Himmel, Frost und Baumgeflüster – Jahresausklänge zum Hinhören

Original & Foto: Susanne Brandt

Manche Kostproben aus einem ganz besonderen winterlichen Menü für die Ohren, das mir rund um Weihnachten 2013 durch musikalische  Freunde und Weggefährten mit klingenden Grüßen serviert wurde, hätten eigentlich ein anderes Wetter verdient als das milde Grau dieser Tage. Durch knackige Kälte und verschneite Landschaften möchte man nach solchen Texten stapfen: “Kein Halm ist zu sehn und vor Frost knarrt ein Ast / doch tief unterm Schnee blieb die Wärme dem Bast bewahrt, übers Jahr schlägt er aus” , so beschrieb Theodor Kramer (1897-1958) in seinem Gedicht “Zum Neuen Jahr” den Weg auf das Jahresende zu, jetzt einfühlsam vertont von Wolfgang Rieck. (Mehr Winterliches von ihm: http://www.wolfgang-rieck.de/de/programme/winter_oh_du_kalter_freund)

Ein anderer Liedermacher aus Mecklenburg, Ingo Barz, weckt mit seiner CD “Wer sieht schon, was dahinter ist?” ganz ähnliche Bilder: “Am Wegrand die Kastanienbäume stehen und recken reifbehangen ihr Geäst. Der Frost kneift uns mit Zangen in die Zehen und beißt sich in den Nasenspitzen fest”, heißt es da zum Beispiel in “Letztes Winterlied”. Der Folker urteilte: “Mit den Jahreszeitenliedern greift er eine geradezu traditionelle lyrische Form auf und erweist sich als den Großen seiner Zunft ebenbürtig.” http://www.folker.de/201201/rezi-d.php

Ganz anders nähert sich die Jazz-Formation “Das Kapital” dem traditionellen weihnachtlichen Liedgut – und kneift dabei eher in die Gehörgänge als in die Zehen.  Denn auf  der neuen CD “Das Kapital loves Christmas” werden die alten Lieder kräftig gegen den Strich gebürstet.  Da kommt allzu Liebliches und Vertrautes reichlich schräg daher, kann jedoch beim genauen Hinhören vielleich mehr über “Vom Himmel hoch” und “O du fröhliche” verraten, als man den sonst so geschmeidigen Melodien zutrauen mag. http://www.lastfm.de/music/Das+Kapital/_/Das+Kap+Loves+Christmas

Auf wiederum andere Weise ungewöhnlich und einfühlsam: Facettenreiche Impressionen aus der Zusammenarbeit mit der Komponistin Maria Monninger werden für mich in einer persönlichen  Zusammenstellung ihrer Vertonungen hörbar. In den letzten Jahren entstanden sind eigenwillige Interpretationen zu Texten verschiedener Dichterinnen und Dichter mit Liedern wie “Unverhofft”,  “Hagars Lied” oder das “Lied vom Lachen”:”Kennst du das Lachen, das leise ist, zart wie ein Windhauch im Baum?”,  aus dem gemeinsamen Dichten und Denken heraus erwachsen in diesem Jahr – nicht offiziell als CD zu haben, aber bereits in der praktischen Chorarbeit erprobt und lebendig:  http://wp.psalmensingen.de/wordpress/

Und schließlich: In Worten und Musik haben die Brüder Reinhard Beyer, Wolfgang Beyer, Jürgen Beyer sowie die Urenkelin Samira Beyer, die Enkelin Helene Beyer und die Schwiegertochter Heike Beyer-Kellermann die Lebenserinnerungen und Aufzeichnungen ihres Vaters, Großvaters, Urgroßvaters Konrad Beyer als ein Hör-Dokument von eindringlicher Authentiziät gestaltet. Zum Nachlesen und Reinhören hier: http://www.beyer-music.com/audio-projects.htm

Susanne Brandt