Lyrische Worte mit alltäglichen Orten verweben. Projekt “Lesezeichen” in Hildesheim

Nicht geplant, aber sehr gut zueinander passend erscheint die zeitliche Nähe der bundesweiten “Woche der Sprache und des Lesens” mit der gerade begonnenen Lesezeichen-Aktion in Hildesheim, die auch während der #Sprachwoche viele Menschen in der Stadt zum Lesen verlocken wird – zum Lesen von Sprache in poetischer Form. Denn seit Anfang Mai sind an vielen Haltestellen, Mauern und Türmen von Hildesheim große Banner oder Tafeln mit Gedichten zu entdecken. Und begleitend dazu werden online unter http://www.hildesheimer-lesezeichen.de/verschiedene Begleitmaterialien für literarische Spaziergänge durch die Stadt angeboten, so z.B. alle ausgestellten Texte auch zum Hören und zum Download unter:

Jo Köhler, Kulturinitiator vom Forum-Literaturbüro e.V., der mit seinem Team das einzigartige Projekt initiiert und mit Hilfe von Fördermitteln realisiert hat, erläutert dazu in seiner Pressemitteilung u.a.:

Der Forschungsreisende Alexander von Humboldt hat vor zweihundert Jahren gesagt: „Man muss die Natur fühlen, sonst kann man sie nicht verstehen!“ Genauso ist es im Grunde auch mit einem Gedicht, das seinen Leser berührt und ein Fenster in eine andere Welt öffnet.

Mit diesem einzigartigen Kulturprojekt hier in Hildesheim holen wir die Lyrik als Kunst des Wortes zwischen verstaubten Buchdeckeln hervor und setzen sie ins Freie, ins Offene – mitten in der Stadt.
180 monumentale Gedichtbanner an insgesamt 56 verschiedenen Standorten in Hildesheim verwandeln Straßen und Plätze von Mai bis Oktober 2019 zu Orten der Poesie.

Lyrik von 37 Autor*innen aus 8 verschiedenen Ländern

Die Texte in diesem Jahr stammen von 37 Autor*innen aus 8 verschiedenen Ländern: aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Italien, Spanien, Nicaragua, Polen und den USA.
Mit den Lesezeichen in der Stadt werden die Bewohner und Besucher der Stadt zu einer literarischen Entdeckungsreise eingeladen. Jeder Ort hat seinen eigenen Seelenzustand und wenn man ihn betritt geht er auf einen über, so ist es auch mit dem Lesen und Auflesen von Gedichten.

Poesie überschreitet hier die Grenzen eingefahrener Bahnen und nimmt im urbanen Kontext unmittelbar Stellung zur Situation und Wahrnehmung des Betrachters. Denn Lesen ist mehr als eine Kulturtechnik, viel mehr als nur nützlich.

Das Motto in diesem Jahr: “Heimat – ein kurzer glücklicher Augenblick”. In einem Grußwort zur Aktion heißt es dazu: “Heimat ist dort, wo Menschen sich begegnen, gemeinsame Erfahrungen machen, Ideen entwickeln, ihre Gefühle leben und Sehnsüchte teilen.”

Davon geben die lyrischen Beiträge authentische Innenansichten mit vielfältigen Facetten preis. An den für sie vorgesehenen Orten können sie bewusst einen Kontrapunkt setzen und den urbanen Raum damit literarisch aufladen.

Lyrische Worte mit alltäglichen Orten verweben

Neben literarischen Kriterien spielte für die Auswahlredaktion auch die Bedeutung der jeweiligen Orte, ihre derzeitige Nutzung und ihr architektonischer Charakter für die Platzierung eine Rolle. So ist es die
ungewöhnliche Verknüpfung von Ort und Wort, das Verweben des lyrischen Wortes mit dem alltäglichen Leben, das Unerwartete in der plötzlichen Konfrontation mit einem Gedicht, das für den Leser Bedeutung hat. Auf diese Weise werden nicht nur dichterische Lebensräume geschaffen, sondern vor allem auch Menschen erreicht, die von sich aus kein Buch in die Hand nehmen und daher kaum Gelegenheit haben, an der Kunst des Wortes zu partizipieren.  Einen Schwerpunkt bildet dabei  die Zielgruppe der 12-18jährigen Jugendlichen, die mit hierfür entwickelten Workshop-Angeboten zum Lesen und eigenem literarischem Tun angeregt werden.

Pressemitteilung Jo Köhler / Susanne Brandt
#Sprachwoche
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