Singen verbindet: „Das Häschen und die Rübe“ für Kinder von nah und fern

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“Das Häschen und die Rübe” mit Kamishibai und Musik / Foto: Klaus-Uwe Nommensen

Eine Wiederbelebung: Erstmals entdeckt, bearbeitet und oft erzählt habe ich das aus China überlieferte, aber vermutlich weltweit verbreitete Märchen von den Tieren im Winter, die ihre Vorräte gut zu teilen wissen, in den 1990er Jahren als Spielgeschichten-Version für mein Buch „Die Weihnachtsbühne“ . Jetzt gibt es dazu auch eine Kamishibai-Version – und eine Überarbeitung des damals dazu BFF_1508_HeaderOrange2-300x111-300x111entstandenen Liedes in einer vereinfachten Fassung nach einer bekannten Melodie. DownloadDenn Erzählen, Bilder zeigen und dazu mit Ukulele zum Mitsingen einladen – das klappt am besten, wenn Text und Musik so klar strukturiert sind, dass sie sich mühelos einprägen. Auch Kinder, die mit der deutschen Sprache noch nicht ganz sicher vertraut sind, können so gleich mitsingen oder –summen.

Das jedenfalls habe ich heute bei einer bunt gemischten Gruppe in der Stadtbibliothek mit dieser Geschichte erlebt, wo sich auch zwei vermutlich aus Syrien stammende Kinder mit ihren Eltern erstmals im Kreis der Zuörenden einfanden.

Beglückend für mich war dabei zu erleben, wie fasziniert und Lied zu Haschen und Rubemotiviert gerade diese beiden Kinder auf Musik reagierten, wie ihnen der Umgang mit einem Saiteninstrument offenbar vertraut war und wie unbefangen sie die Melodie sofort mitsangen. Und erstaunt stellte ich dabei fest, dass der kleine Junge – etwa 4 Jahre alt – die einfache weihnachtliche Melodie sofort erfasste, dazu jedoch einen Text in einer mir nicht verständlichen Sprache sang. So gelang der Einstieg in die Geschichte geradezu beschwingt: Lied zu Haschen und Rube

 

Als Hörbeispiel: https://www.youtube.com/watch?v=eM3Bue2kygs

Auch wenn die milden Temperaturen in Norddeutschland derzeit alles andere als winterliche Stimmung verbreiten – die Ermutigung, die durch das einfache Märchen von der Futtersuche im Schnee zum Ausdruck kommt, gilt für jede Wetterlage: Da merken die Tiere, dass auch das Wenige, was sie haben, ausreicht, um genussvoll satt davon zu werden. Und nicht nur das: Es bleibt sogar immer noch ein kleines bisschen übrig für andere, die vielleicht nicht genug haben – bis aus den letzten Resten am Ende eine leckere Suppe gekocht wird, die nicht nur allen gut schmeckt, sondern vor allem durch die fröhliche Gemeinschaft allen so richtig gut tut.

Irgendwie musste ich in diesem Jahr beim Erzählen der Geschichte immer wieder an die Hilfe und Gastfreundschaft für durchreisende Flüchtlinge am Flensburger Bahnhof denken, die nicht zuletzt deshalb seit drei Monaten in so erstaunlicher Weise gelingt, weil ungezählte Bürgerinnen Rübe Kamishibaiund Bürger ein bisschen von ihrer Zeit und von dem, was sie haben , was sie spenden oder kaufen können, Tag für Tag dort teilen. Vielen scheint es nicht gleichgültig zu sein, dass da Menschen auf der Flucht sind, die vielleicht neue Kraft und Unterstützung brauchen, um weiterreisen zu können.

Das mag in der Vereinfachung als Kindergeschichte naiv anmuten, zumal alles, was in der Realität dabei auch schwierig sein kann, im Märchen ausgeblendet bleibt. Wo es aber im Kern um Empathie, um Teilen und Rücksichtnahme, um Achtsamkeit und Gemeinschaft geht, ist vielleicht schon ein Anfang gemacht – für alles, was mit dieser Grundhaltung im Kleinen wie im Großen geliebt und gelöst werden kann…Und wenn Kinder aus verschiedenen Ländern beim Schauen, Hören und Singen gemeinsam Freude dabei erleben, erfüllt sich die Botschaft der Geschichte im doppelten Sinne.

Susanne Brandt

#bloggerfuerfluechtlinge