Frei-Räume erfahren – vom Wirken und Wandel im Vertrauten

IMG_1332Wo entstehen Ideen? Wie formen und verändern sich Gedanken? Manchmal am Schreibtisch, häufiger in der Begegnung mit anderen, meistens in Bewegung,  beim Spazierengehen, unterwegs in der Fremde, auf vertrauten Wegen im Hause…

Es ist spannend zu erleben, wie Räume das musische Empfinden beeinflussen: Der freie Blick in den Garten oder auf die Straßen der Stadt beim Musikmachen verändert die Atmung, den Rhythmus, das melodische Empfinden, die Beweglichkeit…

Es ist gut zu erfahren was geschieht, wenn man beim Schreiben und Nachdenken immer mal wieder das Arbeitszimmer verlässt, um die Perspektive zu wechseln, eine andere Haltung einzunehmen, Türen zu öffnen, sich im Vertrauten geborgen zu fühlen und darin gleichzeitig die Veränderung zu suchen…

Es ist schön, wenn man hin und wieder solche Erfahrungen mit anderen Menschen teilen kann, einander Frei-Räume lässt, Abgrenzung möglich macht, Abstand sucht, Nähe findet…

Zuhausesein ist eine Qualität, die von solchen Erfahrungen geprägt ist, die gestaltet sein will und im Wechsel zum Unterwegssein eine besondere Energie entfaltet. Zuhausesein kann Ruhe bedeuten, meint aber nich Stillstand, sondern vielmehr Frei-Raum – unabhängig von dem messbaren Platz, der dafür tatsächlich zur Verfügung steht. Schon das kleinste Zimmer kann sich als Frei-Raum erweisen, wenn es in seiner besonderen Qualität wahrgenommen und mit Leben gefüllt wird. Die Herausforderung besteht darin, das zu erproben, neue Möglichkeiten auszuloten, Veränderungen zu wagen, nicht stecken zu bleiben im „Das-geht-nicht-anders“ oder „Das-war-schon-immer-so“, sich locken zu lassen vom „Das-ließe-sich-auch-mal-neu-probieren“.

Zuhausesein ist das Vertrauen in das immer wieder frei Veränderbare.

Susanne Brandt