Sonntagsmomente: Können Freude und Lachen an jedem Tisch sein?

aus: Wie entsteht eigentlich die Zukunft? www.bilingual-picturebooks.org

Welche Fragen sind Kindern wichtig, wenn sie über die Welt und die Zukunft nachdenken? 17 Beispiele aus einer Fülle von über 80 Rückmeldungen im Rahmen des Workshops “Mit dem Staunen fängt es an” haben Jugendliche bei den Bücherpiraten e.V. in Lübeck jetzt zu einem digitalen Bilderbuch verarbeitet. Möglich gemacht wurde der Workshop durch eine Kooperation mit der Büchereizentrale Schleswig Holstein und einer Förderung des Fonds Nachhaltigkeitskultur.

Eines meiner persönlichen Lieblingsbilder gehört zu der Frage:

“Können Freude und Lachen an jedem Tisch sein?”

Welche Antworten lassen sich auf der ganzen Welt dazu finden? Eines von vielen Beispielen – folgende Geschichte:

Das große Tischtuch. Eine persische Weisheitsgeschichte

Hooger Halligsommer: Das Lied vom Mond am Meer

Das Lied vom Mond am Meer gehört für mich in mehrfacher Hinsicht zum Hooger Halligsommer 2018. Der Text hat eigentlich schon einen älteren Ursprung, geht auf Bilder in einem Märchen von W. Scharrelmann zurück, der einst seine Mondgedanken eher mit dem Moor bei Bremen als mit dem Meer in Verbindung brachte. Aber vielleicht gleichen sich unsere Monderfahrungen unabhängig von der Landschaft in einem wesentlichen Punkt:

Was mit dem Mond Einzug halten und die Gestimmtheit in Häusern und bei Menschen verändern kann, ist eine stille Aufmerksamkeit und ein Vertrauen in das, was uns nicht immer direkt, sondern mitunter in indirekter Weise “ein Licht aufgehen lässt”. Der Mond strahlt ja nicht aus sich selbst heraus, sondern fängt sozusagen das Licht der Sonne ein (um im Bild des Märchens zu bleiben), behält dieses Licht dann nicht allein für sich, sondern lässt andere daran teilhaben – gerade auch dann, wenn die Sonne bereits aus dem Blickfeld verschwunden ist. Der Mond kommt einem manchmal wie ein stiller Wegbegleiter vor, wirkt eher zurückhaltend und wird von vielen als milde empfunden. Das ist sein Geschenk: die unaufgeregte Ruhe, die der Seele und der Sehnsucht Nahrung gibt:

Mond am Meer

Der Mond am Meer spinnt Silberfäden
und wirft sie nachts zum Fischfang aus,
will gerne bei den Menschen wohnen
und kennt die Not in manchem Haus.

Er bringt sein Licht in dunkle Stuben,
klopft leise an die Küchentür.
Wird er mit Freundlichkeit empfangen,
dann deckt er reich den Tisch dafür.

Er zaubert Töne mit dem Mondhorn,
wenn mal ein Kind nicht schlafen kann
und viele schöne Träume fangen
mit seinen Mondhornliedern an.

Nicht alle heißen ihn willkommen.
Dann zieht er fort und bleibt allein.
Doch wo sich ihm die Türen öffnen,
da schaut er sicher bald herein.

Susanne Brandt (inspiriert von einem Märchen von W. Scharrelmann)

Man kann den Mond auch aussperren, Ruhe nicht zulassen, sich verschließen vor dem, was in der Stille geschehen kann. Aufdrängen wird sich der Mond nicht. Sein Licht dringt nicht durch alle Ritzen. Auch das gehört zu seinem Wesen.

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Hooger Halligsommer: Zuneigung

Foto: Susanne Brandt

 

 

 

 

 

 

 

Sie biegen sich nicht mit den wechselnden Winden.
Ihr Gesicht im Geäst hat sich langsam geformt
und wer danach trachtet, empor zu wachsen,
höher als andere,
wird hier nicht bleiben.

Mit den Gräsern aber, den Hütern der Wurzeln,
tauschen sie zärtliche Gesten aus,
denn Zuneigung ist es, die sie hier hält.
Sonst wären sie längst schon zerbrochen.

Susanne Brandt, Notiz im Juli 2018 auf Hallig Hooge

Hooger Halligsommer: Kein Wetter für Tauben

Foto: Susanne Brandt

Unruhige Zeiten im Juni des Jahres 2018. Das alte Bild der Arche als Zufluchtsort scheint an den Küsten Europas zu zerschellen. Und die Taube, die einst von ihrem Ausflug zum rettenden Land zurückgekehrt ist mit dem Zweig im Schnabel als Zeichen des Friedens – sie müsste heute wohl lange suchen, um landen zu dürfen. Oder: Um sich willkommen zu fühlen und Menschen zu finden, die am Meer unbeirrt Ausschau halten nach Frieden und Verbundenheit.

