Sonntagsmomente: Die drei Prinzen von Serendip oder Vom Glück der unerwarteten Augenblicke

Immer wieder passiert es mir, dass ich eine Geschichte eher zufällig finde – zu einer Zeit, da ich gar nicht gezielt danach gesucht habe. So lassen sich auch Geschichten von den glücklichen Fügungen des Zufalls durch glückliche Fügungen zufällig entdecken: z.B. das Märchen von den drei Prinzen von Serendip.

…manchmal fliegen einem die Gedanken und Geschichten unverhofft zu… / Foto: Susanne Brandt

Wer sich schon mal mit dem Begriff Serendipity oder Serendipity-Prinzip beschäftigt hat, weiß vielleicht, wie dieses Wort mit dem Titel des Märchens zusammenhängt. Hier wird erzählt, wie Dinge und Beobachtungen unerwartet zu Erkenntnissen und zufällig wirkenden Verbindungen führen können, die sich am Ende als außerordentlich bedeutsam erweisen. Vermutlich hat das jede und jeder selbst schon mal in irgendeiner Form erlebt – diese zunächst beiläufig anmutende Wahrnehmung oder Begegnung, die sich mit einem guten Maß an Offenheit, Achtsamkeit und Geistesgegenwart ganz unverhofft als etwas Besonderes, Beglückendes, vielleicht sogar als eine wichtige Wendung herausstellt.

Gesucht habe ich das Prinzen-Märchen schon vor längerer Zeit – damals ohne Erfolg bzw. ohne Ausdauer – für meine Sammlung an persischen Märchen, die ich gern als gemeinsame Lektüre mit Menschen aus dem persischen Sprachraum nutze. Überraschend gefunden habe ich die Spur zum Märchen jetzt bei einer Recherche zu „Narrativen der Nachhaltigkeit“ – als Beispiel für eine Geschichte über den Wert einer genauen Wahrnehmung als Basis für nachhaltiges Denken und Handeln. Und so kann ich das Märchen nun auf diesem Wege in einer nacherzählten Kurzfassung weitergeben:

Die drei Prinzen von Serendip

Einst lebte in Serendip ein mächtiger König mit seinen drei Söhnen. Weiterlesen

Bilder im Kopf und Melodien in den Füßen – von Menschen, Orten und Visionen

Die letzten zehn Tage war ich viel auf Reisen. Menschen aus verschiedenen Ländern sind mir begegnet: aus Indien und aus Lateinamerika, aus Italien, Österreich und der Schweiz. Die Anlässe unserer Treffen und Gespräche an verschiedenen Orten waren ganz unterschiedlich – und doch: Im Rückblick auf die ereignisreiche Zeit, die hinter mir liegt, nehme ich auch Verbindendes wahr. Es ging bei all diesen Begegnungen um die Beziehung zwischen Kultur und Umwelt, um Sprache als Verbindung zwischen innen und außen,  um Brücken zwischen Kunst und Natur, um das Schöpferische, das in jeden Menschen hineingelegt ist und zur Entfaltung gebracht werden kann.

„…und warte auf einen Lichtfang“ – Poesie als Ausblick ins Freie

Gedichte erzählen davon – mit den Worten von Annakutty Valiamangalam, die ich bei der Preisverleihung zum Hildesheimer Literatur-Wettbewerb kennen lernen durfte, klingt das so: Weiterlesen

Warum ich gerne durchs Land reise…

Ich sitze im Zug und schaue aus dem Fenster. Ich bin unterwegs zu Seminaren im Westen und im Osten Deutschlands, bei denen ich Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich in Bibliotheken engagieren, etwas von meiner Freude an einer lebendigen Vielfalt weitergeben möchte. Es geht um  vielfältige Geschichten und Bilder, die wir in Bibliotheken miteinander erleben und gestalten können. Durch Seminarreisen im gesamten Bundesgebiet habe ich bereits viele Menschen kennen gelernt, die eine Menge zu dieser Vielfalt beitragen und weiterhin daran mitwirken werden. Was sie genau tun und möglich machen? Zum Beispiel Brücken bauen durch das gemeinsame Entdecken von Bildern. Oder etwas „zur Sprache bringen“ durch Geschichten. Oder einfach Gastfreundschaft üben in einladenden Räumen. Oder Alltag teilen im Dialog von Mensch zu Mensch. Oder aufeinander hören beim Singen und Klingen… Weiterlesen

