Medien-Tipp: Das wieder eröffnete Paradies

Es ist doch bisweilen spannend und überraschend, in der eigenen Zimmerbibliothek zu stöbern. So ist mir heute auf der Suche nach einer Wochenendlektüre zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest ein Buch aus dem Jahr 1989 wieder in die Hände gefallen: “Das wieder eröffnete Pradies. Weihnachtliche Gespräche unter Freunden” von Hildegunde Wöller (1938-2011). Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich das Buch damals – 25jährig – staunend gelesen habe. Daran hat sich heute (fast) nichts geändert: Beschrieben wird ein imaginäres Treffen von ganz unterschiedlichen Männern und Frauen, die in der Zeit vom 24. Dezember bis 6. Januar auf eher unkonventionellen Denkwegen eine Annäherung suchen an die Motive und Deutungen der Weihnacht. Immer wieder leuchten dabei andere Facetten der vor allem schöpferischen Dimension der Geburtsgeschichte auf, Bezüge zur Literatur und Philosophie werden entdeckt, neue Lesarten der biblischen Geschichten erprobt…Sicher sind in den vergangenen 20 Jahren etliche Bücher erschienen, die nach Neuinterpretationen, Aktualität und Alltagsbezügen der Weihnachtsgeschichte fragen und darauf oft enttäuschend banale und oberflächliche Antworten geben. Dass Hildegunde Wöllers “wieder eröffnete Paradies” noch immer so lebendig, blühend und gefährdet wirkt, hat vielleicht damit zu tun, dass die imaginären Freunde nach tiefer liegenden Quellen gegraben haben und von dort ihre Interpretationen tastend, klug und kühn herleiten. Wer ihnen “zuhören” möchte bei ihren Gesprächen, bekommt das Buch auf vielen Wegen antiquarisch. Als E-Book steht es als kostenlose Download-Version bei http://opus-magnum.de/woeller-hildegunde.html zur Verfügung.