Landschaften entdecken: Sönderjylland I

Gravensteiner Apfelblüte am 1. Mai 2012

Die erste Entdeckungsreise per Fahrrad durch Sönderjylland führt am 1. Mai von Flensburg über Wassersleben nach Krusa, um dann in einer Rundtour über Gejlholm, Holböl, Sönderhav und Kollund wieder in Flensburg zu enden (ca. 35-40 km).

Auf den ersten 5 Kilometern rollt das Rad unter einem lichten Buchengründach durch den westlichen Teil des Kollunder Waldes, den man leider bald wieder hinter sich lassen muss, um an der großen Kreuzung von Krusa neu zu entscheiden, wie es abseits der stark befahrenen Straßen  weitergehen könnte. Zunächst aber heißt es innehalten: Das hier nah der Grenze errichtete Denkmal des schwedischen Offiziers und Präsidenten des schwedischen Roten Kreuzes Folke Bernadotte (1895 – 1948) weckt überraschende Erinnerungen an ein Lied der beiden Niederländerinnen Gisela Söhnlein und Hetty Voute, gedichtet in KZ Ravensbrück 1945, das die durch Bernadotte ermöglichte Rettungsaktion der Weißen Busse beschreibt, mit der etwa 15.000 bis 20.000 KZ-Häftlinge 1945 nach Schweden in Sicherheit gebracht werden konnten.

Folke Bernadotte in Krusa

Die Ravensbrücker Zeit ist abgelaufen / die Tage des Schreckens sind vorbei / wir sind durchs Nadelöhr gekrochen / es ist gelungen, wir sind nun endlich frei  […] / Wir reisen jetzt nach Schweden, unserm vorläufigen Zuhaus. / In den weißen Autos vom Roten Kreuz / die kamen, um uns Rettung zu bringen / hinterm endlos grausamen Stacheldracht”  (dt. Übersetzung nach dem niederländischen Original, als Tondokument auf “O bittre Zeit. Lagerlieder 1933-1945” http://www.folker.de/200701/97plattenprojekt.htm)

Nach dieser kleinen (Ge-)Denkpause müssen wohl oder übel einige Kilometer auf dem Seitenstreifen der Hauptstraße nach Aabenraa zurückgelegt werden, um dann endlich in Höhe Kelstrup nach rechts oder links in einen der ruhig zwischen Wiesen und Wäldern gelegenen Wirtschaftswege abbiegen zu können. Ich entscheide mich zunächst für einen Bogen Richtung Westen, der an satt gelben Butterblumenwiesen und großen Gehöften entlang führt und dann wiederum die Entscheidung offen lässt, ob Flensburg am Ende über Padborg oder Kollund erreicht werden soll.

Maiwald bei Holböl

Mich zieht es mehr in Richtung Förde, d.h. ich orientiere mich in Gejlholm an der Ausschilderung nach Holböl und werde für “Bergauf bei Gegenwind” mit einer abwechslungsreichen Landschaft belohnt – und am Ende mit einem weiten Blick übers Wasser, bevor es in Sönderhav wieder steil bergab geht.

Wer sich hier nicht in die langen Schlangen vor Annies Kiosk einreihen möchte, kann die Aussicht auf die Ochseninseln genießen und oder auf andere Weise versuchen, sich von der Küstenstraße  abzuwenden, die die Idylle am Fördehang durch Motorrad- und Autokolonnen zerschneidet.

Vorbei an Schafweiden auf der einen und hoch gelegene Häuser auf der anderen Seite führt die Uferstraße nach Kollund (und weiter nach Krusa), wo sich wiederum die Gelegenheit bietet, die Straße hinter sich zu lassen und erneut in den Buchenwald einzutauchen, auch wenn dafür an dieser östlichen Seite des Kollunder Waldes beachtliche Steigungen und Gefälle in Kauf zu nehmen sind.

Haus am Fördehang

Das letzte Stück zwischen Wassersleben und Ostseebad geht dann umso schneller….auf den letzten Metern wieder blühende Obstbäume in den Gärten: Zarter Zauber für wenige Tage….

Zerblättern die Apfelblüten

Wie kleines feines Papier zerblättern die Apfelblüten,
Schier ein Atemhauch entführt sie dir,
Kannst sie mit keiner Hand vorsichtig hüten.
Sind wie ein rosiger Hauch, der über Nacht entstand,
Und sie entschweben auch, eh du’s gedacht;
Haben glückliche Augenblicke in die Leere gebracht.
Sind wie Liebessekunden flüchtig entschwunden.
Waren in Gedanken unendlich groß, regnen zur Erde lautlos
Und liegen dir wie ein Blättlein Papier unscheinbar im Schoß.

Max Dauthendey (1867-1918)