Geschichten erzählen mit Kamishibai: Der große Fischfang

Der große Fischfang

So geht’s:

Die nachfolgende Geschichte eignet sich gut zum Erzählen für Kinder ab Grundschulalter und Erwachsene. Sie kommt – wenn man das Kamishibai beim Erzählen zur Hilfe nimmt – mit zwei Bildern aus, die sich leicht vorbereiten lassen: Das erste Bild zeigt eine Wasserlandschaft und dahinter befindet sich ein Blatt mit 17 einfach skizzierten Fischen, die beim Erzählen nach und nach durchgestrichen werden, bis alle “verteilt” sind.  Dadurch wird das kleine Rechenkunststück, um das es hier geht, für Kinder auch optisch gut nachvollziehbar.

Besonders lebendig gelingt die Geschichte, wenn sie frei nach dem folgenden Handlungsverlauf mit eigenen Worten nacherzählt wird:

Einst lebte ein Fischer an der Ostsee, der hatte drei Söhne. Am Tag fuhr er mit seinem Schiff aufs Meer und am Abend trug er die Fische in zwei Eimern nach Hause, die er gefangen hatte.

In dem großen Eimer waren die Fische, die er räuchern wollte, um einen Vorrat zum Essen und zum Verkauf für die nächsten Tage zu haben. In dem kleinen Eimer waren kleine Fische, die seine Söhne sich abends gern in der Bratpfanne brutzelten. Drei Söhne hatte er: einen großen, einen mittleren und einen ganz kleinen.

Nun hatten die Söhne nicht alle gleich viel Hunger. Der Große, der den ganzen Tag an der frischen Luft war und Schiffe baute, sollte die Hälfte der Fische bekommen, denn er war nach der schweren Arbeit immer besonders hungrig. Der Mittlere, der tagsüber in einem kleinen Häuschen am Strand saß und Räucherfische verkaufte, hatte abends nicht mehr so viel Appetit auf Fisch. Er war mit einem Drittel aus dem Eimer zufrieden. Und der Jüngste war noch so klein, dass er am Abend, wenn der Vater heim kam, immer schon so müde war, dass er nur ein Neuntel von dem Fang schaffte.

Die Brüder zählten auch an diesem Abend die Fische aus dem Eimer und legten sie auf den Küchentisch: 1 -2 -3….17 (Blatt mit den 17 Fischen wird hinter dem Wasserbild im Kamishibai sichtbar).

Der Große fing gleich an zu rechnen: „Die Hälfte von 17…das sind…“.

„Das geht nicht!“, stellte der Mittlere fest. Und auch durch Drei lässt sich die Zahl nicht teilen.

„Und durch neun?“, wollte der Jüngste neugierig wissen. Nein, auch durch 9 war die Zahl nicht teilbar.

Der Vater, der das hörte, wollte nicht, dass seine Söhne zur Nacht noch in Streit gerieten. Er griff in den anderen Eimer, holte einen Fisch heraus und legte ihn zu den anderen Fischen auf den Tisch:

„Hier“, sagte er. „Jetzt habt ihr 18 Fische – da wird es euch nicht schwer fallen, alles wie gewohnt miteinander zu teilen.“ (Der 18. Fisch wird auf dem Blatt dazu gemalt)

Nein, das fiel den Söhnen wirklich nicht schwer: „Die Hälfte von 18 ist neun“, rechnete der älteste Sohn seinen jüngeren Brüdern vor – und legte gleich 9 Fische für sich zur Seite.

„Und von 18 ein Drittel – das sind 6“, rechnete der mittlere Bruder weiter, nahm sich die 6 Fische, schaute auf den kleinen Bruder und rechnete für ihn, weil er selbst das noch nicht konnte: „Ein Neuntel von 18? Das sind zwei Fische für Dich!“ (Anzahl der Fische jeweils auf dem Blatt im Kamishibai wegstreichen)

Ja, so ließen sich die Fische ohne Streit aufteilen – fast ohne Streit! Denn der eine Fisch, den der Vater als 18. Fisch dazu gepackt hatte, damit die Rechnung aufging, der blieb nun am Ende wieder übrig. Und den hätte sich der Große unter den Brüdern am liebsten auch noch geschnappt – aber dann hätte die ganze Rechnung wieder nicht gepasst.

Deshalb nahm der Fischer den einen Fisch zurück und ließ ihn wieder zu den anderen Fischen in den Eimer gleiten.

„17 Fische lassen sich eben doch durch zwei und durch drei und durch neun teilen“, murmelte er vor sich hin. „Und wenn drei Jungs das gemeinsam nicht hinbekommen, muss eben mal ein einziger kleiner Fisch dabei helfen.“

Nach einer mündlich  überlieferten Idee nacherzählt von Susanne Brandt