„Die Welt gleicht einer Hochzeit“ – zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur

Anatolin Kaplan: Die Braut

Ein Zitat von Ester Rabin aus ihren „Schattenbildern“, ausgewählt anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kultur:

„Die Liebe ist das einzige Erlebnis des Menschen, in dem er die Zerspaltenheit seines Ich wie die Brutalität der Welt vergessen kann, das einzige reine und ganz ungeteilte Glück, das ihm zu erreichen möglich ist. Dem Menschen, dem winzigen Hauch in der Vergänglichkeit, ist in der Liebe ein Blick in die Ewigkeit gestattet.“ (Ester Rabin, aus: Schattenbilder)

Diese und viele andere Texte laden zusammen mit Bildern des russischen Malers Anatoli Kaplan, gesammelt in dem schmalen Buch „Die Welt gleicht einer Hochzeit“, zu Entdeckungen ein – mit einer Auswahl von selten gezeigten Radierungen, Lithografien, Pastellen und Texten, die aus dem jüdischen Leben erzählen und anlässlich einer Ausstellung im Jahre 2001 in Papenburg zusammengestellt wurden.

Anatoli Kaplan (eigentlich: Tanchum Lewikowitsch Kaplan) wurde am 28. Dezember 1902 in Rogatschow geboren und ist aufgewachsen in der Welt und Kultur der Ostjuden. Manches in seinem Leben und Werk lässt an den etwas älteren Marc Chagall (1889 bis 1985) denken. Während Chagall jedoch bereits 1910 nach Frankreich übersiedelte, blieb Kaplan in seiner russischen Heimat, was es für ihn als Künstler offenbar schwer machte, eine breitere Bekanntheit zu erreichen. Der Anschluss an eine internationale Kunstszene war ihm weitgehend verschlossen und seine vielfach religiös geprägten Werke erfuhren in der früheren Sowjetunion kaum eine Würdigung durch Werk- oder Einzelausstellungen.

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Buchtipp des Tages: Die blaue Bank

Albert Asensio / àbac-Verlag ISBN: 978-84-947040-0-0

Warum auch dieses Buch für mich ein „Rucksack“-Buch ist? Weil es ein Buch ist, das man mit hinaus in die Welt nehmen möchte, das man am liebsten draußen in der Natur durchblättert, die Blicke dabei immer wieder schweifen lässt, um mit der geweckten Aufmerksamkeit die Dinge und Menschen um sich herum zu betrachten. Weil es ein Buch ist, dass zum Schauen, Lauschen und Spüren einlädt, zum Wahrnehmen, Verlieben, zur stillen Freude an der Vielfalt von ganz unterschiedlichen Begegnungen.

Denn um Begegnungen geht es bei dem, was um die „blaue Bank“ herum geschieht, in vielen Variationen: zwischen Alt und Jung, zwischen Groß und Klein, zwischen Frau und Frau, zwischen Frau und Mann, zwischen Damals und Heute, zwischen Abschied und Neuanfang…

Kleine Nebenbemerkung: Nur ganz selten wird in einem Bilderbuch so selbstverständlich wie hier von der Liebe zwischen zwei Frauen als eine von vielen Möglichkeiten der Begegnung erzählt, ohne dass das als eine gewollte Botschaft irgendwie besonders betont wird. Es geschieht einfach – so natürlich, wie so vieles im Leben mit Ruhe und Aufmerksamkeit füreinander einfach geschehen kann. Weiterlesen