„Am Faden eigener Gedanken spinnen“. Geschichten mit Kamishibai erzählen – und von Janusz Korczak lernen, Teil 2

„Immer, wenn du ein Buch aus der Hand legst und beginnst, den Faden eigener Gedanken zu spinnen, hat das Buch sein angestrebtes Ziel erreicht.“ (Janusz Korczak)

aus: Lefin / Brandt / Nommensen: Der Sturm auf dem See

Mit Kamishibai auf Reisen gehen – das ist zu allererst ein Lernprozess. Denn aus jeder Begegnung, aus jeder Anregung, die sich durch Workshops immer wieder neu ergibt, stellen sich neue Fragen und Herausforderungen. Die Erwartungen sind verschieden und so müssen immer wieder neue Wege gesucht werden, um bei dem, was sich nicht eindeutig beantworten oder zeigen lässt, weiterzuhelfen und das eigene Ausprobieren anzuregen. Dass man dafür eine Menge bei Janusz Korczak lernen kann, habe ich bereits im vorangegangenen Beitrag zum Thema – am Anfang der Reise – zu beschreiben versucht. Seither wurde weiter an diesem Faden gesponnen. Und jetzt – in der Mitte der Reise – sind weitere Erfahrungen und Ideen hinzu gekommen. Was mir aufgefallen ist – bei mir selbst wie auch bei anderen: Manchmal scheint es schwer, sich wirklich mit einer Geschichte zu verbinden und daraus den Mut und die Fantasie zum lebendigen Erzählen zu entwickeln. Zwar ist es immer möglich, sich am Faden der Geschichte Bild für Bild entlang zu hangeln, aber irgendwie bleibt die Verbundenheit nur äußerlich.

aus: Lefin / Brandt / Nommensen: Der verlorene Sohn

Es wird viel nach der richtigen „Technik“ des Erzählens gefragt, einige möchten etwas zum Nachmachen sehen – aber irgendwie bleibt bei mir das Gefühl, dass sich das, was fehlt und zählt, nicht vormachen lässt. Jeder und jede muss selbst einen eigenen Weg finden, um mit einer Geschichte vertraut zu werden. Erst daraus kann dann die eigene Erzählweise entstehen. Die Frage ist also: Wie lässt sich eine solche Verbundenheit entwickeln?

Vielleicht so: Mache dich auf die Suche nach deinem Lieblingsbild innerhalb einer Bilderfolge und fange an, zunächst zu diesem Bild eigene Worte und Empfindungen zu formulieren. Das kann zunächst nur in Gedanken für sich allein geschehen und später auch – gern im Dialog – mit anderen.

aus: Lefin / Brandt / Nommensen: Elia in der Wüste

Es ist einen Versuch wert, mit dem Lieblingsbild einzusteigen, auch wenn dieses nicht an den Anfang der Geschichte gehört. Es geht bei diesem Einstieg ja zunächst gar nicht um den Handlungsverlauf, sondern um das Bild, das mir besonders am Herzen liegt und von dem ich deshalb – zunächst beschreibend und losgelöst von der Geschichte – besonders gern erzählen mag. Ist so eine Vetbundenheit hergestellt, lässt sich vermutlich auch ein Übergang zum Anfang der Geschichte finden und mit der geweckten Aufmerksamkeit dann die Geschichte anders erzählen als ohne das „Anwärmen“ durch das Lieblingsbild. Wie solche Lieblingsbilder aussehen könnten? Einige sind in diesem Beitrag zu sehen…

Susanne Brandt