Sonntagsmomente: Vertrauen geschieht

Ein bergendes Zelt im Trubel des Kirchentages 2019. Aus vielen bunten Strickteilen ist es zusammengesetzt, eine von vielen Ideen bei “Wir wollen Vielfalt”. Es hält zusammen, es schützt, es wirkt einladend. Zeichen für Vertrauen – so farbenreich, luftdurchlässig, gemeinsam gestaltet von ganz verschiedenen Menschen? Was für ein Vertrauen!?

Es fällt mir schwer, für Vertrauen ein rundum passendes Bild oder Zeichen zu finden. Ich empfinde es als unverfügbar, beweglich, angewiesen auf Beziehungen zu Menschen, zur Welt, zu Gott.

Wenn ich in Worte fassen sollte, was ich beim Kirchentag in Dortmund mit Vertrauen erlebt habe, dann vielleicht so:

Vertrauen geschieht – ich kann es nicht allein aus mir selbst hervorbringen oder herstellen.

Denn Vertrauen geschieht in Resonanz und Beziehung zu dem, was mich umgibt und berührt. Als Mensch bleibe ich einerseits angewiesen auf Sinn und Begegnung in der Welt, um Vertrauen zu erfahren und zu schenken. Andererseits bleibt Vertrauen angewiesen auf den Mut der Menschen, aus einer solchen Grundhaltung zur Welt heraus zu leben, zu hoffen und zu handeln. Diese wechselseitige Beziehung hält uns in einer immerwährenden Grundspannung zwischen Gelassenheit und Engagement. Und die Geistkraft ist eine gute Vermittlerin dabei.

Vertrauen geschieht – überall dort, wo Solidarität, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, wo Liebe und Vergebung gesucht, entdeckt und weitergegeben werden.

Dabei geht es nicht um Leistungen, die sich erledigen, perfektionieren und aufrechnen lassen. Sie gehören zu den Gaben und Leidenschaften, die in der Seele und durch die Kraft des Geistes spürbar werden und lebendig bleiben – nie vollkommen, schmerzlos und ungebrochen, aber immer mit der Möglichkeit der Entwicklung. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass alles gelingt, aber ich kann mit der Hoffnung leben, dass Sinn darin wohnt und Menschen daran mitwirken können.

Vertrauen geschieht – gerade dann, wenn es sich verändert, mal schwer und mal leicht, mal fern und mal nahe scheint.

Denn Bewegung und Wandel gehören zum Wesen des Lebens, zu unserem Dasein, zum Vertrauen. Wer mit Gespür für diesen lebendigen Wandel lebt, kann sich mutiger auf Veränderungsprozesse einlassen, diese aktiv mitgestalten und leichter vertraut werden mit dem Neuen und Anderen.

Susanne Brandt