Zum 2. Advent: Zweifelnder Engel

Engel in Bamberg, Foto: Susanne Brandt

Wie kann ich von den Zweifeln singen?
Mir ist nicht nach Posaunenspiel.
Denn das, was ich zu sagen habe,
ist ungewiss. Ich weiß nicht viel.

Ich bin nicht gut im Jubilieren,
denn Dank und Freude wachsen still
auch für die unperfekten Dinge.
Ich lausche, was die Liebe will.

An meinen Flügeln sind die Farben
doch eher brüchig, gelb und grau.
Ich weiß, sie könnten heller strahlen,
doch trag ich sie nicht gern zur Schau.

Sie können mir nur Freiheit schenken,
wenn ich sie liebe, wie sie sind:
so nah am Herzschlag wie mein Singen.
Drum spiel ich Laute für das Kind.

Susanne Brandt

Sonntagsmomente: Bäume, Stille, Herbstgeruch. Spaziergänge in der märkischen Landschaft

Auf einer von Wald umgebenen Wiese des Dorfes Netzeband bei Neuruppin sind schmale Spiegel wie Stelen im Freien aufgestellt. Sie gehören vermutlich zu dem eben hier beendeten Freilicht-Thetater-Sommer. Wer dort für einen Moment verweilt und hinein schaut, nimmt rechts und links vom Spiegel noch etwas von der Landschaft wahr, die vor einem liegt. Zugleich wird aber beim Blick in den Spiegel sichtbar, was hinter einem liegt. Beim Wandern über die Wiese tritt einem an diesen Spiegelpunkten also immer wieder das eigene Eingebundensein  konzentriert vor Augen, das in der jeweiligen Umgebung sonst nur als ein Hinten und Vorne nacheinander betrachtet werden kann.

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Das orange Band. Nachdenken über die Hoffnung

Seit einigen Wochen ist Orange die Farbe der europaweiten Solidarität im Engagement für Menschenrechte und Seenotrettung. Solidarisch mit der europaweiten Bewegung https://seebruecke.org/ hatten viele Initiativen bereits am 4. August zum Aktionstag „Orange Day“ dazu aufgerufen, Farbe zu bekennen und für die kompromisslose Achtung der Menschenrechte deutliche Zeichen und Worte zu finden. Im Blick auf 68,5 Millionen Menschen die derzeit weltweit aufgrund von Kriegen, Verfolgung, Folter und Armut (u.a.) auf der Flucht sind, richtet sich der Protest gegen eine Blockade und Kriminalisierung von Seenotrettung, die dazu führt, dass die EU den Tod unzähliger Geflüchteter im Meer und an den Grenzen billigend in Kauf nimmt.

Neben der „Seebrücke“ haben sich weitere Initativen gebildet. So heißt es in der von Beatrice von Weizsäcker, Sven Giegold und Ansgar Gilster an die EU gestartete Petition zur Flüchtlingspolitik „Erst stirbt das Recht, dann der Mensch“, die inzwischen von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet worden ist:

 „Es ist völkerrechtswidrig, Menschen in Seenot nicht zu retten. Es ist unverantwortlich, Menschen monatelang in Lagern festzuhalten, andere Staaten für die Abwehr von Flüchtlingen zu bezahlen und gefährliche Herkunftsstaaten für sicher zu erklären. Diese Abschottung schreitet seit Jahren voran und höhlt das internationale und europäische Flüchtlingsrecht aus. Dabei wissen wir aus der Geschichte: Erst stirbt das Recht, dann stirbt der Mensch.

Diese Flüchtlingspolitik hat keine gute Zukunft. Diese Politik bedroht nicht nur die Flüchtlinge, sie setzt auch unsere eigene Humanität und Würde aufs Spiel. Die Kampagnen gegen jene, die sich für Flüchtlinge einsetzen – insbesondere die zivile Seenotrettung –, zeigen: Moral wird verunglimpft und Menschlichkeit kriminalisiert.“

Aus: https://sven-giegold.de/petition-fluechtlingspolitik/

Farbe bekennen – was bewirkt das?

 

Doch Farbe bekennen mit dem Orange der Seenotretter und -retterinnen als symbolisches Zeichen – reicht das? Was lässt sich dadurch verändern und bewirken?

Auch für die heute beginnende Protestwoche mit zahlreichen Aktionen, zu der die Initiative Seebrücke aufruft, wird erneut an das Orange als verbindendes Zeichen der Solidarität erinnert.

Für mich persönlich gehört das Engagement für Würde und Menschenrecht von Geflüchteten seit 2014 zum Alltag. Nahezu jeden Tag ganz konkret. Äußere Zeichen haben dabei bislang keine Rolle für mich gespielt. Weiterlesen

“Der kleine Häwelmann” – jetzt in Mini- und Maxi-Format zum Vorlesen

Aus: Der kleine Häwelmann / Foto: Susanne Brandt

Wie kommt der “kleine Häwelmann” am Ende aufs Boot? (Nicht nur) Kinder, Eltern und Großeltern rund um die Storm-Stadt Husum können das alte Märchen vom “Kleinen Häwelmann” nun mit Kamishibai wie auch als Mini-Bilderbuch in einer behutsam von mir bearbeiteten Fassung neu erleben. Dabei fließen Erfahrungen aus dem lebendigen Erzählen mit Kindern ein, wenn ein kleiner Vers zum Mitsprechen die Geschichte begleitet und zum Schluss alle Kinder an der Rettung des reiselustigen Kindes teilhaben. Für kleine und große Mondgucker und Träumer ab sofort über jede Buchhandlung zu beziehen – und im Miniformat auch gut als Mitbringsel aus Nordfriesland geeignet.