Bilderbuch-Tipp: Nachtmusik und Sprachklang aus der Insektenwelt

441620Nach dem Bilderbuch „Zuhause“ nimmt C. Ellis das Leben mit seiner Wärme und seinem Wandel erneut in ihren liebevollen Blick: Dabei gibt sie diesmal den Insekten eine Stimme – nicht mit animalischen Lauten, sondern mit einer feinen „Tiersprache“, die in Anklängen eine Übersetzung ins Deutsche ahnen lässt und doch für alle Betrachtenden eine geheimnisvolle Fremdsprache bleibt, die den Eigensinn und die Unverfügbarkeit der Tierwelt zum Ausdruck bringt.

In dieser beginnt die Geschichte mit einem großen Staunen: Da wächst etwas aus der Erde heraus, entwickelt sich zur Blume und wird von allerlei Tieren „umgarnt“ – bis im Herbst der Verfall einsetzt und alles in eine Winterstarre fällt. Im Frühling aber…

IMG_1611Neben den fantasievoll ausgeschmückten Ereignissen um die kleine Pflanze zeigen sich auf den Doppelseiten, die mit der knappen wörtlichen (Tier-)Rede nur ganz sparsam betextet sind, allerlei Nebenschauplätze, an denen sich der Jahreslauf der Natur offenbart.

Und ganz besonders schön: die Nachtmusik, die allein durch die Illustration und Stimmung ihren inneren Klang entwickelt und damit die kunstvolle Sprachmusik um eine weitere sinnliche Dimension bereichert. Da möchte man gleich ein Instrument zur Hand nehmen und einfach losspielen. Der Bildaufbau wird zur Partitur…

Kinder (und Erwachsene!) aller Nationen werden an der facettenreichen Erzählweise dieses Buches ihre Freude haben!

Susanne Brandt

P.S.: Das Buch wurde 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Gute Entscheidung!