Zum #Indiebookday 2018: Von der Schönheit des Alltäglichen

Meine Empfehlung zum #Indiebookday 2018, der den besonderen Büchern in unabhängigen/kleinen Verlagen gewidmet ist:

“Wie der  Onkel Avrom Brot gegessen hat” – eine kleine poetische Miniatur über die Schönheit des Elementaren: das Wasser, das Feuer, Himmel und Erde, Musik und Sprache, Liebe und Brot.

Der Autor Israil Bercovici wurde am 20. Dezember 1921 im rumänischen Botoschan geboren und ist am 15. Februar 1988 in Bukarest gestorben. Er hat die jiddische Literatur und das jiddische Theater bleibend bereichert. In diesem Büchlein ist sein Onkel Avrom von dem Bedürfnis beseelt, die lebenswichtigen Dinge des Alltags nicht alltäglich werden zu lassen. Beigefügt ist der Text in Jiddisch, gedruckt in hebräischen Lettern.

Aus dem Jiddischen nachgedichtet von Jürgen Rennert.
Mit 10 Bildern von Hannelore Teutsch, erschienen in Verlag Hentrich & Hentrich, ISBN 3-933471-51-6

Mehr Informationen zum #indiebookday: https://www.indiebookday.de/

„Die Gefahr einer einzigen Geschichte“

c Pan y Arte

Diese Märzwoche ist eine besondere Woche: am 20. März ist „Weltgeschichtentag“ und am 21. März ist der „Welttag der Poesie“ wie auch der „Internationale Tag gegen Rassismus“. Was bedeutet das für unseren Umgang mit Sprache? Was bedeutet das für Bibliotheken und ihr Medienangebot? Hilfreicher als eine einfache Antwort auf diese schwierige Frage ist die Rede der Schriftstellerin und Geschichtenerzählerin Chimamanda Adichie über die „Gefahr einer einzigen Geschichte“.

Hier der Filmmitschnitt dazu: https://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story?language=de

Und hier ein Auszug der Rede in deutscher Übersetzung zum Nachlesen: https://www.nordkirche-weltweit.de/fileadmin/user_upload/zmoe/media/Presse/weltbewegt/2013_Afrika/Die_Gefahr_einer_einzigen_Geschichte.pdf

Bilderbuch-Tipps: Geschichtenvielfalt weitet den Blick für Lebensvielfalt

Zum Weiterlesen:

http://waldworte.eu/category/medien-tipps/bilderbuecher-aus-aller-welt/

http://www.bz-sh-medienvermittlung.de/?s=Kulturelle+Vielfalt

 

Zum Internationalen Frauentag: Ruth – eine alte Geschichte von Flucht und Neuanfang

Die Geschichte ist alt. Doch liest man das “Buch Ruth” in diesen Tagen, so wirkt vieles darin hochaktuell. Es ist eine Geschichte von Aufbruch, Solidarität und Gerechtigkeit. Und es ist eine zentrale Frauengeschichte, die Menschen verschiedener Kulturen und Religionen von Generation zu Generation weitererzählt haben.

c Verlag Don Bosco

Mir war und ist es deshalb ein Anliegen, für diese Geschichte gerade in dieser Zeit einen Erzählton zu finden, der das Geschehen lebendig in Erinnerung ruft – für Kinder. Oder auch für Menschen, die mit einfacher Sprache besser zurecht kommen als mit langen Texten. Erschienen ist sie vor wenigen Wochen als Bildkartensatz wie auch als Mini-Bilderbuch im Don Bosco Verlag.

