonen erzählt werden. Die Ausstellung „Die Welt ist aus Geschichten gemacht“ ist eine Konstellation von erzählerischen Werken, die private und öffentliche Geschichten erzählen. Viele Geschichten bilden zusammen eine mehrschichtige Erzählung, die sich auf verschiedene Zeiten, und Orte und Aspekte bezieht und durch verschiedene Stimmen und Ausdrucksmittel beschrieben wird, hier etwas sichtbar machen und dort neue Fragen aufwerfen.“ Weiterlesen

Lernkultur statt Leitkultur: Eine kleine Weinberg-Gedankenwanderung

Blick vom Weinberg auf Würzburg / Foto: S. Brandt

Ich bin gern und oft auf Reisen – meistens mit der Bahn und vor Ort am liebsten zu Fuß. Das schenkt Zeit zum Nachdenken und öffnet die Sinne für Bemerkenswertes, das in der unvertrauten Umgebung mitunter intensiver wahrgenommen wird als im Alltag zu Hause.

Heute nun bei einer Zäsur zwischen mehreren Seminartagen im Süden des Landes und  fernab von der vertrauten Küste: eine Wanderung in den fränkischen Weinbergen…

Entscheidend dabei ist nicht, ob man persönlich gern Wein trinkt oder nicht. Wichtig ist für mich vielmehr das Nachdenken über einen Kulturbegriff, der sich mit dem Wein verbindet, der gern als Teil der Kultur dieser Region beschrieben wird, aber beim genaueren Hinsehen einen Schatz an kulturellen Erfahrungen aus vielen Teilen der Welt in sich trägt und ohne diese auf vielen Wegen „eingewanderten“ kulturellen Einflüsse nicht das wäre, was heute die fränkische Weinkultur zu prägen scheint. Weiterlesen

Weites Dach. Die „Bibliothek der Versöhnung“ in Liberec / Cz

IMG_1722Licht fällt ins Haus,
lockt aus dem Dunkel
Gedanken der Menschen,
alt und neu.

Weit spannt sich sein Dach aus für alle,

für alle, die Schutz suchen,
Unrecht und Missgunst erfahren haben,
Wenige sind,
nicht so stark wie die Vielen,

doch vielfältig glaubenIMG_1721
und vielfältig leben
mit Männern und Frauen,
besonderen Gaben,
kindlich, gebrechlich
einander begegnen,
zuhören, schweigen,
erzählen und lesen,

mit Sehnsucht nach Frieden
willkommen sind.

Susanne Brandt

Die „Bibliothek der Versöhnung“ in Liberec vereint in ihrer außergewöhnlichen Architektur und Konzeption das Miteinander von Tschechen und Deutschen, Christen und Juden. Deutlich wird dabei der Respekt vor der jeweiligen Unabhängigkeit in einer von Toleranz IMG_1733geprägten Begegnung. Gleichzeitig kommt in Bau und Selbstverständnis eine Transparenz und Offenheit für die ehrliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Facetten der gemeinsamen Geschichte zum Ausdruck. Ebenso gehört es zur Idee, Raum zu lassen für eine bewegliche Weiterentwicklung und Wandelbarkeit der medialen Welt im Blick auf die Zukunft. Weiterlesen