Was Steine vom Leben erzählen – Gedanken zu einem spannenden Material für die kulturelle und ökologische Bildung

Am Anfang war ein Bilderbuch mit dem Titel “Tanzen können auch die Steine” von Hilde Heyduck-Huth – ein stiller Klassiker, der mich seit den 1990er Jahren begleitet. Die warmen Bilder laden zum Schauen und Erzählen ein, öffnen vielfältige Bezüge zum Entdecken und Vergleichen in der Natur, regen die Phantasie zu immer wieder neuen Geschichten an, können sich in Land Art verwandeln und sagen schlicht: Steine sind ein Teil unseres Lebens. Sie sind kostbar, haben was zu erzählen, wirken miteinander und sind doch jeder für sich einzigartig in ihrer Gestalt.

Bedeutsam für die kreative, naturverbundene, erfahrungs- und erlebnisorientierte Praxis mit Kindern ist außerdem, dass Steine nahezu überall und zu jeder Jahreszeit in der Natur zu finden sind. Das macht sie zu einem besonders vielfältig einsetzbaren Naturmaterial mit spannenden Bezügen zu kulturellen, geschichtlichen und sozialen Fragen – auch und gerade im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Naturwissenschaftlich lässt sich sagen: Ihre Form und Zusammensetzung sowie ihre innere Struktur verraten Geheimnisse über die Entwicklungsgeschichte der Erde. Sie erinnern uns an Vorgänge, die die Erde formten und auch heute noch formen. Wo Menschen in diese Vorgänge eingreifen, um diese kostbare Ressource für den wachsenden Bau- und Industriebedarf zu nutzen, gilt es, die Zusammenhänge des Lebens zu achten. Ein un-fairer Abbau von Sand und Gestein kann für alle Lebensbereiche bedrohliche Folgen haben.

Das Bewusstsein für die Kostbarkeit und Einzigartigkeit von Steinen beginnt in der frühen Kindheit: mit dem Staunen und Entdecken, mit musischen und spielerischen Zugängen, mit Körper- und Gestaltungserfahrungen, die alle Sinne ansprechen.

Bilderbücher wie der Klassiker “Tanzen können auch die Steine” oder auch aus neuerer Zeit “Der stille Stein” bieten dafür wertvolle Anregungen, sensibilisieren für die besonderen Eigenschaften von Steinen, beflügeln das Weiterdenken und die Phantasie – eine wichtige Voraussetzung, um nach und nach auch die naturwissenschaftlichen, geschichtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Aspekte von Steinen zu erkunden.

Dazu passt folgendes Bewegungslied:  Tanzen können auch die Steine

Hörprobe zum Bewegungslied:

 

Eine Anregung aus Italien:

„An den Steinen verstand ich den Wert des Suchens, des Verweilens und Beobachtens. In ihnen sah ich die Möglichkeit des Schaffens, Spielens und Erzählens.

In den von mir vorgeschlagenen kreativen Wegen spielt die Erzählung oft eine zentrale Rolle. Jeder Stein ist bereits eine Verdichtung von Geschichten, die im Laufe der Zeit Spuren auf der Oberfläche und im Inneren hinterlassen.

Die Erzählung mit den Steinen kann aus einer Ähnlichkeit geboren werden: Einer sieht aus wie ein Haus. Ein anderer ist ein Fisch! Ich wähle einen mit Sorgfalt aus, zeige ihn und frage: Was denkst du? – Ein Schaf.

Es war einmal ein Schaf…

So wächst die Geschichte von Ähnlichkeit zu Ähnlichkeit, und bald haben die Kinder das Wort, erkennen Charaktere, schlagen Wendungen vor…“

Cecilia Bianchi

Faszination Steine – ein Projekt für Jungen und Mädchen im Kindergartenalter

Hintergrundwissen:

Steine im Garten? Das kann zu einem Teil des natürlichen Lebensraumes werden, wenn bei der Auswahl wie bei der Gestaltung auf Herkunft und Balance im Verhältnis zu offenen Flächen geachtet wird:

https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/leben-im-steingarten/

Sand und Gestein sind wichtige Ressourcen und auf dem Weltmarkt entsprechend hart umkämpft, da nahezu alle Bau- und Industriemaßnahmen große Mengen davon benötigen. Wo Handel und Verbrauch sich nicht an faire Regeln halten, gerät die Existenzgrundlage und das Umfeld unzähliger Menschen massiv in Gefahr. Der Abbau greift in Landschaften und das natürliche Gleichgewicht von Lebensräumen ein. Kinder können ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Sand und Steine elementare Teile unseres Lebensraumes sind und als solche einen besonderen Wert haben:

https://schrotundkorn.de/lebenumwelt/lesen/jedes-sandkorn-fehlt.html

Steine als Erinnerungsstücke auf Lebenswege und in verschiedenen Kulturen:

http://waldworte.eu//wp-content/uploads/2011/12/Weltsichten_Broschuere.pdf

Susanne Brandt