Sonntagsmomente: Den Sprung in die Welt wagen

Was fasziniert uns an der sprudelnden Kraft von Quellen? Das Unerschöpfliche? Die Klarheit, Spontanität und Frische? Die Suche und Sehnsucht nach Ursprung und Tiefe?

Quelle an der Flensburger Förde / Foto: Susanne Brandt

Quelle an der Flensburger Förde / Foto: Susanne Brandt

Ur-Sprung – in dem Wort scheint etwas ganz Altes, Vertrautes zu ruhen und gleichzeitig etwas ganz Neues hervorzubrechen. Und das, was da „springt“, scheint unendlich, überraschend, lebendig, spielerisch, unvorhersehbar  in dem, was mit jedem Augenblick aus dem starren Stein ans Licht und in Bewegung kommt.

Ich weiß nicht, ob Etty Hillesum bei ihrem Tagebucheintrag vom „Sprung in die Welt“ auch ein solches Bild von einer Quelle vor Augen hatte.Ich empfinde das Staunen und die Freude über eine springende Quelle (heute entdeckt am Strand von Wassersleben) wie eine Ermutigung, die in ihren Worten etwa so zum Ausdruck kommt:

Das Leben ist so interessant, erstaunliche und unendlich reich an Nuancen! An jeder Ecke des Weges öffnet sich eine ganz andere Perspektive. Die meisten Menschen haben in ihrem Kopf die konventionellen Vorstellungen von diesem Leben. Wir müssen den Mut aufbringen, sie zu verlassen. Wir müssen den großen Sprung in die Welt wagen und entdecken, dass das Leben unendlich reich und reichlich vorhanden ist, auch in seinen tiefsten Sorgen.“   

Etty Hillesum (aus dem Tagebuch, übertragen aus dem Italienischen)