Zum Tag des Baumes: Mit Kindern die Vielfalt des Lebens entdecken – und Bilderbücher!

„Darf man überhaupt noch malen, wenn für Papier Wälder abgeholzt werden?“

An Kinderfragen wie diesen kommt man nicht vorbei, wenn am “Tag des Baumes” über die weitreichende Bedeutung von Bäumen und Wäldern nachgedacht und gesprochen wird. Sie mischen sich ein, manchmal als leise, aber unüberhörbare Zwischentöne: ehrlich, direkt, mitunter provokant und unbequem. Denn Kinder haben ein gutes Gespür für Gerechtigkeit und Widersprüche, wollen wissen warum die Dinge so sind wie sie sind. Und oft haben sie bereits entdeckt, wo Missstände herrschen und was zur Verbesserung beitragen könnte. Dabei müssen Erwachsene sich hinterfragen lassen. Und wenn sie auf  Kinderfragen nicht gleich eine Antwort wissen, ist das keineswegs peinlich. Denn das Nichtwissen ist die Quelle für Neugier und schenkt  eine große Offenheit zum gemeinsamen Weiterdenken und Verändern. Das ist eine Chance.

Um solche Chancen geht es bei dem Projekt  „Das weiße Blatt – Weltbilder und Bilderwelten zum Weiterdenken mit Kindern“  der Büchereizentrale Schleswig-Holstein. Es  regt Menschen landesweit dazu an, ihre Umwelt wahrzunehmen, eigenen Ideen von einem guten Leben Gestalt zu geben und miteinander Neues auszuprobieren. Das Vorhaben knüpft an die zentralen Kernbotschaften der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung an und wird seit 2018 in Kooperation mit den Bücherpiraten e.V. aus Lübeck und zahlreichen Büchereien durchgeführt. Ermöglicht wurde die Umsetzung dank einer Förderung durch den Fonds Nachhaltigkeitskultur des Rates für Nachhaltige Entwicklung.  

Mit dem Staunen fängt es an

Ein Blick zurück: Die kreative Ferienwerkstatt „Mit dem Staunen fängt es an – Fragen an die Welt in Wort und Bild“ bei den Bücherpiraten e.V. in Lübeck bildete im Sommer 2018 den Auftakt  für das vielfältige Vorhaben. Fünf Tage lang wurde mit Jugendlichen diskutiert, geschrieben und gestaltet. Auf der Basis von zuvor gesammelten Kinderfragen zu den Kernbotschaften der Agenda entstand dabei das illustrierte und in fast 30 Sprachen übersetzte Online-Bilderbuch „Wie entsteht eigentlich Zukunft“.  Weltweit abrufbar ist das Produkt von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche als kostenloser Download unter www.bilingual-picturebooks.org.

In der zweiten Projektphase hält das Bilderbuch jetzt in verschiedenen Medienformaten Einzug in Schleswig-Holsteins Bibliotheken, um den abstrakten Begriff „Nachhaltigkeit“ lebensnah für Kinder zu veranschaulichen. Das bildgestützte Erzählen soll zu einer kreativen Auseinandersetzung anregen. Begleitend dazu gibt es ein vielfältiges Angebot an rund 50 ausgewählten Buchtiteln.

Informationen zum Projekt: https://www.biblio2030.de/buechereizentrale-schleswig-holstein-am-anfang-war-ein-weisses-blatt/

Foto: Susanne Brandt / aus: Die goldene Funkelblume

Dabei wird deutlich: Bibliotheken sind wichtige Vermittler im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie bieten  nicht nur eine Fülle von Informationen. Sie regen auch die Wahrnehmung und die Lust am Weiterdenken an.  Durch kreative Medienarbeit wird die Gestaltungskompetenz gestärkt. Und Kinder erfahren: Auch ich kann etwas verändern.

17 Ziele – 17 Fragen – 17 Denkanstöße

Zum Beispiel, wenn es um den Schutz von natürlichen Ressourcen und um die Wertschätzung von Pflanzen und Tieren unter dem Aspekt der Artenvielfalt und Regeneration in der Natur geht.  Denn  darauf bezieht sich die Frage „Darf man überhaupt noch malen, wenn für Papier Wälder abgeholzt werden?“ (man könnte im gleichen Sinne variieren: “Darf man überhaupt noch Bücher drucken…) und wird so zu einem von 17 Denkanstößen. In der sommerlichen Kunstwerkstatt haben die Jugendlichen bei der Bildgestaltung zu dieser Frage tatsächlich auch mit Papier gearbeitet. Und und hier wie bei jeder Nutzung von Rohstoffen ist es wichtig und spannend, sich Gedanken darüber zu machen, in welchem Verhältnis die Verwendung zum Nachwachsen steht und wie sich die Nutzung auf das gesamte Ökosystem auswirkt.

