Mit eingeschaukeltem Herzen. Denken in Bewegung bei Milena Jesenska

Die „Waldworte“-Reihe zu sommerlichen Reise-Impressionen wird fortgesetzt mit Erinnerungen an die tschechische Journalistin Milena Jesenska (1896-1944), vor allem bekannt geworden durch Kafkas „Briefe an Milena“. Was weniger bekannt ist: Milena war eine leidenschaftliche Spaziergängerin und gewann viele ihrer Gedanken wie auch das eigene innere Gleichgewicht bei ausgedehnten Fußwegen durch die Stadt und über Land. In einem ihrer journalistischen Texte schrieb sie – selbst immer wieder mit Konflikten, Kummer und Widerständen konfrontiert – über die lindernde und ausgleichende Kraft der (Geh-)bewegung: „Noch zagt das Herz, es beginnt zu rasen, fließt über, beruhigt sich dann und wird schließlich eingeschaukelt, kann plötzlich wieder lachen“(Milena Jesenska, Der Weg zur Einfachheit, 1926).

In Vorbereitung auf eine geplante Pragreise im September habe ich diese Tage begonnen, die vielfach wohl im Gehen gebildeten und später niedergeschriebenen Briefe, Essays und Gedanken der engagierten Journalistin (neu) zu lesen – um dann buchstäblich auf den Spuren der Milena die Wege in und um Prag zu erkunden…    Eine faszinierende literarische Entdeckungsreise schon VOR der eigentlichen Reise – und wieder ein paar Fundstücke mehr für meine kleine Sammlung literarischer „Geh-danken“ aus alter und neuer Zeit.