Hören, sehen, singen: Eli, Eli – es möge endlos sein…

Wasser und Himmel,
Foto: Susanne Brand

Eli, Eli – es möge endlos sein:
der Sand und das Meer,
das Rauschen des Wassers,
ein Funke des Himmels,
verströmendes Licht.
Lass endlos sein
das Beten der Menschen,
die Stimmen,
die Stille,
ein Klingen vor dir.

 

Text (im Original Hebräisch): Hannah Szenes (1921-1944)
Deutsche Nachdichtung: Susanne Brandt
Melodie: David Zehavi

 

Aus: FreiTöne,
Kirchentagsliederbuch 2017

Die Nachdichtung des Liedes von Hannah Szenes aus dem Hebräischen für das interreligiöse Singen liegt mir am Herzen. Meine Hoffnung dabei: Aufeinander hören, einander sehen und miteinander singen, verbunden durch eine gemeinsame Friedenssehnsucht…

Ein Blick ins Liederbuch:

„Ich werde schauen und ich werde erzählen“. Geschichten mit Kamishibai vermitteln – und von Janusz Korczak lernen, Teil 1

„Klopf, klopf –
die Tür, sie öffnet sich.
Ganz langsam kann das gehen.
Ist jemand da?
Wo führt sie hin?
Was gibt es dort zu sehen?“

Mit jeder Geschichte öffnet sich eine Tür. Das wird beim Erzählen von Kamishibai-Geschichten besonders deutlich und konkret erfahrbar. „Klopf, klopf“ – mit diesem Signal können viele Geschichten ihren Anfang nehmen, vielleicht ganz neu vor den Augen der Betrachtenden entstehen. Denn was es hinter den Flügeltüren (oder auch zwischen Buchdeckeln) tatsächlich zu entdecken gibt  – das ist das Ergebnis eines schöpferischen Prozesses, der bereits vorher stattgefunden hat und sich nun in Bildern und Sprache ausdrückt, nach Vergewisserung sucht, nach den Farben einer menschlichen Stimme und nach der Freiheit der menschlichen Vorstellungskraft.

Praxis-Material zum Download: Weitere Ideen für kleine Verse und Lieder:

Kurz-Handout zur Kopie

Besonderer Einstieg zur Einstimmung in biblische Geschichten

Die Tür öffnet sich….für „Josef und seine Brüder“, c Susanne Brandt

Was dabei geschieht, ist immer ein Wechselspiel, ein Dialog zwischen verschiedenen Gedanken und Assoziationen, Vorstellungen und Interpretationen. Ich spreche ungern im Singular von DER Vorstellung im Sinne einer Theateraufführung, weil dabei – zumindest vom Wort her – die Vorstellung der Betrachtenden nicht mit einbezogen scheint. Aber die ist ebenso mit im Spiel, wenn dialogisch erzählt wird.  Oder wenn mit einer Offenheit erzählt wird, die dem Gegenüber auch in der Stille des Zuhörens Zeit und Raum lässt, in Gedanken eine eigene Vorstellung zur Geschichte zu entwickeln – und das vielleicht andersartige Erzählen des anderen gleichzeitig zu respektieren.

Ein „Lehrmeister“ für ein solches Verständnis des Erzählens ist für mich mal wieder der Kinderarzt und Pädagoge Janusz Korczak – mit Impulsen wie die folgenden, die in einer Erzählsituation für beide Seiten gelten:

„Sei nicht böse, wenn ich anders erzähle, als du es möchtest.
Sei nicht böse, wenn ich es anders sage, als du es weißt.
Sei nicht böse, wenn ich sage: Ich weiß nicht.
Sei nicht böse, wenn ich frage: War es wirklich so?“ Weiterlesen

Weites Dach. Die „Bibliothek der Versöhnung“ in Liberec / Cz

IMG_1722Licht fällt ins Haus,
lockt aus dem Dunkel
Gedanken der Menschen,
alt und neu.

Weit spannt sich sein Dach aus für alle,

für alle, die Schutz suchen,
Unrecht und Missgunst erfahren haben,
Wenige sind,
nicht so stark wie die Vielen,

doch vielfältig glaubenIMG_1721
und vielfältig leben
mit Männern und Frauen,
besonderen Gaben,
kindlich, gebrechlich
einander begegnen,
zuhören, schweigen,
erzählen und lesen,

mit Sehnsucht nach Frieden
willkommen sind.

Susanne Brandt

Die „Bibliothek der Versöhnung“ in Liberec vereint in ihrer außergewöhnlichen Architektur und Konzeption das Miteinander von Tschechen und Deutschen, Christen und Juden. Deutlich wird dabei der Respekt vor der jeweiligen Unabhängigkeit in einer von Toleranz IMG_1733geprägten Begegnung. Gleichzeitig kommt in Bau und Selbstverständnis eine Transparenz und Offenheit für die ehrliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Facetten der gemeinsamen Geschichte zum Ausdruck. Ebenso gehört es zur Idee, Raum zu lassen für eine bewegliche Weiterentwicklung und Wandelbarkeit der medialen Welt im Blick auf die Zukunft. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Thomaslied – ein europäischer wie ökumenischer Zusammenklang

Thomaslied_RG_zwei Seiten auf ein BlattEin europäischer wie ökumenischen Zusammenklang wurde jetzt durch die reformierte Thomaskirche in Liebefeld/Schweiz anlässlich von „50 Jahre Thomaskirche – 500 Jahre Reformation“ möglich gemacht:  Über einen Liedwettbewerb, ausgeschrieben in kirchenmusikalischen Zeitschriften in der Schweiz, in Deutschland und Österreich, hatte die Gemeinde einen Text gesucht, der das „Allein aus dem Glauben“ von der Reformation her und das „Glauben und Zweifel“ von Thomas aus  in heutiger Sprache und poetisch dichten Worten zur Sprache bringen sollte. Die Melodie war  vorgegeben: Im englischsprachigen Raum trägt  jede Kirchenliedmelodie einen Namen, der von den oft wechselnden Texten unabhängig ist. Eine Melodie aus dem 18. Jahrhundert heisst „ST. THOMAS“, weil sie ursprünglich für ein Lied des Thomas von Aquin, „Tantum ergo sacramentum“ geschaffen wurde (sie steht mit einer deutschen Fassung dieses Textes auch heute noch im Katholischen Gesangbuch bei der Nr. 219).  Weiterlesen

Neuerscheinung aus Italien: Die unsichtbaren Fäden der Natur – wunderbar verflochten!

c Sauerländer Verlag

c Sauerländer Verlag

Rezensentinnen-Glück! Auf meinem Wochenend-Schreibtisch liegt druckfrisch die deutsche Übersetzung von „Der Dominoeffekt oder Die unsichtbaren Fäden der Natur“. Erzählt von dem italienischen Ökologen Gianumberto Accinelli und künstlerisch gestaltet von Serena Viola gewährt das Jugendbuch (an dem auch Erwachsene Freude haben!) spannende Einblicke in Ereignissen und Phänomene der Natur, an denen deutlich wird: Das fein aufeinander abgestimmte Gleichgewicht im Leben kann schon durch kleine Eingriffe ins Wanken kommen. Die Beispiele, an denen Accinelli das aufzeigt, hat er in aller Welt und in verschiedenen Jahrhunderten gefunden. Ganz nebenbei lernt man dabei viele eher unbekannte Arten des Tierreiches kennen. Weiterlesen