Föhrer Inselzeiten: Meeresstille – tragend, tröstend, traumatisch

Die Lebenserinnerungen der Louisa Hansen-Rollfing nehmen auf Föhr ihren Anfang. Kindheit und Jugend in Nieblum – dann, Ende des 19. Jahrhunderts, die Auswanderung nach Amerika. So wie bei vielen in dieser Zeit: der Entschluss zum Aufbruch mit Mut und großen Erwartungen, schließlich die Überfahrt, erste Grenzerfahrung mit den existentiellen Strapazen auf hoher See. Nach mehreren Wochen: endlich angekommen in der neuen Welt, bald Staunen und Ernüchterung, Erfolge und Rückschläge im raschen Wechsel. Und immer wieder: das große Heimweh…

Was mit Musik und Texten mehr als 100 Jahre nach der harten Auswanderungszeit an einem milden Sommerabend im Friesendom auf Föhr davon erzählt wurde, zeigt noch etwas anderes: das Meer war und bleibt überall auf der Welt ein Flucht- und Reiseweg des Lebens und des Todes, der Hoffnung und der Gefährdung, der Sehnsucht und des Untergangs, des Abschieds und des Neuanfangs. So verschieden die Gründe und Bedingungen dabei auch sein mögen – banal waren und sind sie wohl nie.

Immer wieder galt und gilt es, sich in der Not oder im tiefen Glauben an eine bessere Zukunft dem unergründlichen Wasser auszusetzen, auf neues Land zu hoffen und dafür mitunter kaum erträgliche Anstrengungen und Ungewissheit auf sich zu nehmen.  So bleibt das Meer für unzählige Menschen mit trennenden wie tragenden, tröstenden wie traumatischen Erinnerungen verbunden – und erzählt davon.

Der Blick geht ins Weite
und Mut mit an Bord
und “offene See” ist ein Freiheitswort,
dem Hoffen so nah.

Und viele Worte der Sehnsucht sind da –
wie Ferne und Zukunft und neue Welt,

bis plötzlich die Zuversicht kippt und fällt
ins Bodenlose,
auch das ist das Meer –

und dann wird es schwer.

Und dann geht es manchmal um Leben und Tod
im schwankenden Boot,
wenn alles, was da war, zu schwinden droht.

Und kein Land in Sicht.

Was noch kommen könnte –
das zeigt sich nicht,

nur ein Ahnen vielleicht:
Da wohnt was im Windhauch,
was weiter reicht.

 

Susanne Brandt