Buch-Tipp: Tokkis Reise

So ist das, wenn der Bücherfrühling vor der Tür steht: Jeden Tag kommen überraschende Neuerscheinungen ans Licht – und ein Buch-Tipp folgt dem anderen…

c Tulipan Verlag

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Das Bilderbuch von „Tokkis Reise“ spielt mit der alten Kettenmärchenform des Tauschhandels (vgl. „Hans im Glück“) und macht mit originellen Wendungen und Wortschöpfungen doch ganz etwas Neues daraus. Originell ist allein schon die Perspektive. Der Blick richtet sich nicht von der Erde auf ferne Galaxien, sondern genau umgekehrt: Für den kleinen Außerirdischen Tokki zeigt sich die Erde als ein fremder Planet, auf dem er mit seinem defekten Raumschiff notlanden muss. Dabei sollte er für seine Mutter eigentlich nur etwas Milch von der Mondkuh besorgen! Ob ihm nun ausgerechnet auf der Erde jemand seinen kaputten Schwups-Kompensator ersetzen kann? Man sollte den Einfallsreichtum und die Hilfsbereitschaft der Erdbewohner nicht unterschätzen. Wer sich da durchfragt, findet Hilfe – und immer auch gleich eine neue Aufgabe, die es zu lösen gilt. So wird am Ende alles gut: Tokki kehrt mit repariertem Raumschiff zurück und hat auch die Kanne Milch für seine Mutter nicht vergessen. Und wenn die nun lieber Mondkuhmilch statt Erdkuhmilch haben möchte? Dann geht die Geschichte mit der Fantasie der Kinder vielleicht genau so originell weiter – denn bestimmt lassen sich auch auf fernen Planeten viele Tauschpartner finden…

Das neue Bilderbuch von Julia Neuhaus und Till Penzek (vgl. „Affenagentur“, „Was ist denn hier passiert?“) überzeugt abermals durch das sichere Gespür für kindliche Fantasie und Spiellust. Die ideenreich variierten Wiederholungsmuster in der Handlung machen es schon jüngeren Kindern leicht, sich in der Geschichte zurecht zu finden und regen gleichzeitig dazu an, das Muster aufzunehmen, um eigene Varianten zu bilden, mit denen sich die Tauschgeschichte endlos fortspinnen ließe. Weitere Anregungen dafür bietet die collageartige Bildtechnik mit buchstäblich hintergründigem Humor. Denn kein Schnipsel wirkt zufällig gesetzt und gerade in den hintersten Ecken haben sich witzige Details versteckt, die Kinder gern aufspüren werden. Und wer sich am Ende fragt, wie denn wohl ein Andromeda-Apfelkuchen schmecken mag, hat die schönste Aufgabe noch vor sich: einfach ausprobieren, backen und genießen!

Susanne Brandt