„Die Gefahr einer einzigen Geschichte“

c Pan y Arte

Diese Märzwoche ist eine besondere Woche: am 20. März ist „Weltgeschichtentag“ und am 21. März ist der „Welttag der Poesie“ wie auch der „Internationale Tag gegen Rassismus“. Was bedeutet das für unseren Umgang mit Sprache? Was bedeutet das für Bibliotheken und ihr Medienangebot? Hilfreicher als eine einfache Antwort auf diese schwierige Frage ist die Rede der Schriftstellerin und Geschichtenerzählerin Chimamanda Adichie über die „Gefahr einer einzigen Geschichte“.

Hier der Filmmitschnitt dazu: https://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story?language=de

Und hier ein Auszug der Rede in deutscher Übersetzung zum Nachlesen: https://www.nordkirche-weltweit.de/fileadmin/user_upload/zmoe/media/Presse/weltbewegt/2013_Afrika/Die_Gefahr_einer_einzigen_Geschichte.pdf

Bilderbuch-Tipps: Geschichtenvielfalt weitet den Blick für Lebensvielfalt

Zum Weiterlesen:

http://waldworte.eu/category/medien-tipps/bilderbuecher-aus-aller-welt/

http://www.bz-sh-medienvermittlung.de/?s=Kulturelle+Vielfalt

 

Zum Internationalen Frauentag: Ruth – eine alte Geschichte von Flucht und Neuanfang

Die Geschichte ist alt. Doch liest man das “Buch Ruth” in diesen Tagen, so wirkt vieles darin hochaktuell. Es ist eine Geschichte von Aufbruch, Solidarität und Gerechtigkeit. Und es ist eine zentrale Frauengeschichte, die Menschen verschiedener Kulturen und Religionen von Generation zu Generation weitererzählt haben.

c Verlag Don Bosco

Mir war und ist es deshalb ein Anliegen, für diese Geschichte gerade in dieser Zeit einen Erzählton zu finden, der das Geschehen lebendig in Erinnerung ruft – für Kinder. Oder auch für Menschen, die mit einfacher Sprache besser zurecht kommen als mit langen Texten. Erschienen ist sie vor wenigen Wochen als Bildkartensatz wie auch als Mini-Bilderbuch im Don Bosco Verlag.

An anderer Stelle wird anders davon erzählt – zum Beispiel so:

„ […] Die Geschichte des Buches Rut führt uns 2.500 Jahre zurück und könnte vielleicht so oder ähnlich heute in den Willkommenscafés der Geflüchteten in unserer Mitte erzählt werden; oder in unseren Familien, wenn Eltern oder Großeltern von Flucht und Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg berichten: Ein Paar aus Bethlehem sucht aus wirtschaftlicher Not eine neue Heimat im Nachbarland Moab. Integriert sich, findet eine neue Existenz und bleibt. Mann, Frau, zwei Söhne. Als der Mann stirbt, haben die Söhne moabitische Frauen geheiratet. Alles ist gut. Doch dann sterben auch die beiden Söhne und Noomi bleibt mit ihren beiden moabitischen Schwiegertöchtern Rut und Orpha zurück. Wie soll das Leben nun weitergehen? […] Weiterlesen

Zärtliche Schleifen – von der Poesie des Alltags in den Kulturen der Welt

1. Norddeutschen Leseförderkongress der Bücherpiraten Lübeck, Illustration: Barbara Steinitz

Die vergangene Woche war bei mir stark geprägt von Begegnungen und Gesprächen  mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Und von der Begegnung mit Geschichten, die nah und fern von prägenden Dingen des Alltags erzählen – von Nähmaschinen zum Beispiel…

In Lübeck hatten die engagierten “Bücherpiraten” zum 1. Norddeutschen Leseförderkongress unter dem Motto “Geschichten öffnen Welten” eingeladen. Es ging darum, sich gemeinsam auf eine Entdeckungsreise zu begeben durch die Welt der Geschichten, einzutauchen in die weltweite Poesie des Alltags – mit sinnlichen Erfahrungen, Bildern, Spielen, Geschichten, Erinnerungen. Denn Sprache geschieht nie isoliert, sondern immer verbunden, verwoben, eingebettet in das Handeln und Bewegen der Menschen. So galt es, der “Gefahr einer einzigen Geschichte” etwas entgegen zu setzen: Fantasie, Vielfalt, Neugier, Offenheit für das Ungewohnte – und die Lust an der Begegnung….

Wo aber findet man solche Geschichten, die mehr als eine Perspektive oder Vorstellung offenbaren? Zunächst vor allem im Erzählen der Menschen und in den manchmal nur “ganz nebenbei” beschriebenen Momenten der Erinnerung. Alles das können wir als etwas Einzigartiges und Wertvolles achten, miteinander teilen und sammeln, verbinden und lebendig halten – vielleicht in Bildern, Erzählungen oder Gedichten, die sich betrachten, deuten und lesen lassen. Ein Versuch…

Zärtliche Schleifen

Foto: Susanne Brandt

Mit der Hand
gab deine Mutter
dem Rad seinen Schwung
immer wieder,
dass die Nähmaschine im Rhythmus surrte,
im Rhythmus von Sorge und Mut.

Mit dem Mund
gab sie Worte
für all ihre Kinder,
viel Zeit blieb nie,

doch genug
für die kleinen zärtliche Schleifen
an jedem Namen,
wenn sie nach euch rief.

Immer noch
lebt die Stimme in dir,
lässt den Faden
nicht reißen.

Susanne Brandt Weiterlesen

Vorlese-Tipp: Wenn im Winterwald Bären wären…

www.papperlapapp.co.at

Heute in der Stadtbibliothek Flensburg: Vorlesen im Advent! Noch ist nicht Weihnachten und noch liegt bei uns im Norden kein Schnee – aber begleitet von Musik, Bildern und Fantasie haben wir uns in der wie immer bunt gemischten Gruppe mit Kindern aus verschiedenen Herkunftsländern schon mal auf die winterliche Zeit eingestimmt – mit Tiergeschichten wie “Bären schlafen im Winter” von Barbara Peters, illustriert von Jane McGuiness in dem wunderbaren Papperlapapp-Heft Nr.4. Weiterlesen

Medien-Tipp: Die Sternennacht

Liao: Die Sternennacht

Bereits vor einigen Jahren ist von Jimmy Liao die “Ballade von der großen Liebe” in deutscher Übersetzung aus dem Chinesischen erschienen. Jetzt gibt es eine weitere Bildergeschichte von großen Gefühlen mit der magischen Handschrift des taiwanischen Künstlers. Zu wenigen Worten erzählen auf 70 Seiten vor allem die Bildtafeln mit realen, fantastischen und symbolischen Elementen eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder, die sich in ihren Alltagswelten einsam fühlen und vorsichtig zueinander finden.

aus: Liao: Die Sternennacht

Etwa in der Mitte des Buches brechen sie aus der Stadt aus und tauchen ein in die Wildnis einer Landschaft, in der sich Erinnerungen mit Träumen mischen. Der Sternenhimmel wird hier wie auch an anderen Stellen des Buches zum Leitmotiv für die Hoffnung auf das, was über allem leuchtet. Dabei arbeitet der Künstler bewusst mit Bildzitaten von van Gogh und anderen Künstlern. Ein Buch, das beschreibend und reflektierend kindlichen Gefühlen nachspürt, vor allem aber eine hoffnungsvolle Botschaft in eine Bildkunst von hoher Intensität legt: Weiterlesen