Mit seiner Blogparade (Laufzeit: 20. Juni bis 25. Juli 2018) lädt das Deutsche Historische Museum anlässlich der Ausstellung „Europa und das Meer“ unter dem Hashtag ‪#DHMMeer dazu ein, in Blogbeiträgen persönliche Beziehungen zum Meer in ihrer ganzen Vielfalt zu beschreiben. Geographisch gesehen ist Europa ein maritimer Kontinent: Keiner der anderen Erdteile hat mehr Berührungspunkte mit dem Meer gemessen an Küstenlänge und Gesamtgröße. Wie also erleben wir diese Berührung mit dem Meer – und wie werden wir der Verantwortung gerecht, die sich daraus ergibt? Weiterlesen

Wo Frieden von innen her Kreise zieht. Denkanstöße der afghanischen Friedensforscherin Heela Nadschibullah

Von innen nach außen / S. Brandt

Immer wieder taucht in kontroversen Diskussionen um Flucht und Fluchtursachen der Gedanke auf, ob nicht die Flucht von Menschen nach Europa im Blick auf die Not im Herkunftsland ein eher unsolidarischer Akt wäre. Die Frage bzw. Unterstellung, die dabei oft im Raum steht, lautet: Trägt die Abwanderung von Menschen nicht erst dazu bei, dass ein Wiederaufbau nach dem Krieg und letztendlich die Bekämpfung von Fluchtursachen so wenig Aussicht auf Erfolg haben?

Auf mich wirkt eine solche Argumentation von Europäern anmaßend und überheblich, geschieht sie doch aus einer vergleichsweise komfortablen Lebenssituation heraus. Wie weit reicht unser Einfühlungsvermögen für die Beweggründe, seelischen Verletzungen und Bedürfnisse, mit denen Menschen aus Krisengebieten zu uns kommen, wirklich an die Realität heran? Und was sollte uns  überhaupt das Recht geben, darüber zu befinden, ob und wie andere Menschen sich für ihr Land einzusetzen haben?

Woher nimmt der Frieden seine Kraft?

Zu den Fragen, die mich in diesem Kontext bewegen, gehören auch folgende: Wie kann es Menschen, zum Beispiel in Afghanistan, von denen manche in ihrem Leben nie wirklichen Frieden erlebt haben, aktuell gelingen, unter derart  unsicheren und verstörenden Lebensbedingungen an der Schaffung von Frieden mitzuwirken? Woher nehmen sie die Kraft dafür? Und woher die Ruhe und Vergewisserung für ihr eigenes Leben, aus der heraus sie anderen Menschen überhaupt erst Sicherheit und Geborgenheit vermitteln können?

S. Brandt

Eine, die ihre Kinderjahre in Afghanistan verbracht hat, seelische Traumata und das Bemühen um Versöhnung aus eigener Erfahrung kennt und sich vor diesem Hintergrund um ähnliche Fragen Gedanken macht, ist die afghanische Friedensforscherin Heela Nadschibullah (geb. 1977). Seit vielen Jahren lebt sie in Europa, hat  in der Schweiz studiert und arbeitet heute für eine Hilfsorganisation mit Migranten in Ungarn.

Für sie ist das Heilen gesellschaftlicher Traumata ein ganz entscheidender Aspekt der aktiven Friedensarbeit – auch dann, wenn das nicht immer direkt in dem von Krieg und Unruhen erschütterten Land möglich ist. Sie ist davon überzeugt: Nach Zeiten der permanenten Angst, Bedrohung und Verunsicherung geht es zunächst darum, Vertrauen aufzubauen und sich gegenseitig zu verstehen.

Überall dort, wo Menschen sich darin unterstützen, ein Leben in Sicherheit und mit Vertrauen zueinander zu führen und mitzugestalten, können also solche Anfänge für einen möglichen Friedensprozess gelegt werden – auch bei uns, mit mir selbst und mit den Menschen, die davon etwas weitertragen.

Heela Nadschibullah erinnert sich dabei gern an eine alte Weisheitsgeschichte,  die sich in vielen Varianten, in verschiedenen Religionen und Kulturen weltweit verbreitet hat und in der Version eines englischen Geistlichen aus dem Jahr 1100 etwa so überliefert ist:

„Als ich jung war und meine Visionen keine Grenzen kannte, träumte ich davon, die Welt zu verwandeln in eine friedliche Welt. Aber die Welt veränderte sich nicht. Also beschloss ich, wenigstens mein Land zu verändern, damit Frieden endlich möglich werden kann.  Aber auch das erschien mir unveränderbar. Als ich älter wurde, versuchte ich, wenigstens die Menschen zu verändern, die mir am nächsten standen. Aber auch das sollte mir nicht gelingen. Schließlich wurde mir klar: Wenn ich damit anfange, mich selbst zu verändern und Frieden zu finden in mir,  dann kann dieser Frieden auch  auf andere Menschen ausstrahlen. Mit ihnen gemeinsam kann dieser Frieden in einem Land immer weitere Kreise ziehen. Und – wer weiß –  am Ende sogar die Welt verändern.“

Susanne Brandt

zum Weiterlesen:

Heela Najibullah – Social Healing