Das orange Band. Nachdenken über die Hoffnung

Seit einigen Wochen ist Orange die Farbe der europaweiten Solidarität im Engagement für Menschenrechte und Seenotrettung. Solidarisch mit der europaweiten Bewegung https://seebruecke.org/ hatten viele Initiativen bereits am 4. August zum Aktionstag „Orange Day“ dazu aufgerufen, Farbe zu bekennen und für die kompromisslose Achtung der Menschenrechte deutliche Zeichen und Worte zu finden. Im Blick auf 68,5 Millionen Menschen die derzeit weltweit aufgrund von Kriegen, Verfolgung, Folter und Armut (u.a.) auf der Flucht sind, richtet sich der Protest gegen eine Blockade und Kriminalisierung von Seenotrettung, die dazu führt, dass die EU den Tod unzähliger Geflüchteter im Meer und an den Grenzen billigend in Kauf nimmt.

Neben der „Seebrücke“ haben sich weitere Initativen gebildet. So heißt es in der von Beatrice von Weizsäcker, Sven Giegold und Ansgar Gilster an die EU gestartete Petition zur Flüchtlingspolitik „Erst stirbt das Recht, dann der Mensch“, die inzwischen von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet worden ist:

 „Es ist völkerrechtswidrig, Menschen in Seenot nicht zu retten. Es ist unverantwortlich, Menschen monatelang in Lagern festzuhalten, andere Staaten für die Abwehr von Flüchtlingen zu bezahlen und gefährliche Herkunftsstaaten für sicher zu erklären. Diese Abschottung schreitet seit Jahren voran und höhlt das internationale und europäische Flüchtlingsrecht aus. Dabei wissen wir aus der Geschichte: Erst stirbt das Recht, dann stirbt der Mensch.

Diese Flüchtlingspolitik hat keine gute Zukunft. Diese Politik bedroht nicht nur die Flüchtlinge, sie setzt auch unsere eigene Humanität und Würde aufs Spiel. Die Kampagnen gegen jene, die sich für Flüchtlinge einsetzen – insbesondere die zivile Seenotrettung –, zeigen: Moral wird verunglimpft und Menschlichkeit kriminalisiert.“

Aus: https://sven-giegold.de/petition-fluechtlingspolitik/

Farbe bekennen – was bewirkt das?

 

Doch Farbe bekennen mit dem Orange der Seenotretter und -retterinnen als symbolisches Zeichen – reicht das? Was lässt sich dadurch verändern und bewirken?

Auch für die heute beginnende Protestwoche mit zahlreichen Aktionen, zu der die Initiative Seebrücke aufruft, wird erneut an das Orange als verbindendes Zeichen der Solidarität erinnert.

Für mich persönlich gehört das Engagement für Würde und Menschenrecht von Geflüchteten seit 2014 zum Alltag. Nahezu jeden Tag ganz konkret. Äußere Zeichen haben dabei bislang keine Rolle für mich gespielt. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Können Freude und Lachen an jedem Tisch sein?

aus: Wie entsteht eigentlich die Zukunft? www.bilingual-picturebooks.org

Welche Fragen sind Kindern wichtig, wenn sie über die Welt und die Zukunft nachdenken? 17 Beispiele aus einer Fülle von über 80 Rückmeldungen im Rahmen des Workshops “Mit dem Staunen fängt es an” haben Jugendliche bei den Bücherpiraten e.V. in Lübeck jetzt zu einem digitalen Bilderbuch verarbeitet. Möglich gemacht wurde der Workshop durch eine Kooperation mit der Büchereizentrale Schleswig Holstein und einer Förderung des Fonds Nachhaltigkeitskultur.

Eines meiner persönlichen Lieblingsbilder gehört zu der Frage:

“Können Freude und Lachen an jedem Tisch sein?”

Welche Antworten lassen sich auf der ganzen Welt dazu finden? Eines von vielen Beispielen – folgende Geschichte:

Das große Tischtuch. Eine persische Weisheitsgeschichte

Europa und das Meer: Von Angesicht zu Angesicht

Mit seiner Blogparade im Sommer 2018 lud das Deutsche Historische Museum anlässlich der Ausstellung „Europa und das Meer“ unter dem Hashtag ‪#DHMMeer dazu ein, in Blogbeiträgen persönliche Beziehungen zum Meer in ihrer ganzen Vielfalt zu beschreiben. Geographisch gesehen ist Europa ein maritimer Kontinent: Keiner der anderen Erdteile hat mehr Berührungspunkte mit dem Meer gemessen an Küstenlänge und Gesamtgröße. Wie also erleben wir diese Berührung mit dem Meer – und wie werden wir der Verantwortung gerecht, die sich daraus ergibt?

Mich treibt dieses Thema um: Europa und das Meer. Viele Jahre lang war das für mich mit elementaren Lebenserfahrungen verbunden. Denn ich lebe am Meer. Seit Jahrzehnten schon. Hier in Europa. In zehn europäischen Ländern bin ich bereits an der Meeresküste entlang gewandert. Unzählige Male habe ich Zeichen in den Sand gemalt, die von der nächsten Welle überspült und unkenntlich gemacht worden sind. Ein Spiel im Rhythmus der Gezeiten.

Mit diesem Gesicht aber ist es anders! Weiterlesen

Internationaler Tag der Gerechtigkeit: Wie Europa versucht, sich von menschenrechtlichen Grundsätzen freizukaufen

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Buch-Tipp: Von den tausendfachen Nuancen der Liebe

Foto: Susanne Brandt

Ich dachte schon, die Befreiungstheologie sei bei uns etwas in Vergessenheit geraten. Lange habe ich keine Neuerscheinung mehr dazu auf dem Schreibtisch gehabt. Aber jetzt: Huub Oosterhuis – der niederländische Theologe, der von Freiheit und Gerechtigkeit gleichermaßen singen und sprechen kann, der nicht trennt zwischen Poesie und Protest, zwischen Lied und Liebe in der Weise, wie wir miteinander und übereinander sprechen. Und als ich heute in seinem Buch las, dachte ich mir: Wie gut, dass in diesen Tagen der verbalen Entgleisungen in den Medien, der Relativierung von Menschenrecht und der schleichenden Gewöhnung an eine Sprache, die das Unrecht versucht zu banalisieren oder so zu versachlichen, bis es uns irgendwann vielleicht nicht mehr weh tut – wie gut, dass ein Buch uns gerade jetzt daran erinnert, dass es auch anders gehen kann. Keineswegs neu, nicht nach Aufmerksamkeit heischend, sondern einfach mit einem tiefen Vertrauen in das, was wir als Möglichkeiten in uns tragen:

„Unter Liebe verstehe ich: jene tausendfachen Nuancen von Freundlichkeit und Freundschaft, von Takt und Geduld, von bedächtigem Respekt und Erbarmen, von langer Treue und Spontanität, von Höflichkeit und Leidenschaft, von gutem Willen und Ergriffenheit, mit denen Menschen einander begegnen. Unter Liebe verstehe ich die Kraft des Denkens und der Intuition, die Weisheit und die Wissenschaft und alle Fantasie und Beharrlichkeit und allen Optimismus, mit denen die Erde aufgebaut wird, immer wieder neu, gegen alles Abreißen. Alles, was zum Guten ist, alles, was zu etwas mehr Gerechtigkeit und Frieden für etwas mehr Menschen führt, das nenne ich Liebe.“ (Huub Oosterhuis, aus: Alles für alle, Patmos Verl., 2018)
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