Türen öffnen. Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Geschichten

Wie nehmen Kinder im Kita- und Grundschulalter die Welt wahr? Zunächst ganz gegenwärtig mit allen Sinnen – jeden Tag, überall und immer wieder anders: Sie beobachten, tasten, begreifen, bewegen sich, lauschen und experimentieren mit Geräuschen, sie riechen und probieren, was ihnen schmeckt und was nicht. Manche Wahrnehmungen lösen Freude oder Abwehr, Staunen, Neugier und Fragen aus.

Geschichten wohnen mittendrin

Auch in Bibliotheken erleben wir das z.B. in Vorlese- und Erzählrunden: Was die Kinder dabei hören und sich vorstellen, was sie entdecken und worauf sie reagieren, ist nicht allein in der Geschichte selbst begründet, sondern ebenso in allem, was – gewollt oder ungewollt – auch drumherum wahrnehmbar ist: die Atmosphäre, andere Menschen, der Raum mit den vielen Dingen…

Dabei wäre es zu kurz gedacht, alles, was die Aufmerksamkeit auf sich zieht und nicht direkt zur geplanten Geschichte gehört, gleich als Ablenkung zu deuten, möglichst zu vermeiden oder zu reduzieren. Denn Geschichten haben ihren Sitz mitten im Leben, und es ist nicht absehbar oder planbar, welche Bezüge zum Leben und zu Dingen, die von Kindern – anders als von uns – wahrgenommen werden, dabei eine Bedeutung für die Geschichte und das Weiterdenken bekommen könnten.

Zusammenhänge entdecken

Durch Geschichten entdecken Kinder Zusammenhänge – innerhalb der Handlung wie auch in Beziehung zur Umwelt. Oft stellen sie mit dem, was sie durch die Geschichte erfahren, selbst Zusammenhänge her zu dem, was sie schon wissen oder entdeckt haben. Manchmal stoßen sie dabei auch auf Widersprüche. Das sind wichtige Inspirationen für Fragen oder eigene Erklärungsversuche.

Wenn das Vorlesen und Erzählen von Geschichten Ideen weckt und Gelegenheiten eröffnet zum kreativen Tun und zum praktischen Mitmachen und Verändern im Alltag, gewinnt nicht nur die Spracherfahrung an Tiefe und Vielfalt, sondern ebenso die Handlungs- und Gestaltungskompetenz.
Und oft wird dabei deutlich: Es ist gut, mit anderen Menschen zu kooperieren – denn erst mit ihren vielleicht ganz anderen Perspektiven, Erfahrungen und Kenntnissen, ihren Hilfen oder Fragen kann im Zusammenspiel mit den eigenen Ideen etwas Neues entstehen.

Erzählen – mal mit, mal ohne Kamishibai

In diesem Sinne erweist sich das Vorlesen oder Erzählen – mal mit, mal ohne Kamishibai –  in Verbindung mit gestalterischen und handlungsorientierten Elementen, als wertvoller Bestandteil einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Denn diese will nichts “Fertiges” vermitteln, sondern eher neue Einsichten und Verknüpfungen anregen und in Bewegung bringen. Es geht weniger um Informationen, sondern eher um Inspirationen zum Mitgestalten und Handeln – mit eigenen Ideen, aber nicht nur allein, sondern gern gemeinsam mit anderen.

Hier tut sich eine schlüssige Verbindung zwischen dem gegenwartsbezogenen Erleben von Kindern und der Zukunftsdimension von Nachhaltigkeit auf: Kinder leben, denken und entdecken ganz in der Gegenwart – aber das, was sie dabei an Mitgestaltungsmöglichkeiten und Inspiration zum Weiterdenken erfahren, kann sich in der Zukunft als Schlüssel im Umgang mit den dann wichtigen Fragen und Herausforderungen erweisen. Wie und was das genau sein wird – das können wir heute nur ahnen.

Orientierungshilfe  für die Praxis

Die Grafik zu Beginn dieses Beitrags zeigt genau das:
Kooperieren und Gestalten, Weiterdenken und Handeln – das sind Flügel oder Türöffner für die nachhaltige Entwicklung einer Weltbeziehung mit Wahrnehmung als “Herzstück” im Zentrum.

In Workshops dient die Grafik immer wieder als Orientierungshilfe, wenn es darum geht, zu einem Bilderbuch oder zu einer Geschichte konkrete Ideen zu entwickeln, die ein solches Entdecken mit Kindern beleben…
…mit Elementen zum Wahrnehmen und Bewegen
…mit Inspirationen zum Gestalten und Handeln
…mit Impulsen zum Fragen und Weiterdenken
…mit einem Zusammenwirken in der Gruppe wie mit Kooperationspartnern

Susanne Brandt

Weitere Materialien unter: www.nachhaltig-erzaehlen.de