Zum 2. Advent: Mutige Freude – am Tag der Menschenrechte

Magnificat / S. Brandt

Der Tag der Menschenrechte fällt in die Adventszeit. In diesem Jahr mit dem 10. Dezember direkt auf den 2. Advent. Gestern habe ich mir deshalb gemeinsam mit einem Mann aus Afghanistan die Menschenrechte angeschaut, zumindest ein Teil davon, in einer vereinfachten Sprachfassung. Wir haben uns durch den sperrigen Text gearbeitet, die großen Worte im Wörterbuch nachgeschlagen, sind hängen geblieben an den vielen Fragen, die sich dabei ergeben, wieder und wieder – ein gutes Gespräch…

„…Liebeslied vom Leben“

Irgendwann haben wir uns von den großen Worten gelöst. Es spricht sich leichter mit Tätigkeitswörtern, mit dem gemeinsamen Vorrat gebräuchlicher Vokabeln, die vom Leben erzählen. Ganz konkret.

Später habe ich noch etwas andres entdeckt – mit den Verben im Sinn: vertrauen, nachdenken, aufbrechen, träumen…mittendrin eine überraschende Assoziation zu adventlichen Bildern, zu alten Texten, zum Magnificat, zu einer Freude, die es sich nicht leicht macht in dieser Zeit: Da war sie plötzlich. Und ich glaube, ich kann ihr einiges zutrauen.

Das alte Lied von der mutigen Freude

In leichter Sprache
schwer zu beschreiben:

Menschen-Recht

so wuchtig, das Wort
so groß, das Versprechen
so weit weg vom Lebendigen, Tag für Tag,
so weit weg von Afghanistan, von der Türkei,
von den Toten im Mittelmeer,
schwer auch für uns zu erkennen hier.

Wir lesen von gleichen Rechten für alle
in starren Buchstaben
auf dem Papier,

versuchen es anders,
suchen nach Zeichen, nach Tätigkeitswörtern,
erzählen, was ist,
was geschieht und sich wandeln will,
heute schon:

aufbrechen – und ein Staunen riskieren, ein So-kann-es-werden,
da sein – im Gespür eine Würde von Anbeginn,
vertrauen – auf die leise Hoffnung, die zur rechten Zeit ihre Spuren legt,
ermutigen – manchmal reicht eine Geste, ein Flügelschlag,
nachdenken – denn Gedanken sind frei,
träumen – aus der Tiefe des Herzens, das so viel bewahrt.

Da –
plötzlich
im Stillen
hör ich mich singen
das alte Lied von der mutigen Freude,

Zeile für Zeile
neu zu beschreiben:

advent

Susanne Brandt