Die Frage nach Papier und Wald berührt eine Kernfrage von Nachhaltigkeit

Schließlich hat der heute breit verwendete Begriff von Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft seinen Ursprung  und beschreibt hier ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des Waldes im Vordergrund steht.

Es gilt also – anknüpfend an die Kinderfrage –  zu überlegen:

  • Wie können wir im Alltag verantwortungsvoll mit Materialien und Rohstoffen umgehen?
  • Auf welche Weise tragen das Sammeln und die Weiterverarbeitung von Altpapier zur Ressourcenschonung bei und was gilt es dabei zu beachten?
  • Welche Verfahren der Papierherstellung nehmen Rücksicht auf die Stabilität der natürlichen Regenerationsfähtigkeit des Waldes – was letztendlich das gesamte Ökosystem in seiner ganzen Vielfalt betrifft?
  • Warum ist es wichtig, sich beim Schutz des Ökosystems Wald auch insgesamt über verschiedene Aspekte der Artenvielfalt Gedanken zu machen?

Wie so oft löst gerade die Vielschichtigkeit solcher Fragen ein intensives gemeinsames Nachdenken aus, regt ein Weiterfragen in verschiedene Richtungen an, weckt Phantasien für Visionen, Bilder und Geschichten  – und am Ende konkrete Ideen und Entscheidungen für Veränderungen bei Verbrauch und Verhalten im Alltag und in der Natur.

Werkstatt-Bild der “Bücherpiraten” zur Kinderfrage

Vielfältige Geschichten in Bilderbüchern

Die zu den Fragen und Bildern bereitgestellten Bücher in den Bibliotheken spielen dabei eine wichtige Rolle. Nicht, weil sie schnelle Informationen liefern, sondern weil sie dem gemeinsamen Nachdenken eine so vielfältige Nahrung geben: durch Geschichten, Gedichte, durch Poesie, Humor und Weisheit – wie die folgenden fünf Beispiele zeigen:

 

Beedle, Duncan: Willibarts Wald. Bamberg, 2018 / ab 4 Jahre

Weil Holzfäller Willibart den Baum mit seinem Nest gefällt hat, darf ein Vogel im Rauschebart des Holzfällers unterkommen. Dort bleibt er nicht lang allein. Willibart muss sich etwas anderes überlegen. Bilderbuchgeschichte zum Thema “Nachhaltigkeit”.

 

Toledo, Eymard: Juju und Jojô. Eine Geschichte aus der Großstadt. Baobab Books, 2019 / ab 5 Jahre

Die Zwillingsmädchen Juju und Jojô wohnen in einer großen Stadt, von riesigen Häusern umgeben. Einziger Lichtblick: Vor ihrem Haus wächst Jabuticababaum, der bis zu ihrem Balkon reicht. Hier finden Schmetterlinge ein Zuhause,  Ameisen krabbeln an ihm hoch und die Grillen zirpen auf den Ästen. So trotzt er  seiner unwirtlichen Umgebung weckt mit seinem kaum beachteten Universum von Insekten das Interesse der Kinder.  Besonders  Juju beobachtet genau und entdeckt dabei im Kleinen das Große.

 

Davies, Nicola: Eins zwei drei viele. Hamburg, 2018 / ab 5 Jahre

Biodiversität – zu diesem schwierigen Begriff findet dieses Bilderbuch eine poetische Sprache in Bild und Text, die dazu einlädt, die Vielfalt zu bestaunen und zu schützen. Denn alle, die auf der Erde leben, brauchen einander.

 

Flouw, Benjamin: Die goldene Funkelblume. Berlin, 2018 / ab 5 Jahre

Fuchs liebt sein Pflanzenbestimmungsbuch. Aber eine Seite darin ist leer! Von der goldenen Funkelblume gibt es kein Bild. Also muss Fuchs sich wohl auf den Weg machen und diese Blume finden, damit er sie mit nach Hause nehmen kann. Als er sie endlich sieht, muss er eine Entscheidung treffen …

 

Küntzel, Karolin / Kathleen Richter: Wo kommt das her? Vom Rohstoff zu T-Shirt, Apfelsaft und Co. München, 2014 / ab 8 Jahre

Rund 34 Nahrungsmittel und Gegenstände der Alltagswelt werden in Text und Bild beschrieben. So geht es um Geschichte, Entstehung, Anbau, Transport, Verarbeitung, Bedeutung usw. von Honig, Pfeffer, Chips, Cola, Papier, Tinte, Geld, Glas, Hustensaft, Seife, T-Shirt, Gummistiefel, Wolle u.v.a.m.

 

Dieser Beitrag wurde im Rahmen der Aktion #bloggenfürartenvielfalt geschrieben. Dort findest du weitere Artikel rund um das Thema Artenschutz, Artenvielfalt und Nachhaltigkeit.