Warum ich gerne durchs Land reise…

Ich sitze im Zug und schaue aus dem Fenster. Ich bin unterwegs zu Seminaren im Westen und im Osten Deutschlands, bei denen ich Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich in Bibliotheken engagieren, etwas von meiner Freude an einer lebendigen Vielfalt weitergeben möchte. Es geht um  vielfältige Geschichten und Bilder, die wir in Bibliotheken miteinander erleben und gestalten können. Durch Seminarreisen im gesamten Bundesgebiet habe ich bereits viele Menschen kennen gelernt, die eine Menge zu dieser Vielfalt beitragen und weiterhin daran mitwirken werden. Was sie genau tun und möglich machen? Zum Beispiel Brücken bauen durch das gemeinsame Entdecken von Bildern. Oder etwas „zur Sprache bringen“ durch Geschichten. Oder einfach Gastfreundschaft üben in einladenden Räumen. Oder Alltag teilen im Dialog von Mensch zu Mensch. Oder aufeinander hören beim Singen und Klingen… Weiterlesen

Welche Worte tragen weiter? – Impressionen einer Herbstreise

In kleinen Etappen reisen – diesmal durch 4 Bundesländer: Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg. Da bleibt Zeit für die Entdeckungen am Rande, für das Anhalten, für genaues Hinschauen und Lauschen.

Orte für Worte – und das an jeder Station anders. Oder auch mit erstaunlichen roten Fäden, die sich überraschend zeigen und Verbindendes ahnen lassen. Reisen – das heißt immer wieder: Die Nützlichkeit des Alltags unterbrechen und entdecken was es heißt „sich zu verdanken“. Musik und Poesie, Landschaften, Bücher, Gespräche – sie gehören als Reisebegleiterinnen dazu.

Neuruppin 

Vor den Toren der Stadt: ein Dorf, ein alter Vierseithof, der nun Vielseithof heißt – weil die neuen Bewohner hier viele Seiten der Kunst und des Lebens zum Leuchten bringen: in sorgfältiger Handarbeit gedruckte Buchseiten und die darauf gedruckte Poesie in all ihren Erscheinungsformen.

https://bodoni.org

auf dem Vielseithof der Edition Bodoni / Foto: S. Brandt

An diesem Abend: ein Konzert mit dem Liederpoeten Wenzel: „Wenn wir warten“ –  so wird mit der Stimme eines stillen Beobachters und Reisenden gesungen. Die Texte sind an verschiedenen Orten Europas entstanden. Sie stellen Fragen, meiden laute Bekenntnisse und Parolen. Zu leise für das Unrecht, das es diese Tage anzuprangern gilt? Vielleicht. Oder vielleicht auch nicht. Denn kann das Brüllen mehr bewirken als das beharrliche Beobachten, Beschreiben und Nachfragen? Bringen einfache Antworten und Schuldzuweisungen mehr ans Licht als Lieder, die Menschen im aufrechten Gang stärken und im Herzen wärmen, dass sie die Lust behalten am Lebendigen? Und den Mut, großmütig davon etwas weiterzugeben? Ohne die Pose der Sieger? Eines seiner Lieder heißt: „Halte dich von den Siegern fern.“

„Welche Worte tragen weiter, / wenn sie sanfter sind und leiser, / welche Sehnsucht stimmt mich heiter, / welche Trauer macht mich weiser.“ (aus Wenzel: Welches Lied soll ich jetzt singen) Weiterlesen

Rosentage

Ich mag den leisen Widerstand der wilden Rosen,
dass sie so unbeirrt im Alltag so viel Schönheit zeigen
und sich mit Anmut und Respekt zum Staub der Straße neigen,
sich einfach Raum erobern mitten in der Stadt,
nicht danach fragen, welchen Zweck das alles hat.

Ich mag den unverhofften Duft am frühen Morgen:
Nur für Sekunden, leicht und flüchtig im Vorübergehen,
kann mich ein Rosenwind lebendig wie ein Tanz umwehen
und all das Schwere wird verwandelt von dem Duft.
Nur für Sekunden liegt ein Wunder in der Luft.

Ich mag das Sommerkleid der Gärten und der Mauern:
Die weichen Blüten lehnen sanft am Rand der Regentonne,
die jungen Knospen haben Sehnsucht nach der Morgensonne.
Und ich genieße das – der Weg vor mir ist weit.
An solchen Rosentagen lasse ich mir Zeit

Susanne Brandt, im Juni 2017

…und zum Singen: Lied Rosentage

 

The World is made of Stories – Bilderbuch einer Skandinavienreise

Rundreiseroute:
Über Hirtshals – Langesund nach Oslo, von dort quer durch Värmland/Mittelschweden zum Schärengarten südlich von Stockholm und am Vätternsee entlang zurück durch Smaland und Skane zur südlichen Westküste nach Trelleborg.

„The World is made of Stories“ – gleich zu Beginn unserer Rundreise sind mir die Gedanken des Astrup Fearnley zu seiner Sammlung für Moderne Kunst in Oslo begegnet und nicht wieder aus dem Sinn gegangen. Ist das so, habe ich mich gefragt. Und: Gilt das nur als Erfahrung auf Wegen durch die Welt der Kunst oder auch für die Wege, die wir als Reisende durch die Welt der Landschaften und der Orte mit ihren Menschen und Gedanken unternehmen?

Was er damit meint, beschreibt Fearnley sinngemäß übersetzt so:

A. Fearnley Museum Oslo, Foto: Susanne Brandt

Niemand kann die ganze Welt allein überblicken, wahrnehmen oder fassen. Wir alle lernen über die Welt durch andere, durch verschiedene Arten von Geschichten, die von den Medien oder von Einzelpersonen erzählt werden. Die Ausstellung „Die Welt ist aus Geschichten gemacht“ ist eine Konstellation von erzählerischen Werken, die private und öffentliche Geschichten erzählen. Viele Geschichten bilden zusammen eine mehrschichtige Erzählung, die sich auf verschiedene Zeiten, und Orte und Aspekte bezieht und durch verschiedene Stimmen und Ausdrucksmittel beschrieben wird, hier etwas sichtbar machen und dort neue Fragen aufwerfen.“ Weiterlesen