Kinderbuch-Tipp: Konstantin im Wörterwald

Die mixtvision-Reihe “Dramatiker erzählen für Kinder” verspricht keine ganz leichte Kost: Graue Pappe und zarte Coverzeichnungen sind nicht auf Blickfang aus und Prosa von Dramatikern, zumal für Kinder, klingt nach literarischem Experiment. Ein bisschen liest es sich auch so. Martin Heckmanns z.B. experimentiert mit Philosophie. Mag sein, dass davon ein bisschen zu viel in dieses Kinderbuch geraten ist. Manche Passagen muten sprachlich und inhaltlich etwas zu bedeutungsschwer an und sind so von Symbolik durchsetzt, dass das Kindliche des Protagonisten stellenweise in den Hintergrund tritt. Zugleich aber ist das Buch so reich an überraschenden Bildern, erstaunlichen Sprachspielereien und klangvollen Momenten, dass man dem Autor das Zuviel an Tiefsinn zugesteht.  Denn angesichts der großen Masse austauschbarer Kindergeschichten, die den Alltag flach wie eine Briefmarke beschreiben – von oben betracht klar berechenbar  und von unten so festgeklebt, dass ungewöhnliche Bewegungen der Gedanken kaum möglich scheinen – rühren Geschichten, die wie diese „in der Schwebe“ bleiben und von  Phantasien erzählen,  eine große Sehnsucht an.

Ill. von Stefanie Harjes aus "Konstantin im Wörterwald"

Sicher nicht bei allen Kindern. Sicher nicht bei allen Erwachsenen. Aber ich habe genug Kinder kennen gelernt, die – wie Konstantin – Geschichten schreiben und ihre Gedanken notieren. Ihnen wünsche ich solche Bücher… Denn genau darum geht es in diesem Buch: um die Zauberkraft der Sprache, die dann erst ihre ermutigende Wirkung entfaltet, wenn sie sich herauswagt aus den fest gefügten Wänden des Reihenhaus-Alltags. Es geht um das Bedürfnis zu schreiben, um die Anfänge jeder Schriftstellerei, um das Glück des Erzählens – und um die Heilung, die dadurch fast nebenbei geschehen kann. Nicht zuletzt geht es auch um das Verwobensein der Sprache mit der Natur: Nicht zufällig ist von einem Wörterwald die Rede, von einem wilden Ort jenseits aller therapeutischen und pädagogischen Bemühungen, an dem das Kind Konstantin sich und sein Stottern anders kennen lernt – und daraus die Kraft schöpft, das Andere auch in den vertrauten Alltag zu lassen.

Alle Informationen zum Buch: http://www.mixtvision-verlag.de/main_detail.php?id=1132&bereich=programm_alle_buecher