An anderer Stelle wird anders davon erzählt – zum Beispiel so:

„ […] Die Geschichte des Buches Rut führt uns 2.500 Jahre zurück und könnte vielleicht so oder ähnlich heute in den Willkommenscafés der Geflüchteten in unserer Mitte erzählt werden; oder in unseren Familien, wenn Eltern oder Großeltern von Flucht und Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg berichten: Ein Paar aus Bethlehem sucht aus wirtschaftlicher Not eine neue Heimat im Nachbarland Moab. Integriert sich, findet eine neue Existenz und bleibt. Mann, Frau, zwei Söhne. Als der Mann stirbt, haben die Söhne moabitische Frauen geheiratet. Alles ist gut. Doch dann sterben auch die beiden Söhne und Noomi bleibt mit ihren beiden moabitischen Schwiegertöchtern Rut und Orpha zurück. Wie soll das Leben nun weitergehen? […] Weiterlesen

Zärtliche Schleifen – von der Poesie des Alltags in den Kulturen der Welt

1. Norddeutschen Leseförderkongress der Bücherpiraten Lübeck, Illustration: Barbara Steinitz

Die vergangene Woche war bei mir stark geprägt von Begegnungen und Gesprächen  mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Und von der Begegnung mit Geschichten, die nah und fern von prägenden Dingen des Alltags erzählen – von Nähmaschinen zum Beispiel…

In Lübeck hatten die engagierten “Bücherpiraten” zum 1. Norddeutschen Leseförderkongress unter dem Motto “Geschichten öffnen Welten” eingeladen. Es ging darum, sich gemeinsam auf eine Entdeckungsreise zu begeben durch die Welt der Geschichten, einzutauchen in die weltweite Poesie des Alltags – mit sinnlichen Erfahrungen, Bildern, Spielen, Geschichten, Erinnerungen. Denn Sprache geschieht nie isoliert, sondern immer verbunden, verwoben, eingebettet in das Handeln und Bewegen der Menschen. So galt es, der “Gefahr einer einzigen Geschichte” etwas entgegen zu setzen: Fantasie, Vielfalt, Neugier, Offenheit für das Ungewohnte – und die Lust an der Begegnung….

Wo aber findet man solche Geschichten, die mehr als eine Perspektive oder Vorstellung offenbaren? Zunächst vor allem im Erzählen der Menschen und in den manchmal nur “ganz nebenbei” beschriebenen Momenten der Erinnerung. Alles das können wir als etwas Einzigartiges und Wertvolles achten, miteinander teilen und sammeln, verbinden und lebendig halten – vielleicht in Bildern, Erzählungen oder Gedichten, die sich betrachten, deuten und lesen lassen. Ein Versuch…

Zärtliche Schleifen

Foto: Susanne Brandt

Mit der Hand
gab deine Mutter
dem Rad seinen Schwung
immer wieder,
dass die Nähmaschine im Rhythmus surrte,
im Rhythmus von Sorge und Mut.

Mit dem Mund
gab sie Worte
für all ihre Kinder,
viel Zeit blieb nie,

doch genug
für die kleinen zärtliche Schleifen
an jedem Namen,
wenn sie nach euch rief.

Immer noch
lebt die Stimme in dir,
lässt den Faden
nicht reißen.

Susanne Brandt Weiterlesen

„Ermutigung und Motivation durch Geschichten“  –  mit Kindern nach Frieden und Gerechtigkeit fragen

Im Gespräch mit Dr. Ingolf Dietrich, Beauftragter für die Agenda 2030 im Bundesministerum für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Foto: André Wagenzik © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Nicht mit dem Taxi nach Paris…sondern mit dem Kamishibai nach Berlin ging es Ende Januar unter dem Motto „Das weiße Blatt“. Hinter dem Motto verbirgt sich eine Idee der Büchereizentrale Schleswig-Holstein für die Erzähl- und Leseförderung der Bibliotheken im nördlichen Bundesland: Wie erfahren Kinder etwas über Frieden und Gerechtigkeit, Schätze des Lebens und ein gutes Miteinander in der Welt? Und wie können sie ihre eigenen Gedanken dazu ausdrücken? Mit Bildern und Geschichten zum Beispiel – und durch Begegnungen mit anderen Menschen, die in Bibliotheken in einem lebendigen Austausch mit Kitas, Schulen und Familien zueinander finden. Oft  kommt dabei das Kamishibai-Erzähltheater zum Einsatz:  Denn Lernen mit allen Sinnen und Erfahrungen teilen durch Begegnung, Bilder und Geschichten gelingt damit besonders gut.  Und am Anfang des kreativen Prozesses steht immer wieder ein „weißes Blatt“… Weiterlesen