Ideenfundgrube für das lebendige Erzählen: Praxisbuch Erzählschiene

Oft sind es gerade die einfachen Dinge, die der Kreativität und Ideenfülle in der Begegnung mit Kindern umso größere Freiräume öffnen. So auch bei der Erzählschiene: ein sorgfältig gefertigtes Holzbrett als Spielfläche – gerade diese Schlichtheit erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten beim Erzählen auf überraschende Weise. Drei Rillen erlauben es, dass einfache Kartonfiguren darauf hin- und herlaufen können. Oder sie bieten kleinen Schaubildern zum Betrachten sicheren Halt. Oder sie werden zur Bühne für wechselnde Szenen vor einer Kamishibai-Erzählkulisse.

Cover Don Bosco Verlag

Das Besondere: Die Führungsrillen ermöglichen die Darstellung einer zeitlichen oder räumlichen Mehrschichtigkeit. Sie helfen bei einer gut sichtbaren Präsentation von Bild- oder Textzeichen. Und sie lassen offen, mit welchen künstlerischen Techniken bei der Herstellung von eigenen Figuren gearbeitet werden soll: Collage oder Materialdruck? Gemalt, gewischt oder gekratzt? Auch ein Mix aus verschiedenen Stoffen ist willkommen!

Von dieser Fülle an Möglichkeiten erzählt das gerade erschienene Praxisbuch der Pädagogin und Künstlerin Gabi Scherzer, die die Erzählschiene aus der Praxis für die Praxis entwickelt hat. Die vielen kurzen, mit Fotos reich illustrierten Einzelkapitel zum Einsatz der Erzählschiene in der Sprachförderung, als Tischtheater oder Jahreszeitenbild liefern vor allem Impulse: zum Nachmachen (dafür ist alles knapp & klar erklärt) – vor allem aber auch zum Weiterdenken und Selbstgestalten.

Es gibt für die Erzählschiene – vergleichbar mit den fertigen Materialien für das Kamishibai – bereits eine Auswahl an sehr schöne Materialsets zum Ausschneiden und Nachspielen. Aber die besondere Chance der Erzählschiene liegt tatsächlich in der Möglichkeit, die Flexibilität und Variantenvielfalt von beweglichen Figuren zu nutzen, die Fantasie der Kinder anzuregen und mit ihnen gemeinsam zu entdecken, wie man vom  kleinsten Teilchen bis zur großen Kulisse alles selbst erfinden und herstellen kann.

Mein persönlicher Tipp aus der eigenen Praxis: Gute Erfahrungen habe ich bereits bei dem Einsatz der Erzählschiene als bewegliche Ergänzung vor Kamishibai-Kulissen gemacht – auch im Freien.

Hooger Halligsommer: Erzählen unterm Apfelbaum

Oder wenn es darum geht, mit Impulskarten das freie Erzählen anzuregen, bietet die Erzählschiene hervorragende Möglichkeiten, um die Karten dafür in eine veränderbare Ordnung zu bringen und dabei eine gute gemeinsame Sicht auf den Verlauf zu erreichen.

Foto: Susanne Brandt

Und wenn ich an die kommende Adventszeit denke, dann rechne ich bereits: 24 Figuren oder Karten, verteilt auf 3 Rillen – das macht 8 Elemente pro Führungsrille, die im Verlauf der Adventswochen Tag für Tag aufgestellt oder weggenommen werden können…

Kurzum: Die sprachlichen, künstlerischen und motorischen Möglichkeiten, die sich mit der Erzählschiene ergeben – vom Kindergarten bis hin zum Seniorenkreis – scheinen unerschöpflich. Dafür liefert dieses Buch eine vielfältig zusammengestellte Beispielsammlung – mit Links zu Videos für weitere Inspirationen.

Susanne Brandt

Scherzer, Gabi: Praxisbuch Erzählschiene. München, 2018