Kamishibai-Adventskalender oder Wie aus Bildern ein Gedicht wird…

Fortsetzung zu: http://waldworte.eu/2013/12/01/ein-adventskalender-wie-ein-spaziergang-mit-hans-christian-andersen/

Der Spaziergang durch die Adventszeit nimmt seinen Lauf – und täglich gewährt der Kamishibai-Adventskalender neue Einblicke in die Häuser der Stadt, wie Hans Christian Andersen sie einst beschrieben hat: hier ein dampfender Topf, dort eine Katze, da ein gedeckter Tisch…mit jedem Bild, das sich auftut, wird das Gedicht (auch als Lied zu singen auf die Melodie “Morgen, Kinder, wirds was geben”) ein bisschen länger….

Nach der ersten Woche war die erste Strophe komplett. Bis zum 3. Advent ist Tag für Tag ein Bild dazu gekommen: Drache, Schnecke, Löwenmann, Baum, Nuss und Mondschein – lauter neue Begriffe, um das Lied fortzusetzen! Und am Ende jeder Strophe gibt es einen Impuls zum Weitererzählen…

In der Woche vor den Weihnachtsferien haben Kinder in der Stadtbibliothek Flensburg das ausprobiert und viele gute Ideen beigesteuert: Was dort auf den Tisch kommen könnte? Natürlich was Leckeres – Kartoffelsalat oder Hähnchen zum Beispiel! Was bei Angst helfen kann? Na, der Löwe könnte einfach stolz und tapfer an der Gefahr vorbei gehen – oder einmal kräftig brüllen! Und was für Träume in der Nuss verborgen sind? Da musste noch nicht mal das nächste Türchen geöffnet werden, um eine Traumschlossgeschichte mit Prinzen und Prinzessinnen zu erzählen….

Das Gedicht geht also weiter – bis zum letzten Türchen (da haben wir ein bisschen geschummelt weil wir sonst die Klappe Nr.24 nicht gemeinsam hätten öffnen können…) – und zwischen den Strophen haben die Kinder mit ihren eigenen Ideen ganz viel Leben in die winterliche Stadt gebracht:

Refr.:
Manchmal gehe ich am Abend
durch die Stadt und denk dabei:
Häuser sind wie Bücherschränke
einer großen Bücherei.
Da und dort im Fensterlicht
wird aus Bildern ein Gedicht.
 
Duftend dampft es aus den Töpfen
und die Katze freut sich schon.
Denn wenn gleich die Menschen essen,
kriegt sie etwas ab davon.
Entenbraten, Milchreis, Fisch –
was kommt heute auf den Tisch?
 
Nebenan, da fauchen Drachen,
sehr gefährlich, wie man hört,
doch die Schnecke bleibt gelassen,
zieht vorbei ganz ungestört.
Angst hat nur der Löwenmann.
Was bei Angst wohl helfen kann?
 
Durch ein Tor geht es ins Freie.
Draußen wächst ein großer Baum.
Seine Zweige tragen Nüsse.
Jede Nuss trägt einen Traum.
Öffne sie bei Mondenschein!
Was ist drin? Komm, schau hinein!
 
Manchmal führen schöne Träume
in ein fernes Märchenland,
tief im Wald bei Fuchs und Eule,
nimmt mich jemand an die Hand,
Zauberring und Sternenzelt –
Wer geht mit mir durch die Welt?
 
 Nacht und Traum verschwinden leise.
Guten Morgen, ruft der Hahn.
Mit der großen Kaffeekanne
fängt der Tag gemütlich an.
Wärme, Zeit und Sonnenlicht
was lockt Freude ins Gesicht?
 
Susanne Brandt
 

Hinter dem letzten Türchen ist ein eher traurig oder nachdenklich aus dem Fenster schauendes Mädchen zu sehen. Kein “Bilderbuch-Weihnachtsglanz” mit strahlenden Gesichtern – aber genau hier ändert sich die Blickrichtung! Nicht der Blick von draußen auf die Häuser, sondern der Blick von drinnen durchs Fenster nach draußen steht am Ende des Spazierganges durch die adventliche Stadt.

Ill.: Martina Badstuber, aus: Josefine schaut hinaus

Zum letzten Bild wird eine Geschichte vorgelesen: “Josefine schaut hinaus”, geschrieben von Maria Linschinger und illustriert von Martina Badstuber.

Wer’s ebenso tun möchte – hier ist der komplette Text mit allen Bildern als pdf im Internet zu finden: http://www.kindergarten-heute.de/elvis_img/kindergarten/0003287449_0001.pdf

Der poetische Adventskalender-Spaziergang ist damit vorbei – nein, vielleicht fängt er gerade erst an: mit anderen Geschichten in einer anderen Stadt – so, wie Josefine es sich im letzten Satz von ihrem Großvater auch wünscht…frohe Weihnachten!